Risikoverhalten im Fokus

Vorarlberg / 29.09.2022 • 19:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer Blut spenden will, muss einen Fragebogen ausfüllen. 
Wer Blut spenden will, muss einen Fragebogen ausfüllen. 

Ende der Diskriminierung: Die neuen Bestimmungen beim Blutspenden im Überblick.

SCHWARZACH Seit Anfang September gilt eine neue Verordnung, die eine diskriminierungsfreie Blutspende ermöglichen soll. Dem Roten Kreuz zufolge ist derzeit aber noch keine Zunahme zu bemerken.

 

Was sieht die Neuerung vor? Geschlecht und sexuelle Orientierung spielen demnach keine Rolle mehr. Vielmehr geht es um das individuelle Risikoverhalten. Folgende Regel ist in Kraft: Wer in den letzten drei Monaten mehr als drei verschiedene Sexualkontakte hatte, darf ebenso lange auch kein Blut spenden. Eine Wartefrist müssen etwa auch Personen einhalten, die in den letzten Wochen ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner hatten. Damit solle das Risiko für die Weitergabe einer sexuell übertragbaren Krankheit wie etwa HIV oder Hepatitis gering gehalten werden, erklärt das Rote Kreuz. Früher waren Männer, die Sex mit Männern hatten, ausgeschlossen. Auch Transgenderpersonen durften nicht spenden. Damit ist nun Schluss. „Mit der Kundmachung der novellierten Blutspendeverordnung beseitigen wir endlich die Diskriminierung von homo- und bisexuellen Männern, ihrer Partnern und Partnerinnen und Transpersonen“, sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) im Sommer.

Der Vorarlberger Verein GoWest lobte die Änderung als „wichtigen Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Entstigmatisierung der LGBTQIA*-Community. Die Abkürzung kommt aus dem englischen Sprachraum und steht für lesbisch, gay, bisexuell, trans, queer, intersexuell, asexuell und weitere Geschlechtsidentitäten. Go West zufolge wird sich mit der Zeit zeigen, ob alle Diskriminierungen in der Praxis abgebaut wurden. Die Änderung ist seit September in Kraft.

Hat es seither noch Fälle von Diskriminierungen gegeben? Anfang des Monats ist in Wien eine Transperson von der Blutspende ausgeschlossen worden – und zwar bei einem Medientermin anlässlich der neuen Verordnung. Zulässig ist das nicht. Das Gesundheitsministerium und das Rote Kreuz erläuterten umgehend, dass die diskriminierungsfreie Blutspende selbstverständlich auch Transpersonen offenstehe. Seitdem die neuen Regeln in Kraft sind, liegen GoWest in Vorarlberg jedenfalls keine entsprechenden Daten oder Erfahrungsberichte zu ähnlichen Abweisungen vor.

 

Was muss grundsätzlich bei der Blutspende beachtet werden? Personen zwischen dem 18. und 70. Geburtstag dürfen Blut spenden, erklärt das Rote Kreuz. Sie müssen gewisse gesundheitliche und gesetzlich festgelegte Kriterien erfüllen. Wer zum ersten Mal spendet, darf zu diesem Zeitpunkt beispielsweise noch nicht das 60. Lebensjahr vollendet haben. Außerdem ist ein Körpergewicht von mindestens 50 Kilogramm festgeschrieben. Dazu kommen, neben den eingangs genannten, weitere Ausschlusskriterien, wie Erkrankungen und Erkältungen, Zeckenstiche oder Aufenthalte in Malariagebieten. Manche sind nur temporär.

Seit dem 1. September gibt es einen aktualisierten, bundesweit einheitlichen Fragebogen. Er muss vor jeder Spende ausgefüllt werden.

 

Wie steht es um die Blutspende in Vorarlberg? Im Jahr 2021 wurden zur Versorgung der Patientinnen und Patienten 16.009 Vollblutkonserven abgenommen, sagt Michael Hamel, Bereichsleiter des Blutspendediensts vom Roten Kreuz. Diese Zahl ist nicht jedes Jahr konstant, zwischen 15.500 und 16.500 seien notwendig. Rotkreuz-Geschäftsführerin Janine Gozzi zufolge werden sie für Operationen, aber auch in der medizinischen Behandlung und bei Therapien gebraucht. Seit Jahren gebe es Kooperationen mit den Gemeinden, aber auch mit großen Vereinen, weiters jährliche Blutspende-Aktionen. Sie bekräftigt: „Wir haben sehr treue Spenderinnen und Spender.“ Einen Aufruf brauche es in Vorarlberg nicht. Nach Änderung der Blutspendeverordnung konnte Gozzi zufolge zumindest aktuell noch keine Zunahme bei den Spendern festgestellt werden. VN-RAM

Laut Rotkreuz-Geschäftsführerin Janine Gozzi gibt es in Vorarlberg sehr treue Blutspender und daher keine Engpässe. Rotes Kreuz
Laut Rotkreuz-Geschäftsführerin Janine Gozzi gibt es in Vorarlberg sehr treue Blutspender und daher keine Engpässe. Rotes Kreuz

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