Mobbing geht im Kinderzimmer weiter

Vorarlberg / 30.09.2022 • 15:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Teresa Worf ist Schulsozialarbeiterin. Sie gibt Tipps, wie man sich gegen Mobbingattacken wehrt. VN/JUN
Teresa Worf ist Schulsozialarbeiterin. Sie gibt Tipps, wie man sich gegen Mobbingattacken wehrt. VN/JUN

Cyber-Mobbing unter Schülern habe in der Coronazeit zugenommen, weiß Schulsozialarbeiterin Teresa Worf.

Region Einige freuen sich, wieder in die Schule gehen zu können, andere sehnen sich das Distance-Learning herbei. Nach wie vor werden Kinder in den Schulen gemobbt. Mittlerweile verlagert sich das Mobbing immer mehr auf die sozialen Medien, dort, wo es Lehrer nicht immer direkt mitbekommen. Durch das Cyber-Mobbing bleiben die Demütigungen und verbalen Verletzungen nicht nur im Schulgebäude, sondern folgen einem nach Hause ins Kinderzimmer, wo der Terror im Netz weitergeht. 17 Prozent aller Jugendlichen sind, wie eine Studie anlässlich des 19. International Safer Internet Day 2022 belegt, bereits Opfer von Cyber-Mobbing geworden.

„Mobbing findet oft im Verborgenen statt“, weiß Teresa Worf, Schulsozialarbeiterin beim ÖZPGS (Österreichisches Zentrum für psychische Gesundheitsförderung im Schulbereich). Sie ist als Schulsozialarbeiterin seit fünf Jahren für Volks- und Mittelschulen in Vorarlberg zuständig. Jugendliche berichten, dass Cyber-Mobbing in der Pandemie zugenommen habe. „Das ist besonders problematisch, weil sich Inhalte rasend schnell im Internet verbreiten und es eine breite Öffentlichkeit mitbekommt. Was einmal im Internet ist, kann oft nicht mehr gelöscht werden“, erklärt die Expertin.

Mobbing sei nicht nur für die Betroffenen schlimm, sondern kann auch strafbar sein. Umso wichtiger sei es, sich frühzeitig einer Vertrauensperson zu öffnen. Es mache Sinn, Beweise zu sichern und Screenshots von Chatnachrichten zu machen, bevor diese gelöscht werden. Prinzipiell rät Teresa Worf, keine persönlichen Daten ins Internet zu stellen. Anonyme Hilfe gibt es auch bei Rat auf Draht unter der Nummer 147.

Präventionsworkshops an Schulen

An den Pflichtschulen gibt es Mobbing- und Gewaltpräventionsworkshops, die von Fachkräften der offenen Jugendarbeit durchgeführt werden. Die Schüler lernen dadurch, wie man sich richtig wehrt, ohne Gewalt auszuüben. „Starkes Wehren hilft“, betont Worf. „Es vermittelt, dass ich das, was ich sage, auch ernst meine.“ Dabei sind eine aufrechte Haltung, eine Armlänge Abstand zum Gegenüber, die Arme am Körper und ein bestimmter Blick wichtig. Auch Zwei-Wort-Sätze zu verwenden, kann helfen, sagt Teresa Worf und nennt als Beispiele Befehle wie „Hör auf!“ oder „Lass das!“.

Aufgrund von Distance-Learning fanden zwei Jahre lang keine Präventionsworkshops statt. Durch die fehlende Präsenz war es schwieriger, Mobbingfälle aufzudecken, da das Mobbing in den sozialen Medien nahtlos weiterging. Nun werden wieder zum Schulbeginn flächendeckend Workshops angeboten. „Die Schulsozialarbeit leistet hier ganz wichtige, nachhaltige Arbeit“, so Teresa Worf. Für Lehrer gibt
es Fortbildungen, um gezielte Angriffe wie Herabwürdigungen in der Klasse auf einen Schüler zu erkennen und kompetent darauf zu reagieren.

Mobbingopfer kann jeder werden

Mobbing findet ausschließlich in Gruppen statt, mit dem Ziel, dass sich die Täter dadurch besser fühlen. Die Täter suchen sich ihre Opfer mehr oder weniger willkürlich aus, indem sie nach einem Aufhänger wie das Aussehen oder eine bestimmte Eigenschaft suchen und schauen, ob und wie sich das Kind gegen diese Provokation wehrt. Wehrt sich das Kind nicht stark genug und hat es auch keine Unterstützer in der Klasse, ist es als Mobbingopfer auserkoren. „Mobbingopfer kann jeder werden“, weiß die Schulsozialarbeiterin.

Anvertrauen ist nicht Petzen

Dies hat körperliche und psychische Auswirkungen. Kinder ziehen sich immer mehr zurück, sind müde, unkonzentriert oder haben schlechte Noten. „Sie fühlen sich oft alleine und denken, dass ihnen niemand hilft“, berichtet Teresa Worf. „Dabei haben sie nichts falsch gemacht.“ Betroffene wie auch Helfer hätten Angst, als Petze dazustehen, sollten sie etwas sagen. „Aber Anvertrauen ist nicht Petzen“, betont sie.

Es sei wichtig, sich an Fachpersonen zu wenden, wie die Schulsozialarbeiter vor Ort. „Die Schulsozialarbeit bietet einen sicheren Rahmen für Betroffene.“ Eltern und Schule sollen die Kinder ernst nehmen. Sie rät betroffenen Eltern, sich an Fachpersonen in oder außerhalb der Schule zu wenden, um gemeinsam zu überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Anlaufstellen können Lehrpersonen, Schulleitung, Schulsozialarbeiter oder die Mobbing-Koordinationsstelle Vorarlberg sein. VN-JUN

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