„Zero Waste braucht keine Perfektion“

Vorarlberg / 03.10.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Satteins bei Corinna Amann kann man plastikfreier einkaufen und so zum Umweltschutz beitragen. <span class="copyright">VN/Hartmann</span>
In Satteins bei Corinna Amann kann man plastikfreier einkaufen und so zum Umweltschutz beitragen. VN/Hartmann

Corinna Amann und ihre Familie leben beinahe plastikfrei. Aus ihrem Hobby wurde ihr Beruf.

Satteins Im Jahr 2015 startete Corinna Amann einen Selbstversuch, mit dem Ziel, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Aus ihrem 130-tägigen Versuch wurde ihr Beruf. Heute hält die 38-Jährige Vorträge und gibt Workshops zum Thema „Plastikfreier leben“. Außerdem hat sie ihren eigenen „Unverpackt-Laden“ in Satteins eröffnet.

Wer das Geschäft betritt, sieht Glasbehälter gefüllt mit Trockenlebensmitteln oder Wasch- sowie Putzmittel. Auch Pflegeprodukte wie festes Shampoo oder Zahnputzpulver haben ihren Platz gefunden. „Ich biete bewusst nichts in Einwegverpackungen an, der Umwelt zuliebe“, erklärt die Satteinserin. Dinge, die aus hygienischen Gründen nicht in eigenen Gefäßen abgefüllt werden können – wie beispielsweise Tomatensauce – bietet Corinna Amann in Pfandgläsern an. Diese werden zurück zu ihr ins Geschäft gebracht, von ihr wieder beim Lieferanten abgegeben und erneut befüllt. So entsteht auch hier kein unnötiger Müll.

Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit, füllen ab und zahlen nur für das, was sie brauchen.
Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit, füllen ab und zahlen nur für das, was sie brauchen.

Für die meisten Produkte jedoch bringen die Kunden eigene Gefäße mit und füllen die gewünschte Menge ab. „Dass plastikfreier Leben teurer ist, stimmt einfach nicht“, erklärt die Ladeninhaberin. Sie untermauert ihre These mit einem einfachen Beispiel: „Im Supermarkt werden Gewürze meist nur in 100 g Säckchen angeboten. Bei mir können die Kunden genau die Menge an Gewürz kaufen, die sie wirklich benötigen. So zahlt man auch nur das, was man wirklich braucht“, erklärt die Ladeninhaberin. Das habe zwei Effekte: Erstens sei der Einkauf so günstiger als im „verpackten Lebensmittelladen“ und zweitens produziere man nicht nur weniger Müll, man verschwende damit auch weniger Lebensmittel.

Auch saisonales Obst und Gemüse werden im Lebensmittelladen angeboten.
Auch saisonales Obst und Gemüse werden im Lebensmittelladen angeboten.

„Plastikmüll, ein Ergebnis von Schnelllebigkeit“

Plastikfreier oder gar komplett plastikfrei zu leben, ist für manche schwer vorstellbar. Corinna Amann jedoch weiß genau, worauf es dabei ankommt. „Zero Waste braucht keine Perfektion, das wäre utopisch. Wenn jemand auf seine Gummibärchen in Plastikverpackung nicht verzichten möchte, soll man das auch nicht. Dann gibt es bestimmt andere Dinge, auf die man achten kann“, erklärt die 38-jährige Satteinserin. Den eigenen Einkauf genau unter die Lupe nehmen und sich Alternativen überlegen sowie eine Stofftasche zur mehrfachen Verwendung und eine Trinkflasche griffbereit in der Handtasche haben, das sind die Einstiegstipps von Corinna. „Plastikmüll ist vielfach ein Ergebnis von Schnelllebigkeit“, erklärt die Ladenführerin. „Man springt schnell in die Tankstelle oder einen Supermarkt, weil man Durst hat. Und schon wieder ist eine PET-Flasche mehr an Müll entstanden.“

Zero-Waste-Prinzipien

REFUSE Ablehnen, was unnötig ist

REDUCE Konsum reduzieren, Verschwendung minimieren

REUSE Nutzungsdauer verlängern, Einwegprodukte meiden

RECYCLE Recyclingfähigkeiten beachten und Müll trennen

RETHINK Gelerntes hinterfragen, neu denken

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