Bruchzonen lassen Vorarlberg beben

Vorarlberg / 04.10.2022 • 22:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im September kam es wiederholt zu Erdbeben. In der Arlbergregion spürt man die Erschütterungen besonders oft.

SCHWARZACH, WIEN Am Donnerstag letzter Woche bebte die Erde dreimal südlich von Feldkirch und Frastanz. Zwei und drei Tage zuvor gab es jeweils eine Erschütterung bei Landeck, am 19. September wiederum bei Lech und auch neun Kilometer südlich von Vaduz. Am 1. September unterbrach ein Erdbeben die Landtagssitzung zur Erdbebenversicherung in Liechtenstein.

Mit einer Magnitude von 2,0 und mehr waren davon jeweils eines der drei vom Donnerstag wie auch am Montag bei Landeck spürbar. Jenes vom 1. September in Vaduz wäre theoretisch in der Lage gewesen, Gebäude zumindest leicht zu beschädigen. Aber auch wenn es sich derzeit nach einer Häufung von Erdbeben anfühlt, sieht man bei der ZAMG keinen Grund zur Sorge. „Es gibt etwa einmal pro Woche in Österreich ein Erdbeben, das von der Bevölkerung verspürt werden kann“, erklärt Seismologin Christiane Freudenthaler von der ZAMG. Drei- bis viermal pro Jahr muss man in Vorarlberg mit spürbaren Erdstößen rechnen. Für Österreich gilt vor allem Tirol als Hotspot der Erdbeben.

Erdbeben wie jenes in Vaduz gibt es in Vorarlberg etwa alle 30 Jahre. Die stärksten Erdbeben in Vorarlberg liegen etwa so lange zurück: 1996 bebte bei Lech die Erde mit einer Magnitude von 4,3, in Dalaas 1965 mit einer Magnitude von 4,0. Historisch wäre noch ein Erdbeben 1771 bei Riezlern zu erwähnen, das sich ebenfalls in dieser Stärke bemerkbar gemacht haben dürfte.

Nahe der Oberfläche

Grund für die Erdstöße in Vorarlberg sind Bruchzonen in den Gesteinsschichten entlang des Rheintals, beim Spullersee sowie entlang des Klostertals und in der Arlbergregion rund um Lech. Gerade letztere sind recht nahe an der Oberfläche und lassen sich selbst bei geringer Stärke (Magnitude) vernehmen. Bei der Reibung zwischen den Gesteinsschichten entlang solcher Bruchlinien baut sich Spannung auf, die sich in Erdbeben entlädt. Dann beginnt der Spannungsaufbau von vorne, womit sich die regelmäßigen Beben erklären lassen. „Mit einem Erdstoß ändert sich aber die Gleichgewichtslage in angrenzenden Lagen. Dies kann zu Folgebeben führen“, erklärt Freudenthaler. So könnten die Beben bei Feldkirch und Frastanz eine Folge der Erdstöße von Vaduz sein.

Das Erdbeben in Liechtenstein zeigt eine weitere Besonderheit auf: In Vorarlberg verspürt man meist Erdstöße, die sich in Tirol, Liechtenstein oder der Schweiz ereignet haben. Gerade die Kantone Chur und St. Gallen werden immer wieder von spürbaren Erdbeben heimgesucht. Aufgrund der Bruchlinie im Rheintal ist dort auch die Gefahr größer als im Rest Vorarlbergs, dass es zu gebäudebeschädigenden Erdstößen kommt.

Auch wenn sich heuer relativ viel Erdbeben in Vorarlberg bemerkbar machten, bewegt man sich laut Seismologin Freudenthaler noch im üblichen Rahmen. Auch die Folgen sind bislang überschaubar, bei der ZAMG gingen keine Meldungen über gravierende Beschädigungen ein. vn-rau

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