Schwarzenberger Mittagsbetreuung wurde zu einem Vorzeigeprojekt

Vorarlberg / 05.10.2022 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Von Annemarie Vetter, Sandra Moosmann, Martina Kaufmann und Angela Simma (v. l.) wurden die Eröffnungsgäste gesund und regional verwöhnt.
Von Annemarie Vetter, Sandra Moosmann, Martina Kaufmann und Angela Simma (v. l.) wurden die Eröffnungsgäste gesund und regional verwöhnt.

Großer Erfolg für ein mustergültiges Modell der Gemeinde Schwarzenberg.

Schwarzenberg „Als wir vor drei Jahren mit einer kleinen Teeküche eine Art Mittagsbetreuung für Volksschüler, Kindergartenkinder und Spielgruppe aufbauten, wurde bald klar, dass damit die Nachfrage längerfristig nicht abgedeckt werden kann“, erinnert Bürgermeister Josef Anton Schmid bei einer kleinen Eröffnungsfeier an die Anfänge des Projekts. „Im vergangenen Schuljahr haben wir etwa zwei Dutzend Kinder versorgt und waren längst am Limit angelangt“, ergänzen die Köchinnen Sandra Moosmann und Martina Kaufmann, die die Mittagsbetreuung in Schwarzenbergs Schule organisieren.

Unbürokratisch reagiert

Begonnen hat es unkonventionell: „Die Schulkinder haben früher ihr Mittagessen selbst mitgebracht, ehe wir 2019 damit begannen, Mittagessen aus der kleinen Schulküche anzubieten“, so Sandra Moosmann. Als sich abzeichnete, dass die Nachfrage weiter steigen wird, habe man in den Sommerferien rasch reagiert, so der Gemeindechef, der die unbürokratische Abwicklung und Umsetzung des Projekts lobt. „Im Gemeindevorstand gab es keine Diskussion, wir waren uns rasch einig und konnten dank engagierter Handwerker die Küche binnen weniger Wochen rechtzeitig zum Schulbeginn installieren. Rund 80.000 Euro mussten dafür in die Hand genommen werden – und kein einziger davon hat mich gereut.“

70 Mahlzeiten auf die Tische

Das verbesserte Angebot löste riesiges Interesse aus – „seit Schulbeginn werden am Dienstag und Donnerstag, wenn in der Schule auch am Nachmittag unterrichtet wird und der Kindergarten samt Kleinkinderbetreuung ebenfalls von 7.30 bis 16 Uhr offen hat, insgesamt 70 Mahlzeiten serviert. Neben 60 Kindern freuen sich auch zehn Lehrpersonen zweimal in der Woche über ein frisch zubereitetes Mittagessen, bei dem darauf geachtet wird, fast ausschließlich regionale Produkte zu verwenden“, informiert Schmid. Die beiden Köchinnen werden „im Service“ und bei der Beaufsichtigung vor allem von Annemarie Vetter und Andrea Simma unterstützt.

Bürgermeister Josef Anton Schmid als „Erntehelfer“ im mustergültigen Schulgarten von Annemarie Vetter, die hier ihr Fachwissen den Schulkindern weitergibt.
Bürgermeister Josef Anton Schmid als „Erntehelfer“ im mustergültigen Schulgarten von Annemarie Vetter, die hier ihr Fachwissen den Schulkindern weitergibt.

Gemüse, Salat usw. kommen aus dem Schulgarten, in dem die Kinder auch lernen können und für den eine anerkannte Expertin zuständig ist: Annemarie Vetter, aus Schwarzenberg stammende Gattin des Biopioniers Hubert Vetter. Gemeinsam haben die beiden vor rund 40 Jahren den Hof von Huberts Vater in Lustenau übernommen, sind 1996 ins Alberried ausgesiedelt und haben auf Biohof umgestellt. Vor einigen Jahren haben sie ihr Lebenswerk in Lustenaus Süden zwischen L 204 und Naturschutzgebiet Gsieg/Obere Mähder ihrem Sohn Simon übergeben und sind nach Schwarzenberg gezogen.
Annemarie Vetter kann mit einem umfangreichen Wissen aufwarten. Sie ist u. a. ausgebildete Kräuterpädagogin, hat eine Ausbildung für das Projekt Schule am Bauernhof und sich vieles durch Learning by doing angeeignet. „Kurzum, sie war die ideale Initiatorin für unseren Schulgarten, der 2021 angelegt wurde“, freut sich der Gemeindechef über diese Ergänzung der Schulküche. Und ihr Engagement hat einen weiteren großen Vorteil: „Im Winter können wir auf Lieferungen von frischem Gemüse, Salat, Kräutern usw. von unserem Hof in Lustenau zurückgreifen.“ Stolz ergänzen die Köchinnen, dass auch alle anderen Zutaten aus der Region kommen – Fleisch aus Schwarzenberg, Dinkel (Brot wird in der Schulküche selbst gebacken) und Eier vom Martinshof, Milch von der Vorarlberg Milch usw. Vieles kommt auch vom örtlichen Spar/Konsum-Markt.

Kein Gericht zweimal

Stolz sind die Köchinnen darauf, dass kein Gericht zweimal angeboten wird. In einem liebevoll gestalteten Kochbuch, das Schülerinnen und Schülern bei ihrem Abgang aus der Volksschule nach der vierten Klasse zur Erinnerung mitgegeben wird, sind die mehr als 70 Mahlzeiten, die im Schuljahr 2021/22 verabreicht wurden, aufgelistet. Auch viele Rezepte finden sich in dem bemerkenswerten Buch, dessen Menüvorschläge auf Einfachheit, Regionalität und Frische aufgebaut sind. Ein Highlight kam im Schuljahr 2022/23 bereits auf den Tisch: „Es gab in den ersten Schultagen Buchteln, 180 haben wir vorbereitet – es hat fast nicht gereicht …“, lachen die beiden Köchinnen. Und stellen in Aussicht, dass sie hier vielleicht eine Ausnahme machen werden und wegen „hartnäckiger Wünsche“ irgendwann im Laufe des Schuljahrs noch einmal Buchteln auf den Menüplan setzen. STP

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