Todesdrama auf der Baustelle

Vorarlberg / 05.10.2022 • 22:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Prozess ist für drei Tage anberaumt. „Man versucht hier unbedingt einen Schuldigen zu finden“, kritisiert Anwalt Fiel. EC
Der Prozess ist für drei Tage anberaumt. „Man versucht hier unbedingt einen Schuldigen zu finden“, kritisiert Anwalt Fiel. EC

Ob jemand Schuld an dem Arbeitsunfall trägt, soll nun ein dreitägiger Prozess klären.

Feldkirch Vor fast genau zwei Jahren ereignete sich in Bregenz auf einer Großbaustelle ein tragischer Unfall. Ein Hochregallager wurde errichtet. Dachdecker waren mit Arbeiten an dem Trapezblechdach beschäftigt. Konkret mussten sie Aussparungen für diverse Abzüge und Schächte schneiden. 30 an der Zahl, bei der letzten benötigten sie noch ein weiteres Werkzeug.

Der Hilfsdachdecker, der eigentlich gar keine Ausbildung als Fachkraft hat, ging es holen. In der Zwischenzeit wurde die Öffnung, im Gegensatz zu den anderen 29 Öffnungen angeblich nicht ausreichend abgesichert. Dann betrat der 37-jährige tschechische Kranführer, der laut Verteidigung nicht gut deutsch sprach, unbefugterweise das Blechdach. Er stürzte in die Tiefe und erlag seinen schweren Verletzungen.

Alles offen

Die Verteidiger betonen beide, dass hier nach dem Prinzip „Den Letzten beißen die Hunde“ angeklagt worden sei. Immerhin habe es einen Baukoordinator gegeben, der sitze heute allerdings nicht als Angeklagter hier, erläuterte einer der Verteidiger. Der Teil des Daches, wo der Unfall später passierte, sei deutlich abgesperrt gewesen. Außerdem habe die Pflicht, sich anzuseilen, bestanden. All das habe der Kranführer ignoriert, so die Verteidigung. Ein Grund für das unvorsichtige Verhalten des Unfallopfers sei vermutlich gewesen, dass es sich um einen tschechischen Leasingarbeiter gehandelt habe, der den ersten Tag auf der Baustelle war. Es sei vielmehr auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen, dass es zu dem traurigen Zwischenfall gekommen sei, betonen die zwei Anwälte übereinstimmend. Sie sehen keinen Anlass, hier jemanden für eine fahrlässige Tötung zur Verantwortung zu ziehen.

Keine Hau-Ruck-Aktion

Verteidiger Marco Fiel merkt an, dass es sich bei der Großbaustelle eines international tätigen Unternehmens nicht um irgendeine Baustelle mit Hau-Ruck-Aktionen gehandelt habe. Es scheine in der Anklage so, als habe jeder gemacht, was er wollte, nichts sei koordiniert und gesichert gewesen. Doch dem sei nicht so. „Man versucht hier für diesen Tod unbedingt einen Schuldigen zu finden“, kritisiert Fiel. Hunderte von Arbeitern seien vor Ort gewesen und koordiniert worden. Dass der Kranführer verunglückte, könne man seinem Mandanten jedenfalls nicht anlasten, er habe keine Vorschriften verletzt. Was das Gericht von diesen Argumenten hält, wird sich bei der Urteilsverkündung zeigen. EC

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