Erste Rufe nach der Maskenpflicht

Vorarlberg / 06.10.2022 • 22:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erste Rufe nach der Maskenpflicht

Corona: Auf Sommerwelle folgt auch in den Spitälern eine regelrechte Herbstwand.

SCHWARZACH. „Wie lange noch zuschauen, wie Covid durch die Decke geht?“, fragt der Gesundheitsexperte Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) auf Twitter: Der Winter sei noch lang und in den Spitälern werde es bereits eng. Ohnehin schon knappes Personal sei mit mehr und mehr Patienten konfrontiert. Ein Blick auf die Entwicklung in Vorarlberg belegt es: In einer Woche hat sich die Zahl der Patienten mit Corona auf 73 verdoppelt. Tendenz: weiter steigend. In zwei Wochen könnte es sich nach Einschätzung des Prognosekonsortiums des Gesundheitsministeriums um 90 bis 100 handeln.

Überraschend sei das alles nicht, sagt Armin Fidler, der das Land in Gesundheitsfragen berät: „Wir haben immer gewusst, dass eine Herbstwelle kommt.“ Nach der Sommerwelle, die Anfang August abgeklungen ist, war die Verschnaufpause allerdings kurz. Und das, was zuletzt lief, verdient den Begriff Herbstwand, so steil gingen die Kurven nach oben. Viel früher als im vergangenen Jahr. Damals kam es erst Ende Oktober dazu.

Angespannte Personalsituation

Das Problem ist nach Auskunft der Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, dass in manchen Abteilungen grundsätzlich schon eine angespannte Personalsituation herrscht; und dass fast drei Jahre Pandemie an der Substanz aller zehren. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, werde die Belastung einmal mehr sehr hoch.

Auch wenn sich einiges geändert hat: Auf der Intensivstation landen nur noch wenige Patienten mit Corona. Die meisten befinden sich auf der Normalstation und jeder zweite ist aus einem anderen Grund aufgenommen worden, eine Infektion erst im Zuge einer Testung festgestellt worden. Das ändert jedoch nichts, wie Fidler betont: „Abgesondert werden müssen auch sie.“

Außerdem: Für die Lagebeurteilung werden die Personalausfälle immer relevanter. In Vorarlberg waren zuletzt allein 0,8 Prozent der Mitarbeiter positiv. In der Vergangenheit waren es schon mehr. Der Spielraum ist jedoch klein. Ein Ausfall von insgesamt drei bis vier Prozent sei normal, so Fidler: Gehe es Richtung zehn Prozent, komme es zu einem Systemrisiko, müssten Abteilungen geschlossen und Leistungen (Operationen etc.) reduziert werden. In einer Welle kann das rasch passieren. Was tun? Fidler appelliert, sich impfen zu lassen. Außerdem wäre die Maske wieder gefragt: „Masken funktionieren, sie machen Sinn.“ Es wäre vernünftig, die Pflicht etwa im öffentlichen Verkehr wieder einzuführen.

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) äußert sich zurückhaltend: In den Spitälern werde die Maskenpflicht verschärft und auf Mitarbeiter in der Verwaltung ausgeweitet. „Außerhalb der Spitäler wird Vorarlberg keine schärferen Maßnahmen im Alleingang forcieren.“ Man trete für ein bundeseinheitliches Vorgehen ein. Empfehlungen wie das Masketragen in Innenräumen sollten jedoch eingehalten werden. joh

„Außerhalb der Spitäler wird Vorarlberg keine schärferen Maßnahmen im Alleingang forcieren.“

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