Was knappe Arzneien mit Asien zu tun haben

Vorarlberg / 06.10.2022 • 04:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Was knappe Arzneien mit Asien zu tun haben

Manche Medikamente sind derzeit nicht lieferbar. Für Apotheken wird das zur Herausforderung, auch wenn es meistens Alternativen mit dem gleichen Wirkstoff gibt.

Schwarzach An Kundinnen und Kunden mangelt es den Vorarlberger Apotheken angesichts steigender Coronainfektionen und des Herbstes als Erkältungszeit nicht. Vielmehr sind derzeit nicht lieferbare Medikamente das Problem.

Ist ein verschriebenes Medikament nicht vorrätig, müssen sich die Apothekerinnen und Apotheker auf die Suche nach Ersatzmedikamenten machen.<span class="copyright">VN/Haller</span>
Ist ein verschriebenes Medikament nicht vorrätig, müssen sich die Apothekerinnen und Apotheker auf die Suche nach Ersatzmedikamenten machen.VN/Haller

Davon weiß Renate Grotti derzeit ein Lied zu singen. Im Mai dieses Jahres hat sie mit ihrem Team in Feldkirch-Tosters die Apotheke eröffnet. In den vergangenen Wochen kam es immer wieder vor, dass einige Medikamente, die auf Rezepten ihrer Kundinnen standen, nicht vorrätig waren. “Derzeit bekomme ich zum Beispiel die beiden Antibiotika Ospexin und Unasyn nicht”, erklärt Grotti, die drei Mal pro Tag Medikamentenlieferungen erhält.

Was knappe Arzneien mit Asien zu tun haben
Derzeit in den meisten Apotheken Tantum Verde Pastillen nicht zu bekommen. Foto: Shopapotheke.at

“Ich habe zum Glück zwei verschiedene Lieferanten und damit gewisse Jongliermöglichkeiten.” Ebenso seien derzeit Tantum Verde Pastillen, die gegen Halsschmerzen eingenommen werden, sowie der Nureflex Junior Hustensaft nicht zu bekommen.

Was knappe Arzneien mit Asien zu tun haben
An Kundinnen mangelt es in Vorarlbergs Apotheken, hier in Feldkirch-Tosters, nicht. VN/Haller
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Apothekerin Renate Grotti mit Arzneien, die bei Halsschmerzen eingenommen werden können. VN/Haller

Prinzipiell gebe es aber bei den meisten Medikamenten Ausweichmöglichkeiten von anderen Herstellern. Bei Tantum Verde wären das zum Beispiel Neo-Angin-Pastillen. “Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich bei anderen Apotheken anfragen musste, ob noch Restposten von rezeptpflichtigen Medikamenten da sind. Im schlimmsten Fall muss Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden, welche Alternativen möglich sind”, sagt Grotti.

Apotheke im Dornbirner Messepark.<span class="copyright">VOL/Mayer</span>
Apotheke im Dornbirner Messepark.VOL/Mayer

Alternativen mit gleichem Wirkstoff

Schauplatzwechsel nach Dornbirn in die Apotheke im Messepark. Auch die Tantum Verde Tabletten sind hier nicht mehr vorrätig. Ebenfalls ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Cefalexin, von dem es eigentlich drei verschiedene Präparate geben würde, sind aktuell nicht erhältlich. “Es gibt aber Alternativen mit  ähnlichen Wirkstoffen”, beruhigt der Apotheker. “Es ist nicht so, dass wir Kunden aufgrund der Engpässe nicht bedienen können.” Es könne aber nötig sein, Kontakt zu den behandelnden Ärztinnen und Ärzten aufzunehmen, um die Verschreibung alternativer Medikamente abzuklären.

Dietmar Purin <span class="copyright">Apotheke im Messepark</span>
Dietmar Purin Apotheke im Messepark

“Es gibt derzeit Lieferengpässe”, bestätigt der Schrunser Apotheker und Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer Christof van Dellen. Mit entsprechendem Aufwand könne aber in den meisten Fällen auf andere Hersteller ausgewichen werden. “Es gibt ja von vielen Herstellern Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff.” Die Gründe für die Engpässe sieht van Dellen in der Auslagerung der Produktion in den asiatischen Raum, insbesondere nach China und Indien, wo deutlich günstiger produziert wird.

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Christof van Dellen, Apotheker in Schruns und Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer.

Nur noch eine Penicillin-Fabrik in Europa

Immer wieder komme es zum Beispiel vor, dass es aufgrund von Verunreinigungen zu Produktrückrufen kommt. „In Asien werden inzwischen bis zu 90 Prozent der Wirk- und Hilfsstoffe produziert.“ Dies führe zu einer Abhängigkeit Europas. So gibt es zum Beispiel nur mehr eine einzige Anlage innerhalb Europas, nämlich im Tiroler Kundl, wo Penicillin produziert wird. Der Standort stand in jüngster Zeit ebenfalls auf der Kippe.

Die letzte euopäische Produktionsstätte von Penicillin im Tiroler Kundl. <span class="copyright">APA</span>
Die letzte euopäische Produktionsstätte von Penicillin im Tiroler Kundl. APA

Hinzu kommen die langen Lieferketten nach Europa, was etwa durch die Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff Ever Given deutlich wurde. Langfristig müsse jedoch das Ziel sein, größere Teile der Produktion wieder zurück nach Europa zu holen, um Abhängigkeiten zu mindern. “Wenn man diese Unabhängigkeit haben will, muss man aber auch akzeptieren, dass es teurer wird.”

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