Wenn der Treibstoffpreis zu schnell auf zwei Euro steigt

Mobilität / 06.10.2022 • 12:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wenn der Treibstoffpreis zu schnell auf zwei Euro steigt
Ruzica Andjelkovic (55) versteht die Preisentwicklung an den Tankstellen nicht mehr. VN/Rauch

Das die CO2-Steuer die Treibstoffpreise steigen lässt, war zu erwarten. Manche wundern sich aber, wie schnell sie stiegen.

Dornbirn Ruzica Andjelkovic will nach Lindau, davor geht es noch schnell zur Tankstelle. “Es ist ja wahnsinnig, man muss das Auto gar nicht mehr benutzen wollen”, kommentiert die 55-Jährige die aktuellen Treibstoffpreise. “Zehn Liter für 20 Euro, damit kommt man nicht weit.”

Seit dem ersten Oktober ist die CO2-Steuer in Kraft. Pro Tonne CO2 ist eine Abgabe von 30 Euro zu leisten. Für Diesel entspricht dies einem Aufschlag von acht Cent pro Liter. Umgesetzt wurde diese an vielen Tankstellen Österreichs und Vorarlbergs bereits am Wochenbeginn. So waren am Dienstag die Preise im Durchschnitt zehn Cent höher als eine Woche zuvor. In Westösterreich war der Preis österreichweit am höchsten und lag in Vorarlberg jenseits der zwei Euro pro Liter Diesel.

Ruzica Andjelkovic ärgert sich über den Treibstoffpreis
Ruzica Andjelkovic ärgert sich über den Treibstoffpreis

“Das war vermutlich nicht immer gerechtfertigt”, vermutet Jürgen Wagner vom ÖAMTC Vorarlberg. Schließlich hätten die Tankstellen nur die CO2-Steuer zu bezahlen gehabt, wenn sie am Wochenende neuen Treibstoff gekauft und empfangen hätten. “Da frage ich mich schon, ob alle am Wochenende eingekauft haben”, hat Wagner ebenfalls keinen Einblick in die Kaufpolitik der Tankstellenbetreiber.

Preisentwicklungen intransparent

Er will jedoch nicht mit Pauschalurteilen um sich werfen, betont der Interessensvertreter. “Die Kernaussage ist, die Preisgestaltung an den Zapfsäulen ist nicht transparent”, fasst Wagner den Grund für den Ärger zusammen. Das Zusammenspiel der Börsenpreise und internen Kalkulationen der Tankstellenbetreiber sei für niemanden durchschaubar.

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Dies kann auch Andjelkovic bestätigen: “Ich verstehe nicht, wie die Preise entstehen. Gestern war der Preis noch über zwei Euro, nun ist er wieder darunter.” Warum sich der Preis wann wie entwickelt, lasse sich nicht nachvollziehen für sie und ihre Familie. Sie wisse nur, dass sie nicht mehr Geld in der Tasche hat als vor einer Woche. “Da können die doch nicht laufend den Preis erhöhen und senken, wie sie meinen.”

Jürgen Wagner kann die schnellen Preissteigerungen ebenfalls nicht nachvollziehen. <span class="copyright">ÖAMTC</span>
Jürgen Wagner kann die schnellen Preissteigerungen ebenfalls nicht nachvollziehen. ÖAMTC

Vonseiten des ÖAMTC als Interessensvertreter der Automobilbesitzer hat man ja grundsätzlich Verständnis für die CO2-Besteuerung, betont Wagner. Die CO2-Steuer ändere aber nichts daran, dass manche auf das Auto angewiesen sind. Ein weiterer Kritikpunkt für den ÖAMTC: Die Mineralölsteuer wurde mit einer sehr ähnlichen Begründung 2011 um vier Cent erhöht, also als indirekte CO2-Steuer. “Gerade in Zeiten solch hoher Belastung für die Bürger könnte man die Mineralölsteuer um den Betrag der CO2-Steuer senken”, spielt Wagner auf die Inflation an. Auch beim Kilometergeld und der Pendlerpauschale sieht er Anpassungsbedarf.

Angesichts der seit Monaten steigenden Treibstoffpreisen ärgern sich viele über die Rechnung an den Zapfsäulen.
Angesichts der seit Monaten steigenden Treibstoffpreisen ärgern sich viele über die Rechnung an den Zapfsäulen.

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