Corona?!

Vorarlberg / 07.10.2022 • 18:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vor zwei Jahren war Corona für die meisten Menschen das größte Problem. Heute ist es die Teuerung, gefolgt von der Energieversorgung. Die Pandemie ist in den Hintergrund gerückt. Zum einen liegt es in der Natur der Sache: Bei mehreren Herausforderungen gleichzeitig muss man Prioritäten setzen. Zum anderen hat das Virus viel von seinem Schrecken verloren.

Sorglosigkeit

Schlimmer: An die Stelle von Angst ist Sorglosigkeit getreten. Es ist von einem Extrem ins andere gekippt. Trotz gerade steigender Zahlen passiert daher gar nichts. Die Aufforderung der Ampelkommission, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln die Maskenpflicht wieder einzuführen, wird schlicht ignoriert. Wie der Gesundheitsexperte Armin Fidler berichtet, könnte das jedoch ein wirkungsvoller Beitrag sein, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Weh tut es auch nicht. Warum lässt man es also sein?

Intensivstationen

Dass die Coronalage auf den Intensivstationen entspannt ist, kann genauso wenig eine Erklärung dafür sein wie der Hinweis darauf, dass bei vielen Patienten eine Infektion quasi nur zufällig entdeckt worden ist bzw. sie aus einem anderen Grund hospitalisiert worden sind.

Das macht nichts besser: Auch für sie wird eine aufwendigere Behandlung nötig, müssen doch weitere Ansteckungen verhindert werden. Außerdem: Personell laufen die Spitäler ohnehin schon aus. Von den zu wenigen Mitarbeitern, die es gibt, fallen zudem mehr und mehr wegen einer eigenen Infektion oder der eines Kindes aus. Das ist im gegenwärtigen Stadium der Pandemie der kritischste Punkt: Es mögen genügend Betten existieren, aber Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte reichen hinten und vorne nicht mehr aus.

Zurückhaltung

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) hat die Zurückhaltung bei Coronamaßnahmen unlängst damit erklärt, dass es in Anbetracht multipler Krisen nicht nötig sei, das bisherige Niveau des Alarmschlagens aufrechtzuhalten. Zumal es Medikamente und die Impfung gebe. Das hat was. Aber: Flächendeckende Tests etwa an Schulen, um Infektionsketten zu durchbrechen, oder eben eine Maskenpflicht hätten nichts mit Alarmschlagen zu tun. Es wäre vielmehr ein rationaler Beitrag zur Entlastung des medizinischen Personals, ja ein Akt der Vorsorge, um einen Zusammenbruch zu verhindern.

Armin Fidler hat einen bösen Verdacht, warum Politik derlei ausblendet: Es geht um Wahlen. Vor der oberösterreichischen Landtagswahl hat er die Erfahrung gemacht, dass unpopuläre Maßnahmen nicht sein durften. Jetzt stehen nach der Tirol- und der morgigen Bundespräsidenten-Wahl Urnengänge in Kärnten, Salzburg und Niederösterreich Anfang 2023 an. Fidlers Vermutung könnte verhängnisvollerweise stimmen: Gerade weil man ohnehin schon mit so vielen anderen Problemen konfrontiert ist, will man den Leute nicht auch noch mit Corona kommen. Man riskiert lieber ein Ende mit Schrecken. Wie im Herbst vor zwei Jahren und im Herbst des vergangenen Jahres.

„Flächendeckende Tests etwa an Schulen, um Infektionsketten zu durchbrechen, oder eben eine Maskenpflicht, hätten nichts mit Alarmschlagen zu tun.“

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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