Familienstreit endet für Mutter vor Gericht

Vorarlberg / 09.10.2022 • 22:15 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
Die Angeklagte versichert: „Wir haben uns inzwischen ausgesprochen und versöhnt.
Die Angeklagte versichert: „Wir haben uns inzwischen ausgesprochen und versöhnt.”

43-Jährige muss 800 Euro Strafe zahlen. Vier Monate auf ­Bewährung.

Feldkirch Es ist nicht das erste Mal, dass Mitglieder der türkischen Großfamilie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Beim jüngsten Prozess am Landesgericht in Feldkirch muss der Anwalt der Angeklagten daher zunächst einmal um Aufklärung bitten. Seine Mandantin (43) habe ihm mehrfach versichert, dass das Verfahren gegen sie eingestellt wurde, erläutert Patrick Piccolruaz. Sie habe einen Einstellungsbescheid bekommen. Die Verwirrung ist schnell geklärt. Die Verfahren gegen den Stiefsohn und den Ehemann seien eingestellt worden. Da sie in einem Fall (schwere Nötigung) als Opfer geführt wurde, habe die Frau vermutlich auch einen Bescheid erhalten, erläutert die Staatsanwältin.

Familienstreit

Die 43-Jährige bekennt sich gleich zu Beginn der Verhandlung schuldig, im August zwei Angehörige einer Straftat bezichtigt zu haben, die sie gar nicht begangen haben. Die drei Polizisten, die als Zeugen geladen waren, sind somit umsonst nach Feldkirch gekommen. „Warum haben Sie das gemacht“, fragt Richter Christoph Stadler die vierfache Mutter, die zwar in Vorarlberg geboren und aufgewachsen ist, aber nur gebrochen Deutsch spricht. „Ich war einfach plötzlich wütend, aggressiv und hatte Angst“, gibt die Dolmetscherin die Worte der Bludenzerin wieder. Hintergrund der Tat ist ein Familienstreit, der seit mittlerweile 17 Jahren brodelt. „Kann man sich da nicht einmal versöhnen oder sehe ich Sie noch öfter vor Gericht“, will der Richter wissen. Die Angeklagte versichert: „Wir haben uns inzwischen ausgesprochen und versöhnt.“

Der Anwalt schlägt eine Diversion vor. Die Staatsanwaltschaft kann da nicht mit und beantragt einen Schuldspruch. Es handle sich um eine schwere Straftat, außerdem würden dadurch Arbeitskräfte gebunden, führt die Staatsanwältin aus. Auf Verleumdung stehen im Gesetz sechs Monate bis fünf Jahre Haft. Richter Christoph Stadler verurteilt die Frau zu einer Geldstrafe von 800 Euro und einer Haftstrafe von vier Monaten auf Bewährung. Verleumdung sei keine Lapalie, macht er deutlich. VN-ger

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