Putin befiehlt Raketenangriffe

Vorarlberg / 10.10.2022 • 22:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Dnipro entfernt ein Bewohner kaputte Glasscheiben.
In Dnipro entfernt ein Bewohner kaputte Glasscheiben.

Russische Attacken auf ukrainische Städte fordern Todesopfer und Verletzte.

moskau, kiew Russland hat mehr als 80 Raketen auf Kiew und andere Städte in der Ukraine gefeuert. Die Angriffe am Montagmorgen töteten mindestens 14 Menschen landesweit, mindestens 97 wurden verletzt, wie das ukrainische Innenministerium mitteilte. Allein in Kiew kamen nach Angaben von Bürgermeister Witali Klitschko fünf Menschen ums Leben, mindestens 52 wurden verletzt. Viele Menschen waren auf dem Weg zu Arbeit.

“Niemand sollte Zweifel haben”

Kremlchef Wladimir Putin nannte den Angriff eine Reaktion auf die “Terroranschläge” gegen russisches Gebiet. Am Samstag hatte eine Explosion die Brücke erschüttert, die Russland und die 2014 von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim verbindet. Russland macht den ukrainischen Geheimdienst SBU verantwortlich. Ziele der Präzisionswaffen seien die Energieinfrastruktur, militärische Anlagen und das Fernmeldewesen gewesen, sagte Putin bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates und drohte mit noch härterem Vorgehen. “Daran sollte niemand irgendwelche Zweifel haben.”

In Kiew schlugen die Geschosse laut Bürgermeister Klitschko im Zentrum ein. In fast allen Landesteilen gab es Luftalarm. Die Strom- und Wasserversorgung brach mancherorts zusammen. Insgesamt habe Russland 83 Raketen abgefeuert, davon seien 43 abgefangen worden, teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit.

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat eine Beteiligung an der Explosion auf der Krim-Brücke nicht eingeräumt. Die SBU-Zentrale liegt im Zentrum Kiews. Moskau hatte wiederholt gedroht, Kommandostellen in der ukrainischen Hauptstadt zu beschießen, wenn der Beschuss russischen Gebiets nicht aufhöre. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba wies dies zurück. “Nein, Putin wurde nicht von der Krim-Brücke zum Raketenterror ‘provoziert'”, teilte er in sozialen Medien mit. “Russland hatte die Ukraine auch vor der Brücke ständig mit Raketen getroffen. Putin ist verzweifelt wegen der Niederlagen auf dem Schlachtfeld und versucht mit Raketenterror, das Kriegstempo zu seinen Gunsten zu ändern.”

Wichtige Nachschubroute

Die Brücke zur Krim ist als Nachschubroute für den russischen Angriff wichtig. Das Bauwerk hat zudem einen hohen symbolischen Wert für die Führung in Moskau. Putin hatte den Angriff auf die Ukraine am 24. Februar befohlen. Die Raketenschläge sind nach russischen Angaben Teil der Kriegsführung. “Das alles geschieht im Rahmen der militärischen Spezialoperation”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Ex-Präsident und Vizesekretär des Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, drohte mit neuen Angriffen.

Die Regierung der Republik Moldau beschuldigte Russland, bei den Raketenangriffen den moldauischen Luftraum verletzt zu haben. In Belarus kündigte Machthaber Alexander Lukaschenko die Bildung einer regionalen Militäreinheit der Streitkräfte des Landes mit der russischen Armee an. Dies habe er mit Putin vereinbart, sagte er laut Staatsagentur Belta.

Der Kremlchef drohte mit noch härterem Vorgehen.
Der Kremlchef drohte mit noch härterem Vorgehen.
Autos brennen in der Hauptstadt Kiew.  AP, Reuters
Autos brennen in der Hauptstadt Kiew.  AP, Reuters

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