„Sie bombardierten gezielt den Kindergarten“

Vorarlberg / 10.10.2022 • 20:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Es kam auch wieder zu mehreren Bränden. Putin lässt zivile Ziele beschießen. AP
Es kam auch wieder zu mehreren Bränden. Putin lässt zivile Ziele beschießen. AP

Der Vorarlberger Banker erwartet in der ukrainischen Hauptstadt weitere Bombardements.

KIEW Er sitze gerade am Balkon seiner Kiewer Wohnung und genieße von dort eine gute Aussicht, meint der Lustenauer Gerhard Bösch, seines Zeichens Direktor der größten ukrainischen Bank, mit fatalistischem Unterton. Als ihn die VN am Telefon erreichten, herrschte in der ukrainischen Hauptstadt Ruhe. Dem war kurz nach acht Uhr ganz und gar nicht so.

Alles vibriert

„Ich saß im Büro, als die Raketen wenige Kilometer von mir entfernt einschlugen. Alles hat nur noch vibriert“, erzählt Bösch. „Es waren Cruise Missiles, welche die Russen verwendeten. Hochpräzisionswaffen. Mit denen haben sie ganz gezielt den Kindergarten und eine stark frequentierte Kreuzung zur Rush Hour beschossen“, ist sich der Lustenauer sicher.

Bösch spricht von den „mit Abstand“ massivsten Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt. „Sie waren viel heftiger als die ersten Bombardements auf Kiew am Anfang des Krieges.“ Angst habe er keine. „Die Stadt ist riesengroß, es wäre schon ein großer Zufall, wenn’s ausgerechnet mich trifft.“

Filialen zu

Trotzdem lassen er und das Führungsteam der PrivatBank die aktuelle Bedrohung nicht ohne Reaktion geschehen. „Wir haben unverzüglich alle Filialen geschlossen.“ Sich selber hat Bösch ebenfalls Sicherheitsmaßnahmen auferlegt. „Ich habe mein Auto in der Tiefgarage und würde mich dorthin verfügen, wenn es wirklich gefährlich wird.“

Flucht bei großer Gefahr

Bei anhaltender Gefahrenlage würde er sich auch wieder in Richtung slowakischer oder polnischer Grenze bewegen. Obwohl Bösch die ersten Raketenangriffe zu Beginn des Krieges in Kiew miterlebte, hatte er sich wie alle anderen Bewohner Kiews an die Ruhe und den trügerischen Frieden gewöhnt. „Seit Juni ist ja überhaupt nichts mehr hier passiert.“ Die jetzigen Raketangriffe der Russen sind für ihn Terror an der Zivilbevölkerung. „Im Umkreis des Kindergartens gibt es überhaupt nichts strategisch Wichtiges. Die Kreuzung wurde zur Zeit der höchsten Frequenz bombardiert. Die Russen haben am Boden überhaupt keine Chance. Deswegen tun sie so etwas. Die ukrainische Bevölkerung werden sie dadurch nicht in die Knie zwingen.“

„Diese Bombardements der Russen waren viel heftiger als jene zu Beginn des Krieges.“

Und wieder gibt es aktuelle Bilder der Zerstörung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. AFP
Und wieder gibt es aktuelle Bilder der Zerstörung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. AFP
„Sie bombardierten gezielt den Kindergarten“

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