„Als nächstes werden Gifttiere auftauchen“

Vorarlberg / 13.10.2022 • 22:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Prachtexemplar von einer Schlange: Die Boa wiegt zwölf Kilo. Wildpark (2)
Prachtexemplar von einer Schlange: Die Boa wiegt zwölf Kilo. Wildpark (2)

Schlangenfund in Nenzing. Wildpark-Betriebsleiter nimmt die Politik in die Pflicht.

Nenzing, Feldkirch Am vergangenen Dienstag machten Mitarbeiter der Müllumladestelle in Nenzing-Böschistobel einen nicht alltäglichen Fund (die VN berichteten). Beim Zusammenschieben des Restmülls mit dem Radlager fiel der Deckel von einer Styroporbox. Zum Vorschein kam ein Bettbezug, in dem sich eine rund 160 Zentimeter lange und zwölf Kilo schwere Schlange befand. Das Reptil wurde noch am Dienstag von der Polizei in den Wildpark nach Feldkirch gebracht. „Der Schlange geht es so weit gut, wir würden aber noch einen Spender für eine neue Heizlampe und einen Temperaturregler suchen“, berichtet Wildpark-Betriebsleiter Christian Ammann.

Für das Fundtier, bei dem es sich nicht wie ursprünglich angenommen um eine Netzpython, sondern um eine Boa constrictor handelt, wurde ein Terrarium eingerichtet. Tierpflegerin Birgit Wedl erläutert: „Wir schauen, dass sie wieder auf ihre Temperatur kommt. Nach drei, vier Tagen versuchen wie sie dann das erste Mal zu füttern. Durch den ganzen Stress hat sie noch nichts zum Fressen angenommen.“

50 Schildkröten

Es ist nicht das erste Mal, dass es Ammann und seine Mitarbeiter mit einer Schlange zu tun bekommen. Der Wildpark hat im letzten Jahr die Quarantäne für exotische Wildtiere übernommen. Pro Jahr kümmern sich die Mitarbeiter um rund 30 Landschildkröten und 20 Wasserschildkröten. „Wir hatten auch schon zwei Kornnattern, eine Bartagame-Echse oder Geckos, die im Koffer mitgereist sind“, erzählt Birgit Wedl.

Die Echsen, Reptilien und Co. werden nach der Ankunft auf die Vorarlberger Fundtierliste gesetzt. Anschließend hat der Besitzer 30 Tage lang Zeit sich bei der BH zu melden und ein Foto des Tieres vorzuzeigen. „Bei den Landschildkröten finden wir den Besitzer eigentlich fast immer wieder. Aber natürlich haben wir auch Tiere, die einfach ausgesetzt wurden“, sagt die Tierpflegerin. Der Wildpark-Betriebsleiter sieht im Umgang mit den sogenannten Neozoen jedenfalls die Politik gefordert. „In jedem Zoohandel kann man solche Tiere kaufen. Die Tiere wachsen, kosten mit der Zeit einen Haufen Geld, sind dann übrig und werden einfach ausgesetzt. Wir rechnen auch schon damit, dass als nächstes irgendwelche Gifttiere auftauchen“, unterstreicht Christian Ammann, der befürchtet, dass sich durch die derzeit stark steigenden Fütterungs- und Energiekosten das Problem weiter verschärfen könnte. „Abgeben kann man die Tiere in dem Sinne nicht. Meiner Meinung nach sollte eine Gesetzesregelung geben, dass man solche Tiere gar nicht mehr halten darf.“

Wer die Boa constrictor in Nenzing ausgesetzt hat, war am Donnerstag noch nicht bekannt. Die Polizei sucht weiter nach Zeugen, die zweckdienliche Hinweise zu dem Vorfall geben können: Tel. 059 133 8106.

Christian Ammann und Birgit Wedl mit dem Fundtier. Boas leben eigentlich in Südamerika, wo sie sich von Säugetieren und Vögeln ernähren. Im Wildpark stehen Ratten auf dem Plan.
Christian Ammann und Birgit Wedl mit dem Fundtier. Boas leben eigentlich in Südamerika, wo sie sich von Säugetieren und Vögeln ernähren. Im Wildpark stehen Ratten auf dem Plan.

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