Budget und die Badewanne

Vorarlberg / 13.10.2022 • 14:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Budget und die Badewanne

Das Budget ist in aller Munde. Der Finanzminister hat gerade die Budgetrede gehalten. In den VN wird übers Budget berichtet, im Parlament wird es diskutiert. Aber was ist das Budget? Im Wesentlichen ist es eine Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben und des Vermögens.

Auch in der Klimatologie ist das Budget ein wichtiges Instrument. Man kann damit ein Treibhausgas-, also CO₂-Budget berechnen.

„Die Temperaturen steigen, und die Auswirkungen, die das mit sich bringt, nehmen rasant zu.“

Hier kommt die Badewanne ins Spiel. Ich lade Sie auf ein Gedankenexperiment ein: Zur Veranschaulichung nehmen wir an, die Treibhausgase in unserer Atmosphäre seien das Wasser in der Wanne. Durch den Ausguss rinnt Wasser raus, durch den Wasserhahn fließt es rein. Und zwar mehr als durch den Ausguss rinnt. Das heißt, dass das Wasser in der Wanne steigt. (So wie das CO₂ in unserer Atmosphäre.) Sie haben also das Wasser aufgedreht und sind noch schnell in die Küche gegangen und dachten, sie hätten eh noch genug Zeit (Stöpsel ist ja nicht drin). Auf einmal hören Sie Wasser plätschern. Oha! Was machen Sie? Suchen Sie einen Putzfetzen und wischen das Wasser außerhalb der Wanne auf? Oder diskutieren Sie mit Ihren Mitbewohnern, um wie viel denn das Wasser vielleicht maximal zurückgedreht werden sollte, damit nicht ganz so viel überläuft? Oder schalten Sie das Wasser sofort ab? Ja, das wäre wohl die passende Reaktion.
Beim CO₂ machen wir genau das nicht. Wir reden nicht einmal über das viel zu viele Wasser in der Wanne, sondern nur darüber, um wie wenig wir in den nächsten Jahren den Wasserhahn zudrehen sollen. Die Temperaturen steigen, und die Auswirkungen, die das mit sich bringt, nehmen rasant zu. Die COIN-Studie (COst of INaction, Kosten des Nichthandelns) des CCCA (Climate Change Centre Austria) hat 2015 etwa berechnet, dass wir 2050 in Österreich mit Kosten durch die Klimakrise von bis zu 8,8 Milliarden Euro pro Jahr rechnen müssen. Das sind etwa zehn Prozent unseres aktuellen Budgets.

Das heißt, wir müssen einerseits schnellstens den Wasserhahn zudrehen, also unseren CO₂-Ausstoß auf null senken, und uns andererseits aber an schon bestehende Auswirkungen anpassen. Und das zweite kostet richtig viel Geld – das bis jetzt noch bei weitem nicht im nötigen Ausmaß berücksichtigt wird.

Wir brauchen also nicht nur ein Euro-Budget, in dem diese neuen Kosten eingepreist sind, sondern auch eines fürs CO₂. Und wir müssen beide Budgets für alle Sektoren und Bundesländer darstellen, sogar eine CO₂-Buchhaltung machen. Damit wir zukünftig beim Budget über große Zu- und Abflüsse Bescheid wissen.

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.

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