Haftstrafe statt schnellem Geld

Vorarlberg / 14.10.2022 • 21:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte stellte Internetbetrügern sein Konto zur Verfügung. Das Gericht verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs. EC
Der Angeklagte stellte Internetbetrügern sein Konto zur Verfügung. Das Gericht verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs. EC

21-Jähriger vor Gericht. Erschlichene Gelder flossen allesamt zu Drahtzieher nach Italien.

Feldkirch Das Internet ist eine große Spielwiese für diverse Internetbetrügereien. Zum einen werden fleißig Waren verkauft, die Kunden zahlen, doch die Ware kommt nie. Zum anderen werden Geschichten aufgetischt, bei denen Gutgläubige zu Zahlungen verleitet werden. Sei es der UNO-Arzt, der Geld braucht, um ein korruptes Land endlich verlassen zu dürfen. Auch tolle Gewinne, für die zunächst Gebühren und Honorarnoten beglichen werden müssen, ehe das Geld fließt, sind Thema. Um die Gelder dann unbehelligt einkassieren zu können, müssen sie etliche Male zu Verschleierungszwecken überwiesen werden, ehe sie beim Drahtzieher ankommen.

Dumme Dritte

Angeheuert, für die Organisation solcher „Zwischenstationen“ werden in der Regel Jugendliche oder andere Leute, die dringend schnelles Geld brauchen. So stellte auch der 21-jährige Afrikaner, der in Vorarlberg einen guten Job hat, seine Konten zur Verfügung. Zum einen eröffnete er auf Anraten des Organisators, der in Italien sitzt, in Litauen ein Konto. Zum anderen verwendete er sogar sein privates Konto in Vorarlberg.

Ein Kumpel des jungen Mannes bekam heraus, dass hier gewinnbringende Geschäfte laufen und wollte auch mitmachen. Er hatte nämlich einen Autokredit am Hals, der war natürlich mit kleineren Nebenverdiensten schneller abbezahlt. Für die Zurverfügungstellung der Konten bekamen die jeweiligen Konteninhaber zehn Prozent der überwiesenen Summen. An Geschädigten haben sich knapp zehn Personen gemeldet. Sie zahlten blauäugig über 44.000 Euro. Das Geld wanderte nach Italien zum Drahtzieher. Ein Teil konnte wieder zurücküberwiesen werden.

Dumm gestellt

Anfangs gab sich der Angeklagte naiv. Er hat die Handelsschule absolviert, gibt aber zunächst an, er habe nicht gewusst, wozu jemand ein fremdes Konto benötigt. Doch dann räumt er ein, schon gewusst zu haben, dass hier nicht ganz legale Dinge am Laufen sind. Es war halt einfach ein schönes Zusatzeinkommen. Sein Kumpel, der dann ebenfalls bei den Geschäften mitmachte, erstattete schlussendlich Selbstanzeige.

Der Afrikaner wird wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges zu 16 Monaten Haft verurteilt, 14 davon werden auf Bewährung ausgesprochen, die zwei Monate unbedingt hat er bereits in U-Haft abgesessen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC

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