Das Warten auf den Gasvertrag

Vorarlberg / 17.10.2022 • 19:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das gemeinsame Abkommen betrifft auch den Gasspeicher Haidach bei Salzburg.APA
Das gemeinsame Abkommen betrifft auch den Gasspeicher Haidach bei Salzburg.APA

Das Abkommen zur Gasdurchleitung durch Deutschland ist noch nicht unterzeichnet.

Bregenz, Wien Mitte Juli haben der deutsche Vizekanzler Robert Habeck und Klimaministerin Leonore Gewessler (beide Grüne) einen Pakt geschlossen: Im Gasnotfall wollen die Nachbarländer zusammenhalten. Für Vorarlberg ist das besonders relevant, da das Gas durch Deutschland und nicht durch Ostösterreich kommt. Die Unterschriften unter einem fertigen Vertrag fehlen jedoch bis heute.

„Nicht zufriedenstellend“

Ende September berichtete Gewessler im VN-Interview, dass noch letzte Details geklärt werden müssten: „Ich gehe davon aus, dass der Vertrag in den kommenden Wochen fertig ist.“ Aus dem Büro von Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) heißt es nun auf VN-Nachfrage: „Die Situation ist leider weitgehend unverändert und nicht zufriedenstellend.“

Wallner drängt auf Rechtssicherheit bei der Gasdurchleitung in die westlichen Bundesländer. Neben Vorarlberg ist auch Tirol von der Besonderheit in der Gasversorgung betroffen. Ein gültiger Vertrag, der den Zugriff auf das in Österreich eingespeicherte Gas garantiert, fehlt aber noch, obwohl es bereits im Juli eine politische Einigung mit Deutschland auf die Eckpunkte gab. Im Klimaministerium wird auf VN-Nachfrage betont, dass es bald zu einer Fertigstellung kommen wird.

Gasverbrauch sinkt

EU-weit sind Einsparungen im Gasverbrauch mittlerweile deutlich abzulesen. Die EU-Staaten wollen zwischen August und März nächsten Jahres mindestens 15 Prozent weniger fossiles Gas verbrauchen als im Durchschnitt der vergangenen fünf Winter. Darauf einigten sich die EU-Energieministerinnen und -minister im Juli. Dieses Einsparungsziel ist vorerst unverbindlich. Nur für den Fall, dass die EU-Länder einen „Unionsalarm“ für Gasknappheit ausrufen, wird das Ziel verpflichtend. Von Jänner bis Juli 2022 war der durchschnittliche EU-Gasverbrauch bereits um sechs Prozent niedriger als in den jeweiligen Zeiträumen von 2017 bis 2021, zeigt eine aktuelle Auswertung der Agenda Austria.

Spitzenreiter Finnland

Finnland reduzierte seinen Gasverbrauch heuer in der ersten Jahreshälfte sogar um kräftige 45,4 Prozent und sparte damit relativ betrachtet so viel Gas wie kein anderes EU-Mitglied. Die österreichischen Nachbarländer Deutschland und Tschechien drosselten ihren Verbrauch um 7,5 bzw. 6,3 Prozent. Österreich hingegen lag mit Gas-Einsparungen von gut fünf Prozent nur im hinteren Mittelfeld und damit unter dem EU-Schnitt.

Die Gründe für den reduzierten Verbrauch sind der Agenda Austria zufolge vielfältig. Besonders der warme Frühling habe die Heizsaison vielerorts früher als sonst beendet. In vielen EU-Ländern hätte aber vor allem die Industrie signifikant weniger Gas benötigt als in den Vorjahren. Einen großen Vorteil haben die skandinavischen Länder: Dort spielt Gas praktisch keine Rolle in der Stromerzeugung. Auch geheizt wird dort kaum mit Gas. VN-JUS

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