Ein halbes Jahr weniger Leben

Vorarlberg / 17.10.2022 • 20:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Österreicher büßten durch Pandemie 7,6 Monate an Lebenszeit ein.

schwarzach Corona hat in vielen Bereichen seine Spuren hinterlassen. Das gilt auch für die Lebenserwartung der Bevölkerung in Europa. Rostocker Wissenschaftler um Jonas Schöley untersuchten die Entwicklung in 29 Staaten von 2015 bis 2021 mit besonderem Augenmerk auf die beiden Pandemiejahre. Österreich kommt dabei nicht besonders gut weg. Laut der Analyse sank die Lebenserwartung 2020 um mehr als ein halbes Jahr, konkret um 7,6 Monate. „Fünf Jahre vor der Pandemie stieg sie um durchschnittlich 2,5 Monate“, verdeutlichte Schöley im VN-Gespräch. Einen ähnlich starken Abfall der Lebenserwartung verursachte zuletzt der Zweite Weltkrieg. In Deutschland ging die Lebenserwartung um 5,7 Monate zurück.

Höhere Sterblichkeit bei Jüngeren

Auch in anderen Ländern sank pandemiebedingt die Lebenserwartung. Während jedoch Belgien, Frankreich, Schweden oder die Schweiz das Sinken durch eine Steigerung der Lebenserwartung 2021 weitgehend ausgleichen konnten, herrscht in Österreich Stagnation. Gerade einmal ein halber Monat konnte wettgemacht werden. „Das ist eigentlich nichts“, resümierte Schöley. Begründet wird dieser Stillstand damit, dass die Sterblichkeit in der Altersgruppe der 60- bis 80-Jährigen 2021 gestiegen ist. In jener der 80plus-Generation normalisierte sich die Mortalität ein Stück weit. Ob sich die Lebenserwartung in Österreich wieder deutlicher nach oben orientiert, hängt laut Jonas Schöley unter anderem damit zusammen, wie die Mitarbeitenden in den Gesundheitssystemen die schon lange andauernde Überbelastung wegstecken.

Im Gegensatz dazu änderte sich in Dänemark, Finnland und Norwegen die Lebenserwartung während der Pandemie nur geringfügig. „Hier können wir die Kombination von Kampagnen sehen, die Impfstoffe schneller an mehr Menschen als im Durchschnitt der EU lieferten, mit wirksamen nicht pharmazeutischen Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und hohen Basiskapazitäten der Gesundheitssysteme“, heißt es in den im Fachjournal „Nature Human Behaviour“ veröffentlichten Erläuterungen.

Sogar Belgien, das 12 Monate einbüßte, ist wieder auf dem Weg nach oben und hat schon 10,8 Monate gutgemacht. Schlechter geht es jedoch immer. In den USA sank die Lebenserwartung 2020 und 2021 um 28,2 Monate. Die periodische Lebenserwartung ist übrigens ein zusammenfassendes Maß für den aktuellen Gesundheitszustand der Bevölkerung. VN-MM

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