James, der Rennfahrer mit dem Handikap

Vorarlberg / 18.10.2022 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
James wohnte schon mehrmals mit Begeisterung Formel-1-Rennen bei.
James wohnte schon mehrmals mit Begeisterung Formel-1-Rennen bei.

James Mock (45) meistert sein Leben mit einer angeborenen Muskelschwäche. Der begeisterte Gokart-Fahrer hat sich nie unterkriegen lassen.

Muntlix Im nächsten Leben möchte James Mock (45) Formel-1-Rennfahrer werden und ohne Handikap durchs Leben gehen. „Das wäre mein Traum“, sagt James, der an einer angeborenen Muskelschwäche (in den Beinen) leidet und deswegen nicht so gehen kann wie gesunde Menschen.

Seine Kindheit war geprägt von Arztbesuchen, Untersuchungen und Therapien. „Mein Mann und ich mussten unserem Buben über mehrere Monate in der Nacht Schienen an den Beinen anbringen“, zeigt seine Mutter Renate auf, dass vieles versucht wurde, um dem Kind zu helfen. Dadurch blieb dem Buben zwar eine Operation erspart, aber die Muskelschwäche konnte man nicht wegzaubern.

Momente der Traurigkeit

James und seine Eltern mussten lernen, die körperliche Beeinträchtigung zu akzeptieren. „Ich lernte früh, mich mit meiner Krankheit zu arrangieren“, sagt James, der sich aber auch an Momente der Traurigkeit erinnern kann. Als Kind wäre er gerne wie andere Kinder durch die Gegend gerannt und auf Bäume geklettert. „Aber das ging bei mir nicht. Deshalb habe ich manchmal geweint.“

Der Muntlixer erinnert sich, dass er gern im Sandkasten und mit Autos spielte. An seinem zwölften Geburtstag machte ihm sein Vater mit einem selbst konstruierten Gokart eine Riesenfreude. „Papa und ich sind dann regelmäßig Gokart fahren gegangen. Wir sind bis nach Italien hinunter. Dort gibt es schöne Kartstrecken.“ Das Rennwagenfahren fesselt ihn bis heute, die Mischung aus Geschwindigkeit, Technik und fahrerischem Können fasziniert ihn. Aus diesem Grund versäumt er auch kein Formel-1-Rennen im Fernsehen. Aber er war auch schon live dabei. „Ich war zwei Mal am Hockenheimring und zwei Mal in Monza.“ Die Begeisterung für die Boliden teilt er mit seinem Vater und seiner Mutter.

Der Muntlixer ist seit seinem zwölften Lebensjahr ein begeisterter Gokart-Fahrer.
Der Muntlixer ist seit seinem zwölften Lebensjahr ein begeisterter Gokart-Fahrer.

Mit seinen Freunden teilt James die Leidenschaft für den Fußball-Bundesligisten SC Austria Lustenau. James ist aber nicht nur ein passiver Sportler. Seit 2013 spielt er Floorball, das ist eine Mischung aus Feld- und Eishockey. Außerdem ist er Mitglied beim Schwimmteam Flying Flippers. Der Verein bietet körperlich beeinträchtigten Menschen die Möglichkeit, mit Spaß den Schwimmsport zu betreiben. James ist ein guter Brust- und Freistilschwimmer. Bei Wettbewerben heimste er schon einige Medaillen ein. Der Sport macht ihm Spaß und bringt ihn unter Menschen.

James ist Fußballfan. Er ist mit seinen Freunden oft am Fußballplatz.
James ist Fußballfan. Er ist mit seinen Freunden oft am Fußballplatz.

Auch seine Arbeit im Infocenter des Finanzamts Bregenz gefällt dem gelernten Bürokaufmann. James ist zufrieden mit seinem Leben. „Ich bin mit dem Schicksal ausgesöhnt, weil ich vollkommen im Leben stehe und schon lange mit der Behinderung lebe.“ Freilich: „Mit so einem Handikap wird man zum Kämpfer.“ Schon als Bub wurde ihm aufgrund seiner Beeinträchtigung Argwohn entgegengebracht. „Die ersten Wochen im Kindergarten und in der Schule waren schwierig.“ Aber die Kinder merkten schnell, dass James einer „zum Pferdestehlen“ ist und nahmen ihn in ihren Kreis auf.

James, als Tormann voll in Aktion.
James, als Tormann voll in Aktion.

James kann sich an keine Hänseleien erinnern. Er fühlte sich auch nicht ausgeschlossen, im Gegenteil, nicht wenige suchten seine Freundschaft. Vielleicht spürten sie, dass James durch sein Handikap stark und empathisch geworden war und er ihnen viel geben konnte, und dass sie viel von ihm lernen konnten, zum Beispiel wie man Probleme löst. Durch ihn entdeckten sie, dass Freude, Glücklichsein, Zufriedenheit und Erfolg nicht von Äußerlichkeiten wie einer körperlichen Behinderung oder einem unversehrten und intakten Körper abhängen.

James sieht frohen Mutes in die Zukunft.
James sieht frohen Mutes in die Zukunft.

„Ich habe immer versucht, das Beste aus allem zu machen und das Leben anzunehmen, wie es ist“, erklärt James, der derzeit nach einer Freundin Ausschau hält. Der 45-Jährige würde gerne eine Familie gründen, „aber die Partnersuche ist schwierig, erst recht, wenn man ein Handikap hat“. Aber Aufgeben ist seine Sache nicht. „Ich habe mich noch nie unterkriegen lassen“, stellt der Single-Mann klar, der bereits im Rennfieber ist. In wenigen Minuten wird er mit dem Gokart davonbrausen.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.