Müde Weidmänner lassen TBC gewähren

Vorarlberg / 19.10.2022 • 17:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kritik kommt auch vom Bludenzer Bezirkshauptmann Harald Dreher. VN/STIPLOVSEK
Kritik kommt auch vom Bludenzer Bezirkshauptmann Harald Dreher. VN/STIPLOVSEK

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger empört über Jagdmoral in Bartholomäberg-Silbertal.

SCHRUNS Es ist eine sattsam bekannte Rechnung: Gibt es in einer Region eine massive TBC-Durchdringung beim Wild, so ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung auf Nutztiere sehr hoch. Diese Erkenntnis treibt Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger die Zornesröte ins Gesicht. „Die Abschussvorgaben für Rotwild sehen in der gesamten Wildregion Bartholomäberg-Silbertal einen Mindestabschuss von 520 Stück Rotwild vor. Es ist ungeheuerlich, dass im heurigen Jagdjahr erst 171 Stück erlegt wurden. So kommen wir in der Seuchenbekämpfung nicht weiter. Ich habe den Eindruck, dass die Vorgaben der Behörden und Vereinbarungen mit der Interessenvertretung ignoriert bzw. nicht ernst genommen werden“, redet Moosbrugger Klartext.

Frage der Verlässlichkeit

Der Bludenzer Bezirkshauptmann Harald Dreher kann dem Bauernvertreter nicht widersprechen. „Es hat eine sehr schwache Frühjahrsbejagung gegeben. Das stimmt. Uns von der Behörde sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch die Hände gebunden. Wir können uns erst mit der Schlussbilanz auseinandersetzen. Die Jagdsaison geht ja noch bis zum 31. März kommenden Jahres“, äußert sich Dreher. Und fügt an: „Wenn jedoch zum wiederholten Mal die Abschussquote nicht erreicht wird, könnte es mit einer Strafe nicht mehr getan sein. Dann stellt sich die Frage nach der jagdlichen Verlässlichkeit“, macht der oberste Behördenvertreter deutlich. Gebe es diesbezüglich grobe Verfehlungen, sei sogar der Entzug der Jagdberechtigung möglich.Mit der derzeitigen Entwicklung ist Dreher ganz und gar nicht zufrieden. Der Bezirkshauptmann hatte sich wiederholt bemüht, die verschiedenen Interessensgruppen an einen Tisch zu bringen, um verbindliche Lösungsmodelle zu erarbeiten.

Der Hegeobmann des TBC-Hotspotgebiets, der seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit lesen möchte, räumt die Schwierigkeiten ein. Gerüchte, wonach ein mächtiger Jagdpächter die Frühjahrsbejagung bewusst auf Sparflamme gehalten habe, dementiert er vehement. „Das stimmt einfach nicht. Was stimmt, ist, dass wir mit schwierigen Rahmenbedingungen für die Jagd zu kämpfen haben. Vor allem das sehr warme Wetter hat die Bejagung enorm erschwert.“ Wolle man alle jagdethischen Richtlinien befolgen, tue man sich beim Aufspüren und Erlegen des Rotwildes schwer, meinte der Hegeobmann gegenüber den VN. Zudem gebe es Unstimmigkeiten zwischen der Almwirtschaft und der Jagd, erwähnte der Hegeobmann. Was die Sache nicht erleichtere.

Im Wissen um die Risiken einer hohen TBC-Prävalenz beim Wild zeigt sich auch Landesveterinär Norbert Greber über die Situation im Gebiet Bartholomäberg-Silbertal besorgt. „Eine komplette Trennung zwischen Wild und Vieh ist in einem großen Tal wie dem Silbertal schwierig. Im letzten Jagdjahr lag die TBC-Prävalenz bei 16 Prozent, zuvor war sie konstant bei zehn Prozent“, berichtet Greber.

Nur einmal in zehn Jahren

Nur einmal in den letzten zehn Jahren habe man in dieser Region die Abschussquote erfüllt. „Ich wäre für die Nutzung von Regulierungsgatter. Auch wenn es da wieder einen Aufschrei gibt“, sagt der Landesveterinär.

Immerhin bestehe für die Jagd die Möglichkeit, die Abschussquote in den kommenden Monaten noch deutlich zu verbessern. „Oktober, November, Dezember sind die besten Jagdmonate.“ VN-HK

„Es ist ungeheuerlich, dass im heurigen Jagdjahr erst 171 Stück erlegt wurden. So kommen wir nicht weiter.“

Die Rotwildproblematik im Montafon wird von LK-Präsident Josef Moosbrugger angeprangert. DPA
Die Rotwildproblematik im Montafon wird von LK-Präsident Josef Moosbrugger angeprangert. DPA

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