Täglich vier Stunden Deutsch lernen

Vorarlberg / 19.10.2022 • 15:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Ukrainerin Olena (rechts) erzählt Evi Mairer von ihrer Flucht.bvs (2)
Die Ukrainerin Olena (rechts) erzählt Evi Mairer von ihrer Flucht.bvs (2)

Ukrainer in Lustenau lernen intensiv die deutsche Sprache für einen Neuanfang in Frieden.

Lustenau Als der Krieg in der Ukraine noch nicht ausgebrochen war, der Konflikt sich jedoch schon zugespitzt hatte, fasste die 39-jährige Olena gemeinsam mit ihrem Mann einen schwierigen, doch im Nachhinein richtigen Entschluss, mit ihrem vierjährigen Kind zu fliehen. Anfang Februar fuhren sie mit ein paar Habseligkeiten mit dem Zug nach Polen und von dort direkt nach Lustenau.

„Eine Universitätsfreundin von mir wohnt schon seit 18 Jahren in Vorarlberg. Sie hat in Lustenau eine Familie gefunden, die uns eine Wohnung zur Verfügung gestellt hat“, erinnert sie sich. Direkt im Zentrum von Lustenau wohnen sie nun seit 1. März dieses Jahres und sind dankbar dafür, in Frieden leben zu dürfen.

Deutsch lernen und neu orientieren

Jeden Tag für jeweils vier Stunden drückt Olena die Schulbank. Ihr Ziel: möglichst schnell die deutsche Sprache so gut zu beherrschen, dass sie in ihren Beruf in der IT-Branche zurückkehren kann. „Ich muss die Sprache können, um unsere IT-Produkte vorstellen zu können. Dafür benötige ich mindestens Sprachlevel B2“, erklärt die junge Frau, die in der Ukraine gemeinsam mit ihrem Mann eine IT-Firma leitete.

Zusammen mit ihm besucht sie deshalb die Deutschkurse in Götzis, immer in Gegenschicht, damit jemand bei ihrem vierjährigen Kind sein kann. Die Kurse sind recht anspruchsvoll. Bei den Hausaufgaben müssen sie das Gelernte festigen. „Manchmal bräuchten wir Hilfe bei der Hausaufgabe, einfach jemanden, der kurz drüber schaut oder bei Unklarheiten helfen kann“, sagt sie. So wie ihnen geht es auch den anderen ukrainischen Geflüchteten, die in ihrer Heimat Russisch, Ukrainisch oder Englisch gelernt haben. „Wir hatten davor keine Berührungspunkte mit der deutschen Sprache“, sagt Olena. Glücklicherweise weiß sie sich zu helfen und übersetzt, wenn ihr das Wort nicht einfällt mit dem Übersetzungsprogramm am Handy. „Das funktioniert super“, sagt sie mit einem Lächeln.

Das Paar ist gut organisiert, sie haben sich in der kurzen Zeit, in der sie in Vorarlberg sind, einen Überblick über das neue Leben in Lusten­au machen können. Mittlerweile haben rund 65 ukrainische Frauen, Kinder und Männer in der Marktgemeinde Zuflucht gefunden. „Alle sind sehr positiv und helfen uns, wo sie können“, zeigt sich Olena dankbar.

Bei der Fachstelle Zusammen.Leben im Rathaus kümmern sich Barbara Hoja, Natalie Weber und Gemeinderätin Evi Mairer (Grüne) unter anderem um die ukrainischen Geflüchteten. „Sie sind sehr gut eingedeckt mit Deutschkursen und auch sonst sind sie recht organisiert. Einzig bei der Hausaufgabe brauchen sie Hilfe. Dafür muss man kein Lehrer sein, es reicht, wenn man Deutsch sprechen kann“, weiß Barbara Hoja.

Freiwillige gesucht

„Wir sind in ständigem Austausch mit ihnen“, sagt Evi Mairer. „Wir wissen, dass die Kurse sehr intensiv sind und sie manchmal nicht immer folgen können, da die deutsche Sprache schwierig zu lernen ist.“ Die Fachstelle Zusammen.Leben sucht deshalb Freiwillige, die ab und zu beim Hausaufgabenerklären helfen können. Olena weiß, was sie will, und hat ihr Ziel vor Augen: Deutsch lernen und sich gut integrieren, damit sie in ihrem Beruf Fuß fassen kann. bvs

Evi Mairer (v.l.), Olena, Barbara Hoja und Natalie Weber von der Fachstelle Zusammen.Leben.
Evi Mairer (v.l.), Olena, Barbara Hoja und Natalie Weber von der Fachstelle Zusammen.Leben.

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