Drogen, Alkohol, fehlende Zeugen und eine Umarmung

Vorarlberg / 21.10.2022 • 22:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Ex-Polizist und zwei Betreiber von Glücksspiellokalen müssen sich seit September vor Gericht verantworten. 
Der Ex-Polizist und zwei Betreiber von Glücksspiellokalen müssen sich seit September vor Gericht verantworten. 

Prozess um Ex-Polizisten: Am Freitag waren Zeugen aus dem Milieu geladen.

Feldkirch Verhandlungstag sieben im Prozess gegen einen Ex-Polizisten (60) und zwei Betreiber von Glücksspiellokalen (47 bzw. 48 Jahre alt) im Bezirk Feldkirch. Diesmal sind mehrere Zeugen aus dem Milieu geladen. Lokalgäste, ehemalige Lokalbetreiber, Spieler. Nicht alle kommen freiwillig. Richter Theo Rümmele muss daher während der Verhandlung mehrmals zum Telefonhörer greifen.

Der ehemalige Beamte soll die Betreiber der Glücksspiellokale (ein gebürtiger Bosnier und ein Türke) vor Razzien und Kontrollen gewarnt haben und dafür Schmiergeld kassiert haben. Die Liste der Anklagevorwürfe ist lang: Missbrauch der Amtsgewalt, Bestechlichkeit, versuchte Begünstigung, Bestechung, gefährliche Drohung, Verletzung des Amtsgeheimnisses, Vorteilsannahme zur Beeinflussung, versuchte Bestimmung zur falschen Beweisaussage. Der 60-Jährige bestreitet die Vorwürfe und gab am ersten Verhandlungstag lediglich zu, nicht zulässige Abfragen im Polizeicomputer für Beschuldigte vorgenommen zu haben. Einer der Lokalbetreiber sagte, dass er dem Polizisten lediglich für allgemeine Rechtsauskünfte einige hundert Euro bezahlt habe.

Spiel- und drogensüchtig

Einige der am Freitag geladenen Zeugen können sich vor Gericht nicht mehr an alles erinnern bzw. revidieren ihre Aussagen. Ein Deutscher (55), der vor einigen Jahren eine Tabledancebar mit einem der angeklagten Lokalbesitzer eröffnen wollte und als Pokerspieler schon viel Geld verloren hat, hatte bei der Vernehmung unter anderem angegeben, dass einer der Betreiber ihm erzählt habe, dass er monatlich 500 Euro zahle, damit er vor den Kontrollen gewarnt werden. Vor Gericht sagt er: Er selbst habe das nie gehört. Es seien alles nur Mutmaßungen gewesen. Die Aussage habe er nur getätigt, weil er eine Wut gehabt habe. Außerdem sei er oft unter Drogen gestanden. Wieso er wütend gewesen sei, will der Richter wissen? „Weil ich damals viel Geld verloren haben“, erläutert der 55-Jährige, der auch schon wegen Drogengeschäften im Gefängnis saß. Den angeklagten Polizisten kennt er, weil dessen Bruder im Lokal des angeklagten Bosniers gearbeitet hat.

Ein anderer Zeuge – ein 56-jähriger Bosnier, dessen Sohn ebenfalls einmal eines der im Prozess erwähnten Lokale führte – kann sich nicht mehr genau daran erinnern, was er bei der Vernehmung gesagt hat. „Die letzten zwei Jahre vergesse ich sehr viel“, meint er. Den Ex-Beamten habe er vor 20 Jahren bei einem Elternabend kennengelernt. Einige der Telefongespräche, die er mit ihm geführt hat, wurden von der Polizei abgehört. Einmal wollte der 56-Jährige, dass der Polizist ein Glücksspiellokal kontrolliert, ein anderes Mal sprach er von „unseren Leuten“ und „unseren Zeugen“. „Damals war ich vollgesoffen und habe sehr viel Blödsinn geredet. Es gibt keine Leute“, beteuert er vor Gericht. Zum Abschied umarmt er den Ex-Polizisten und wünscht ihm „alles Gute“. Ein anderer Bosnier, der von der Polizei zunächst zuhause abgeholt werden muss, stammt aus derselben Stadt wie der angeklagte Bosnier, arbeitet früher einmal in einem seiner Lokale und war anschließend selbst der Chef. Dort will er auch eine Geldübergabe beobachtet haben. Der Ex-Polizist sei mit zwei anderen Personen am Tisch gesessen, die Übergabe sei von Hand zu Hand erfolgt, schildert er. Ein weiterer Zeuge wird von der Polizei nicht zuhause angetroffen. Später stellt sich heraus, dass er derzeit im Spital liegt. Der Prozess wird am 7. November fortgesetzt. vn-ger

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