Kleiner Roboter mit großer Mission

Vorarlberg / 23.10.2022 • 17:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lehrerin Theresa Loacker hat einen neuen Schüler: der Miniroboter AV1 sitzt seit September in der Klasse.
Lehrerin Theresa Loacker hat einen neuen Schüler: der Miniroboter AV1 sitzt seit September in der Klasse.

An der HLW Rankweil vertritt ein Miniroboter erkrankte Schülerin.

RANKWEIL Er kann sprechen, aufzeigen, stammt aus Norwegen, ist knapp 30 Zentimeter groß und besucht seit Ende September die 2C-Klasse der HLW Rankweil. Sein Name: AV1.

Dabei handelt es sich um einen Roboter, genauer gesagt um einen Telepräsenz-Avatar. Er ermöglicht einer Schülerin, die aufgrund einer Erkrankung seit längerem nicht persönlich in die Schule konnte, die Teilnahme am Unterricht. Er sieht für sie, er hört für sie – und überträgt alles per Livestream.

Mit langen aufgeklebten Wimpern und farbenfroh dekoriert steht der kleine Roboter an diesem Donnerstagvormittag in der Klasse der HLW Rankweil. Arme und Beine hat er zwar nicht, dafür aber eine Kamera, einen Lautsprecher und ein Mikrofon. Von Zuhause aus können betroffene Schülerinnen und Schüler damit zumindest virtuell am Unterricht teilnehmen.

Soziale Interaktion

„Es ermöglicht eine soziale Interaktion und gibt das Gefühl, dass jemand da ist, auch wenn die Schülerin nicht physisch anwesend ist“, erklärt Klassenvorständin und Italienischlehrerin Theresa Loacker.

Schule ist nicht nur ein Ort der Bildung und des Lernens, sondern vor allem auch des sozialen Miteinanders und des Austauschs. Ein Umstand, der bei Schülerinnen und Schülern, die aufgrund einer schweren Erkrankung über einen längeren Zeitraum nicht persönlich in der Schule sein können, oft zu kurz kommt. In Österreich sind es derzeit rund 17.000 Kinder und Jugendliche, die aufgrund von medizinischen Behandlungen oder Krankenhausaufenthalten den Unterricht nicht regelmäßig besuchen können, wie die Innovationsstiftung für Bildung mitteilte.

Mit Hilfe des Avatars ist die Schülerin quasi mitten in der Klasse. Sie sieht und hört alles, kann sich zu Wort melden, in Gruppenarbeiten mitmachen und sich 360 Grad im Raum umsehen. Über eine App am Tablet steuert die Schülerin den Avatar. Umgekehrt leuchtet der Kopf des Avatars auf, wenn die Schülerin sich meldet. Auch Gefühle und Stimmungen kann der kleine Helfer mittels „Gesichtsausdruck“ mitteilen. Mitentwickelt wurde der AV1 2015 von der Norwegerin Karen Dolva. Der Name der norwegischen Firma ist Programm: „No Isolation“.

Forschungsprojekt

In Vorarlberg kommen derzeit zwei der Miniroboter zum Einsatz, erklärt Gerda Rockenbauer, Projektleiterin von der Heilstättenschule Wien. Insgesamt konnten bereits 95 Kinder und Jugendliche in Österreich mit einem Avatar unterstützt werden. In Vorarlberg waren bisher insgesamt sechs Avatare im Einsatz. Im Zuge des Projekts „Life happens wherever you are“ untersucht eine interdisziplinäre Forschungsgruppe der Medizinischen Universität Wien, der Universität Klagenfurt in Zusammenarbeit mit der Heilstättenschule und „die Berater“ die Einsatzmöglichkeiten des Telepräsenzsystems. Ziel der Projekts ist es, den möglichen negativen Folgeerscheinungen aufgrund des Fernbleibens vom Unterricht entgegenzuwirken sowie die soziale Verbundenheit mithilfe des Avatars aufrechtzuerhalten und zu untersuchen.

Gut angenommen

„Es erleichtert uns den Unterricht, davor haben wir es mit der Plattform Teams probiert, was aber unter anderem wegen der Akustik schwierig war“, erzählt die Lehrerin. „Von den anderen Schülerinnen wird der Roboter gut angenommen, sie starten ihn teilweise schon in der Pause, damit sie miteinander reden können.“ Der Akku hält etwa fünf Stunden, Sponsoren finanzierten den Roboter, den es trotz seines großen Nutzens hoffentlich bald gar nicht mehr braucht.

Mit Hilfe des Roboters können die Mitschülerinnen Emilia (l.) und Svenja Kontakt zu ihrer Schulkameradin halten. VN/Rhomberg
Mit Hilfe des Roboters können die Mitschülerinnen Emilia (l.) und Svenja Kontakt zu ihrer Schulkameradin halten. VN/Rhomberg
Via Tablet kann die Schülerin von Zuhause aus live dem Unterricht folgen. 
Via Tablet kann die Schülerin von Zuhause aus live dem Unterricht folgen. 

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