Abfuhr für Pläne zum Bahnausbau

Vorarlberg / 25.10.2022 • 18:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Anrainergemeinden im unteren Rheintal beharren beim Gleisausbau auf eine Unterflurvariante.Lisa Mathis
Die Anrainergemeinden im unteren Rheintal beharren beim Gleisausbau auf eine Unterflurvariante.Lisa Mathis

ÖBB wollen zwischen Lochau und Wolfurt oberirdisch ausbauen. Gemeinden legen sich quer.

lauterach Im Ton höflich, in der Sache klar: Die fünf von einem Bahnausbau im Unteren Rheintal betroffenen Anrainergemeinden Lochau, Hörbranz, Bregenz, Lauterach und Wolfurt erteilen ÖBB-Plänen zu einem oberirdischen Ausbau eine Absage. „Wir deponieren noch einmal klar, dass zwischen Bregenz und Lochau kein zweites Gleis und zwischen Lauterach und Bregenz-Vorkloster kein drittes Gleis oberirdisch in Frage kommt“. Die Worte des Sprechers der Anrainergemeinden, des Lauteracher Bürgermeisters Elmar Rhomberg, lassen kaum Interpretationsspielraum zu. Mit den Gemeinden wird sich die von Bahn und Bund favorisierte Variante des Ausbaus nicht spielen. Die Positionen könnten nicht weiter auseinander liegen.

Am Montag hatten sich Vertreter von Bahn, Infrastrukturministerium, Land und Gemeinden zu einer weiteren Variantenpräsentation im Landhaus getroffen. Erneut gab es für die von den Gemeinden gewünschte Unterflurlösung eine Absage. Die ÖBB haben sich festgelegt. Man präferiere weiterhin jene Variante, die sich bei der umfangreichen Studie als verträglichste herauskristallisiert hat – die Variante in Niveaulage, also oberirdisch, so die Bahn nach neuerlichen Untersuchungen. Für den zuständigen Landesrat Daniel Zadra wurde damit deutlich, dass noch „große Hürden vor uns liegen, aber wir sind einen Schritt weiter.“

Gleichzeitig bezog auch das Land deutlich Position. Eine mehrjährige Totalsperre des Zugverkehrs im Bereich Bregenz-Lauterach-Hard komme nicht in Frage. „Damit wäre der öffentliche Nahverkehr, wie wir ihn in Vorarlberg kennen, auf lange Sicht abgeschafft“, so Zadra. Eine solche mehrjährige Sperre machen die Studienautoren der ÖBB im Variantenvergleich aber für eine Unterflurlösung aus. Land und Gemeinden haben sich dennoch zumindest auf eine gemeinsame Vertiefung des Prozesses und die Notwendigkeit der Flächensicherung verständigt.

Mehr Gemeinsamkeiten dürfte es aber nicht geben. Man dürfe jetzt nicht nur auf günstigstem Wege die Schieneninfrastruktur ausbauen. Vielmehr brauche es eine Lösung, die für die Menschen im unteren Rheintal auch in Zukunft eine lebenswerte Heimat sichere, so Bürgermeister Rhomberg. „Ein oberirdischer Ausbau würde sowohl die Lebensqualität der Anrainer als auch die Möglichkeiten der Stadt- und Gemeindeplanung massiv beeinträchtigen“.

Eine Annäherung der völlig konträren Positionen scheint unwahrscheinlich, eine rasche Einigung praktisch ausgeschlossen. Dabei drängt die Zeit. Die ÖBB hatten schon im Vorfeld Druck ausgeübt. So würden Projekte in ganz Österreich im Wettbewerb zu einander stehen. Es müssten alle an einem Strang ziehen. Danach schaut es derzeit jedenfalls nicht aus. VN-MIG

„Es kommt für uns nicht in Frage, dass zusätzliche Gleise oberirdisch verlegt werden.“

Abfuhr für Pläne zum Bahnausbau

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