Gemeinden legen sich gegen ÖBB-Pläne quer

Vorarlberg / 25.10.2022 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gemeinden legen sich gegen ÖBB-Pläne quer

Bahn will zwischen Lochau und Wolfurt einen oberirdischen Ausbau. Für die Anrainergemeinden kommt das aber nicht infrage.

lauterach Im Ton höflich, in der Sache klar: Die fünf von einem Bahnausbau im Unteren Rheintal betroffenen Anrainergemeinden Lochau, Hörbranz, Bregenz, Lauterach und Wolfurt erteilen ÖBB-Plänen zu einem oberirdischen Ausbau eine Absage. „Wir deponieren noch einmal klar, dass zwischen Bregenz und Lochau kein zweites Gleis und zwischen Lauterach und Bregenz-Vorkloster kein drittes Gleis oberirdisch in Frage kommt“. Die Worte des Sprechers der Anrainergemeinden, dem Lauteracher Bürgermeister Elmar Rhomberg, lassen kaum Interpretationsspielraum zu. Mit den Gemeinden wird sich die von Bahn und Bund favorisierte Variante des Ausbaus nicht spielen. Die Positionen könnten weiter nicht auseinander liegen.

ÖBB sieht einen Ausbau auf Niveaulage - also oberirdisch - als alternativlos. <span class="copyright">Mathis</span>
ÖBB sieht einen Ausbau auf Niveaulage - also oberirdisch - als alternativlos. Mathis

Am Montag hatten sich Vertreter von Bahn, Infrastrukturministerium, Land und Gemeinden zu einer weiteren Variantenpräsentation im Landhaus getroffen. Erneut gab es für die von den Gemeinden gewünschte Unterflurlösung eine Absage. Die ÖBB haben sich festgelegt. Man präferiere weiterhin jene Variante, die sich bei der umfangreichen Studie als verträglichste herauskristallisiert hat – die Variante in Niveaulage, also oberirdisch, so die Bahn nach neuerlichen Untersuchungen. Für den zuständigen Landesrat Daniel Zadra wurde damit deutlich, dass noch „große Hürden vor uns liegen, aber wir sind einen Schritt weiter.“

<p class="caption">Bei einer Unterflurvariante gäbe es eine lange Totalsperre. Das wiederum kommt für das Land nicht infrage. <span class="copyright">VN/Gasser</span></p>

Bei einer Unterflurvariante gäbe es eine lange Totalsperre. Das wiederum kommt für das Land nicht infrage. VN/Gasser

Gleichzeitig bezog auch das Land deutlich Position. Eine mehrjährige Totalsperre des Zugverkehrs im Bereich Bregenz-Lauterach-Hard komme nicht in Frage. „Damit wäre der öffentliche Nahverkehr, wie wir ihn in Vorarlberg kennen, auf lange Sicht abgeschafft“, so Zadra. Eine solche mehrjährige Sperre machen die Studienautoren der ÖBB im Variantenvergleich aber für eine Unterflurlösung aus. Land und Gemeinden haben sich dennoch zumindest auf eine gemeinsame Vertiefung des Prozesses und die Notwendigkeit der Flächensicherung verständigt.

Gemeinden legen sich gegen ÖBB-Pläne quer
Die Positionen zwischen Land (LR Daniel Zadra li.) und Gemeinden (Bgm. Elmar Rhomberg, Sprecher der IGUB – Interessensgemeinschaft Unterirdischer Bahntrassenausbau im Großraum Bregenz” liegen meilenweit auseinander. Sams

Mehr Gemeinsamkeiten dürfte es aber nicht geben. Man dürfe jetzt nicht nur auf günstigstem Wege die Schieneninfrastruktur ausbauen. Vielmehr brauche es eine Lösung, die für die Menschen im unteren Rheintal auch in Zukunft eine lebenswerte Heimat sichere, so Bürgermeister Rhomberg. „Ein oberirdischer Ausbau würde sowohl die Lebensqualität der Anrainer als auch die Möglichkeiten der Stadt- und Gemeindeplanung massiv beeinträchtigen“.

Eine Annäherung der völlig konträren Positionen scheint unwahrscheinlich, eine rasche Einigung praktisch ausgeschlossen. Dabei drängt die Zeit. Die ÖBB hatten schon im Vorfeld Druck ausgeübt. So würden Projekte in ganz Österreich im Wettbewerb zu einander stehen. Es müssten alle an einem Strang ziehen. Danach schaut es derzeit jedenfalls nicht aus.

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