Zu viel Wild, zu viel TBC. Und wie es besser werden soll

Vorarlberg / 25.10.2022 • 04:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hubert Malin (vorne) und LK-Präsident Josef Moosbrugger vor der letzten Kammerwahl. In Sachen Jagd scheint die Harmonie weniger perfekt. <span class="copyright">VN/Sams</span>
Hubert Malin (vorne) und LK-Präsident Josef Moosbrugger vor der letzten Kammerwahl. In Sachen Jagd scheint die Harmonie weniger perfekt. VN/Sams

Hubert Malin, Forstverantwortlicher vom Stand Montafon, mit Erklärungsversuchen für derzeitige Situation.

Schruns Hubert Malin (63) ist nicht nur im Montafon ein mächtiger Mann. Er steht der Forstverwaltung des Standes Montafon vor und ist der Vertreter der land- und forstwirtschaftlichen Dienstnehmer in der Vorarlberger Landwirtschaft. Der Stand ist mit 8860 Hektar Wald der größte Waldbesitzer in Vorarlberg. Als solcher steht auch er in der Kritik wegen der viel zu hohen TBC-Prävelenz (über 10 Prozent) in der Region Bartholomäberg-Silbertal.

Was ist Ihre Erklärung für die bisher dürftige Abschussquote von nur knapp 200 statt der geforderten 520 fürs gesamte Jagdjahr?

Malin Die zugegeben niedrige Abschussquote ist natürlich auch ein Abbild der vorherrschenden außerordentlichen Wetterlage. Es ist viel zu warm, das Wild ist schwer greifbar und überall verteilt. Natürlich besteht kein Zweifel daran, dass nur eine Reduktion des Wildbestandes das Risiko der TBC-Verbreitung senkt. Wir wissen das. Aber abgerechnet wird am Schluss. Das Jagdjahr geht noch bis Ende März kommenden Jahres, die beste Jagdzeit steht bevor.

Die Weidmänner im Montafon werden in den kommenden Monaten genau schauen müssen, wo das Rotwild ist. <span class="copyright">Vorarlberger Jägerschaft</span>
Die Weidmänner im Montafon werden in den kommenden Monaten genau schauen müssen, wo das Rotwild ist. Vorarlberger Jägerschaft

Wie besorgt sind Sie aufgrund der derzeitigen Situation mit der Durchseuchung?

Malin Ich bin besorgt, und das sind alle Jagdverantwortlichen ebenso. Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Quoten zu erfüllen.

Eine Möglichkeit dazu wären Regulierungsgatter, wo eine größere Zahl von Wildtieren erlegt werden könnte. Das empfiehlt zum Beispiel der Landesveterinär. Warum machen Sie das nicht?

Malin Ich bin gegen diese Art der Reduktion von Rotwild. Wir können das ohne eine solche Maßnahme bewerkstelligen. Ein Regulierungsgatter darf nur als allerletzte Konsequenz überhaupt in Erwägung gezogen werden.

Geschafft hat man die geforderte Abschussquote laut Landesveterinär in zehn Jahren genau ein Mal.

Malin Doch der Rotwildbestand wurde gerade in diesem Bekämpfungsgebiet insgesamt deutlich reduziert, und zwar zwischen 15 und 20 Prozent. Noch einmal: Wir werden alles daran setzen, die Quote von den geforderten 520 Stück zu erreichen. Die für die Jagd besten Monate stehen uns noch bevor. Nur sollte es halt irgendwann kälter werden und womöglich schneien, damit das Wild besser greifbar ist.

Rotwild im Schnee. Das würden sich die Jäger für die Bejagung wünschen. Doch davon sind wir derzeit weit entfernt. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Rotwild im Schnee. Das würden sich die Jäger für die Bejagung wünschen. Doch davon sind wir derzeit weit entfernt. VN/Stiplovsek

Wäre es nicht besser, die Jagdanstrengungen mehr auf den Frühling und den Sommer zu fokussieren, auf jene Zeit, in der der Kontakt von Wild und Vieh am wahrscheinlichsten ist?

Malin Wir haben in dieser Zeitperiode aus jagdlicher Sicht mit dem Problem zu kämpfen, dass sich das Wild weit nach oben zurückziehen kann und daher viel schwerer zu bejagen ist.

Es gibt Meldungen, wonach die Zusammenarbeit aller Beteiligten, konkret Grundbesitzer, Pächter, Landwirte, im TBC-Bekämpfungsgebiet nicht die beste sei.

Malin Ich kann sagen, dass wir gerade im hinteren Silbertal nahezu alle an einem Strang ziehen. Trotzdem ist eine TBC-Prävalenz von zehn Prozent natürlich zu viel und birgt die Gefahr einer Explosion in sich.

Sie sind in der Landwirtschaftskammer Kollege von Präsident Josef Moosbrugger, von dem die harsche Kritik gegen die Zuständigen in Bartholomäberg-Silbertal ausging. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm bei diesem Thema?

Malin Unser Verhältnis ist gut, wir verstehen uns gegenseitig, weil wir ja auch die gleichen Ziele haben. Wir sind uns einig darüber, dass der Wildbestand im TBC-Kerngebiet reduziert werden muss. Mein Ton ist vielleicht moderater, während seine Worte sehr deutlich sind.

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