„Der Tod lässt Menschen über Grenzen Verständnis haben“

Vorarlberg / 27.10.2022 • 15:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Raum für die rituelle Waschung der Verstorbenen.
Der Raum für die rituelle Waschung der Verstorbenen.

Blick hinter die Kulissen zum 10-jährigen Jubiläum des Islamischen Friedhofs in Altach.

Altach Das 10-jährige Bestehen des Islamischen Friedhofs ist Anlass für die Gelegenheit zum Kennenlernen der Kultstätte auch für Nichtmuslime gewesen. Zum Tag der offenen Tür begrüßte Bürgermeister Markus Giesinger eine Reihe von Interessierten. Sein Vorgänger Gottfried Brändle berichtete davon, wie positiv die Stimmung bei Land, Gemeinden und anderen Institutionen dem Projekt gegenüber gewesen ist. „Es hat eine tolle Zusammenarbeit und einen intensiven Austausch gegeben.“ Die von ihm als „Amme des Projekts“ bezeichnete Eva Grabherr (Okay zusammen leben) berichtete von einer guten Stimmung dem Projekt gegenüber. Und zwar in einer Zeit von sonst durchaus kontroversiellen Diskussionen um den Islam.

„Meine These ist: Wenn es um Sterben und Tod geht, haben die Menschen über verschiedene Grenzen hinweg Verständnis“, führte Grabherr aus. Abgesehen davon sei der Islamische Friedhof in Altach aus mindestens drei Gründen ein Erfolgsmodell.

Als es um die Frage eines Ortes für den Friedhof ging, habe die Gemeinde Altach aufgezeigt. Weiters seien Menschen aus verschiedenen muslimischen Vereinigungen unabhängig voneinander zur Erkenntnis gekommen, dass sie längerfristig einen Möglichkeit zur Beisetzung im Land brauchen. Und schließlich sei man auf offene Ohren bei allen etablierten Institutionen wie Gemeindeverband oder katholische Kirche gestoßen.

Ablauf der Verabschiedung

Im Raum für die rituellen, meist von nahen Angehörigen durchgeführten Waschungen der Verstorbenen erklärte Friedhofsverwalter Ali Can die Abläufe und beantwortete Fragen von Teilnehmern einer Führung. Der Körper wird in ein Leintuch gehüllt und nur das Gesicht bleibt frei. Dann erfolgt das Abschiedsgebet durch den Imam und die Trauergemeinde entweder in dem mit einem Podest ausgestatteten Verabschiedungsbereich des Friedhofs oder in einer Moschee.

Derzeit gibt es in Altach 180 muslimische Gräber, manche Gläubige lassen sich aber auch auf anderen Vorarlberger Friedhöfen beisetzen. Bisher haben sich die allermeisten Verstorbenen in die Türkei überführen lassen, aber die jüngeren Generationen wollen auch über den Tod hinaus in Vorarlberg bleiben. AME

Bei einer Führung durch den Friedhof wurden unter anderem diverse Rituale und Abläufe erklärt.
Bei einer Führung durch den Friedhof wurden unter anderem diverse Rituale und Abläufe erklärt.
Christine und Christian Kaizler mit Sabine Scheffknecht und Hans Kapp von der katholischen Kirche waren ebenfalls zum Tag der offenen Tür gekommen. Ame
Christine und Christian Kaizler mit Sabine Scheffknecht und Hans Kapp von der katholischen Kirche waren ebenfalls zum Tag der offenen Tür gekommen. Ame
M. Giesinger (Bgm.), E. Dagli (Vorsitzende islam. Religionsgemeinde Vbg.), G.Brändle (Altbgm.), E. Grabherr, H. Sonderegger (Lt.-Präs.), C. Yurdagül und A. Can (Friedhofsverwalter).
M. Giesinger (Bgm.), E. Dagli (Vorsitzende islam. Religionsgemeinde Vbg.), G.Brändle (Altbgm.), E. Grabherr, H. Sonderegger (Lt.-Präs.), C. Yurdagül und A. Can (Friedhofsverwalter).

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