Ein Leben im Dienst der Nächstenliebe

Vorarlberg / 01.11.2022 • 17:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kurz vor Weihnachten 2021 bekam Elly Böhler Besuch von Bischof Benno Elbs und ihrer Nachfolgerin Marlies Müller. vn/RP
Kurz vor Weihnachten 2021 bekam Elly Böhler Besuch von Bischof Benno Elbs und ihrer Nachfolgerin Marlies Müller. vn/RP

Langjährige „Ma hilft“-Koordinatorin Elly Böhler 94-jährig verstorben.

Schwarzach Es war 1945 und Elly Böhler gerade einmal 18 Jahre alt. Mit dem Zug versuchte sie, von Prag über Deutschland nach Dornbirn zu ihrer Mutter und ihrem Bruder zu gelangen. Ein Schützengraben in München wurde kurzzeitig zur Endstation. Dort legte die junge Frau einen Schwur ab. Sollte sie die Mutter jemals wiedersehen, würde sie den Rest ihres Lebens nur noch Gutes tun. Elly Böhler kam schließlich wohlbehalten in Vorarlberg an und hielt Wort. Zeit ihres Lebens setzte sie sich nicht nur für ihre eigene Familie, sondern auch für andere Menschen ein. Der von der VN-Redaktion 1979 gegründeten Sozialaktion „Ma hilft“ stand Elly 30 Jahre lang als Koordinatorin vor. Sie organisierte lange die Eugen-Russ-Ausfahrt für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen sowie betreute Reisen für Menschen mit Handicap. Am 31. Oktober 2022 ging nun ein langes und engagiertes Leben zu Ende. Elly Böhler schlief 94-jährig gut betreut zu Hause ein.

Gelernte Säuglingsschwester

Die Geburtsstunde eines ganz besonderen Menschen schlug am 12. November 1927 in der Eisengasse in Dornbirn, wo Elly Böhler sehr zur Freude ihrer Eltern Roman und Mathilde Böhler das Licht der Welt erblickte. Vier Jahre später machte ein Sohn das Glück komplett. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte Elly in die Hauptschule, die sie in Dornbirn, Olmütz und schließlich in Graz absolvierte. Schließlich zog die Familie nach Prag, wo der Vater am Flughaften für die Sicherheit zuständig war. Elly ließ sich dort zur Säuglingsschwester ausbilden. 1944 kehrte die Mutter zusammen mit dem Bruder nach Dornbirn zurück, die Tochter folgte nach einer beschwerlichen und gefährlichen Reise ein Jahr später.

Ihren zukünftigen Mann, Klemens Böhler, Inhaber eines Malereibetriebs, lernte die junge Elly 1946 während eines Buchhalterkurses kennen. Der Altersunterschied von 17 Jahren tat der Liebe keinen Abbruch. Am 14. August 1947 wurde geheiratet und anschließend in Schwarzach ein Haus gebaut. Die Ehe war mit vier Kindern gesegnet, zusätzlich nahm das Paar noch zwei Pflegekinder auf. Doch es gab auch Schicksalsschläge. Eine Tochter starb mit nur drei Jahren. Neben der Familie kümmerte sich Elly Böhler auch um die Buchhaltung ihres Mannes. Die VN-Herausgeberfamilie Russ lernte sie im Zuge von Malerarbeiten kennen, die der Betrieb ihres Mannes auf einer Baustelle in Lochau durchführte und Elly eine Rechnung abgeben musste. Sie blieb der Familie und den VN bis zu ihrem Tod verbunden. Von 1979 bis 1989 arbeitete Elly Böhler bei den VN als Telefonistin sowie in der Inseratenabteilung. Lange vorher, nämlich 1956, nahm sie, noch als Privatperson, zum ersten Mal an der Eugen-Russ-Ausfahrt teil und später die gesamte Organisation in die Hand. Zum letzten Mal war Elly Böhler 2021 bei der Russ-Ausfahrt dabei.

Herz und Gesicht von „Ma hilft“

Ein ganz besonderes Anliegen war ihr jedoch „Ma hilft“. Jahrelang war Elly Böhler das Herz und das Gesicht der VN-Sozialaktion. Dank vieler und großzügiger Spender in Vorarlberg konnte sie stets helfen, wo die Not am größten war, vor allem in Familien und bei Alleinerziehenden. „Elly war immer viel mehr als nur ein Erlagschein, ein Geschenke-Bote. Sie hat vielen Menschen Hoffnung gegeben. Sie war und ist eine große Persönlichkeit“, sagte Bischof Benno Elbs anlässlich eines Besuchs bei der betagten Grande Dame des sozialen Engagements. „Über Jahrzehnte verkörperte Elly Böhler das soziale Gesicht der VN. Im Hintergrund leistete sie noch viel mehr im Dienste ihrer Mitmenschen. In Dankbarkeit verneigen wir uns vor diesem großartigen Lebenswerk“, würdigt VN-Herausgeber und Russmedia-Geschäftsführer Eugen A. Russ die Verstorbene. „Elly hat mit ihrer Nächstenliebe Vorarlberg ein ganzes Stück näher zusammenrücken lassen. Ihre nicht enden wollende Warmherzigkeit wird weiterhin unser moralischer Kompass sein“, sagt VN-Chefredakteur und „Ma hilft“-Obmann Gerold Riedmann.

Ihr Wirken blieb trotz aller Bescheidenheit auch anderswo nicht verborgen. Neben verschiedenen anderen Ehrungen erhielt Elly Böhler 1998 das Verdienstzeichen des Landes, 2013 folgte das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich.

Liebe Elly Böhler, ruhe in Frieden!

Der damalige Landeshauptmann Herbert Sausgruber überreichte Elly Böhler die Landesauszeichnung. vlk
Der damalige Landeshauptmann Herbert Sausgruber überreichte Elly Böhler die Landesauszeichnung. vlk
Elly als Volksschülerin in ihrer Heimatstadt Dornbirn
Elly als Volksschülerin in ihrer Heimatstadt Dornbirn
Elly Böhler (r.) als Helferin auf einer Kinderstation in Prag.
Elly Böhler (r.) als Helferin auf einer Kinderstation in Prag.
Elly Böhler mit ihrem Ehemann Klemens. Die beiden führten eine glückliche Ehe.
Elly Böhler mit ihrem Ehemann Klemens. Die beiden führten eine glückliche Ehe.

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