Vorsorge gegen Hochwasserschäden

Vorarlberg / 01.11.2022 • 15:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Feuerwehrkommandant Christian Böhler, Bürgermeisterin Irmgard Hagspiel, Landesrat Christian Gantner und DI Thomas Blank, Wasserwirtschaft. AJK/4
Feuerwehrkommandant Christian Böhler, Bürgermeisterin Irmgard Hagspiel, Landesrat Christian Gantner und DI Thomas Blank, Wasserwirtschaft. AJK/4

Zwei Monate nach Katastrophenflut gibt es in Kennelbach wertvolle Ratschläge.

KENNELBACH Am 19. August strömten gewaltige Wassermassen durch Kennelbach und verursachten großen Schaden. Zwei Monate später ist viel repariert. Wichtig ist aber vor allem die Vorsorge vor künftigen Hochwasserereignissen. Die werden sich wohl häufen, wurden Interessierte bei einer Veranstaltung im Schindlersaal informiert. Land und Gemeinde bieten Privaten gratis Beratungsgespräche an.

1506 Einsatzstunden

An 50 verschiedenen Stellen waren Feuerwehrleute aus Kennelbach, Langen, der Fluh und Höchst ab dem 19. August im Gemeindegebiet Kennelbach im Einsatz. Insgesamt leisteten die Feuerwehrleute 1506 Einsatzstunden. Das berichtete Feuerwehrkommandant Christian Böhler bei der Veranstaltung „Hochwasserschutz geht uns alle an“. Bürgermeisterin Irmgard Hagspiel hatte zuvor zahlreiche Interessierte und Gäste im Schindlersal begrüßt. Kennelbach war von den Wassermassen des Hochwassers besonders stark betroffen.

Viele Helfer im Einsatz

Zu überfluteten Kellern und Wohnräumen sowie verstopften Bachläufen kamen noch Hangrutschungen. Die Bürgermeisterin bedankte sich besonders bei den Feuerwehrleuten und allen anderen Helferinnen und Helfern. Ohne den Einsatz von Baggern heimischer Unternehmen wäre es nicht möglich gewesen, die angeschwemmten Geröllmassen rasch wieder aus den Bächen im Dorf zu entfernen. Dem Dank schloss sich Landesrat Christian Gantner an. Zwar gebe es keine 100-prozentige Sicherheit, das Land und der Bund investieren in Vorarlberg aber jährlich bis zu 30 Millionen Euro, heuer sogar rund 40 Millionen in den Schutz gegen Hochwasser. Wichtig ist aber besonders auch die Eigenvorsorge. Darauf wiesen DI Thomas Blank, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, ebenso hin wie sein Mitarbeiter Gerhard Huber und Andreas Reiterer von der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Direktor Robert Sturn von der Vorarlberger Landesversicherung machte darauf aufmerksam, dass es keine vollständige Versicherung gegen Hochwasserschäden gibt. Die Vorstellungen der heimischen Versicherungsgesellschaften für eine bundesweite Abdeckung von Katastrophenschäden liege allerdings seit Jahren offenbar unbeachtet in den Schubladen der Politiker. Der Dank von Dir. Sturn galt ebenfalls den Feuerwehren. „Wir haben wieder einmal gesehen, wie wichtig es ist, diese Einrichtung in jedem Ort zu haben. Was nützt eine etwa in Dornbirn konzentrierte große Feuerwehr, wenn sie bei einem solchen Ereignis gar nicht bis zum Katastrophenort vordringen könnte.“

Eigenvorsorge entscheidend

Konkrete Vorschläge für mögliche Maßnahmen gegen eindringendes Wasser in Wohnhäuser und Betriebe machte schließlich Baumeister DI Jürgen Ess. Er steht auch für Einzelberatungen zur Verfügung, die Kosten übernehmen in Kennelbach Land und Gemeinde.

Für ihn ist entscheidend, dass nicht erst reagiert wird, wenn sich Gewitterwolken am Himmel zeigen. „Wenn man erst dann Sandsäcke aufschlichtet, wenn das Hochwasser schon in den Keller rinnt, ist es zu spät.“ Wo sich etwa eine Garageneinfahrt zum Haus neigt, wo Kellerschächte an Hanglagen oder anderen Gefahrenstellen nicht vor Wasser geschützt sind, kann es bei Extremniederschlägen Probleme geben.

Wo möglich, gehören elektrische Anschlüsse oder Heizanlagen erhöht angebracht, Ablaufgullis im Kellerabteil können bei Hochwasser zu Überschwemmungen führen. Hilfreich sind etwa auch wasserbeständige Wand- und Bodenbeläge sowie möglichst wasserdichte Kellerfenster. Viele der Ratschläge, die der Fachmann machte, schützen nicht vollständig vor Hochwasser. DI Ess: „Es ist aber ein Unterschied, ob ich anschließend nur zwei Zentimeter Wasser herauspumpen muss oder ob das Wasser im Keller einen Meter tief steht.“

Gefahrenzonenpläne überprüfen

Die Gefahrenzonenpläne, die im ganzen Land bestehen, werden regelmäßig überprüft, besonders nach Hochwasserereignissen. Das betonte DI Thomas Blank von der Wasserwirtschaft auf entsprechende Anfragen. In roten Zonen mit extremer Überflutungsgefahr sollten keine Gebäude stehen, wo die Gefahr eher überschaubar ist, gehören Vorsorgemaßnahmen gesetzt. Weil die öffentliche Hand nicht alles erledigen kann, ist Eigenverantwortung gefragt.

Beratung in Kennelbach gratis

Bürgermeisterin Irmgard Hagspiel: „Obwohl inzwischen bereits viele der Schäden behoben werden konnten, haben wir jetzt Hausaufgaben zu erledigen.“ Priorität hat dabei der weitere Ausbau des Luxerbaches. Während des ganzen Monats November besteht in Kennelbach das Angebot zur Beratung für Hausbesitzer, die ihr Eigentum besser schützen möchten. AJK

Nur mit Unterstützung von Baggern konnten die Bachläufe wieder freigemacht werden.
Nur mit Unterstützung von Baggern konnten die Bachläufe wieder freigemacht werden.
Interessiert an den Infos zum Hochwasserschutz waren auch Mag. Klaus und Elisabeth Sieber mit Manfred Madlener (r.).
Interessiert an den Infos zum Hochwasserschutz waren auch Mag. Klaus und Elisabeth Sieber mit Manfred Madlener (r.).
Gewaltige Wassermengen fluteten am 19. August Kennelbach.
Gewaltige Wassermengen fluteten am
19. August Kennelbach.

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