Die Alarmglocken schrillen

Vorarlberg / 02.11.2022 • 21:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Seit langer Zeit versucht die Wissenschaft, die Klimakrise verständlich zu machen. Alarmglocken wurden und werden immer wieder geläutet. Aber die nötigen Aktionen bleiben aus. In den kommenden Tagen startet mit der Klimakonferenz in Ägypten, der COP27, ein nächster Versuch. Die Vertragsstaatenkonferenz (Conference Of the Parties) findet seit 1995 jährlich statt, und basiert auf der Klimarahmenkonvention, die 1992 in Rio de Janeiro beim Umweltgipfel vereinbart wurde. Denn seit Jahrzehnten ist klar, warum es auf unserer Erde immer heißer wird. Die Veränderung unseres Klimas ist durch uns Menschen verursacht.

Treibhausgase wie CO2, das wir durch Verbrennung fossiler Rohstoffe in riesigem Ausmaß erzeugen, erhöhen durch das Zurückhalten von Wärmestrahlung in unserer Atmosphäre die Temperatur auf der Erdoberfläche. Und seit Jahrzehnten wird auf den Klimakonferenzen verhandelt, wie wir den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren. Doch das ist bis jetzt nicht gelungen, die Menge an CO2 in der Atmosphäre steigt immer weiter.

CO2 ist für uns Menschen auf der Haut nicht spürbar. Könnte uns der erhöhte Anteil dieses Gases Schmerzen bereiten, wir würden schon längst alles tun, um CO2 insgesamt zu reduzieren, nicht nur den Zuwachs. Daher hat die Wissenschaft über viele Jahre die Zusammenhänge dargestellt und vor den Konsequenzen unseres Nicht-Handelns gewarnt. Mittlerweile sehen und spüren wir aber die katastrophalen Auswirkungen des Verbrennens von fossilen Rohstoffen andauernd und schmerzhaft. Die Klimakrise, ja eigentlich die Klimakatastrophe, ist unübersehbar geworden. Tage mit über 25°C, also Sommertage, gibt es bei uns sogar Ende Oktober in Sulzberg, in Slowenien auch noch Anfang November. Das war noch vor sechs Jahrzehnten ganz anders. Eindrucksvoll sind für mich die Erzählungen meines Vaters von den im Schnee knirschenden Schuhen der zu Allerheiligen auf dem Bürser Friedhof marschierenden Musikkappelle.

Und das ist noch nicht alles: Wir erleben eine Tropennacht (Tiefsttemperatur fällt nicht unter 20°C) am 30. Oktober in Salzburg auf über 1000 Meter Höhe. Dazu kommt: Der wärmste Oktober der Messgeschichte in der Schweiz, in Österreich und Frankreich liegt gerade hinter uns. In Frankreich hatte es Ende Oktober über 30°C, teilweise sogar über 33°C. Allein in den Sommermonaten Juni, Juli und August gab es wohl 107.000 Hitzetote in Europa. 107.000!

Die Alarmglocken schrillen immer lauter.

„Der wärmste Oktober der Messgeschichte in der Schweiz, in Österreich und Frankreich liegt gerade hinter uns.“

Simon Tschannett

simon.tschannett@vn.at

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.

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