Die Bedürfnisse der Zeit erkannt

Vorarlberg / 02.11.2022 • 17:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schwester Maria Magdalena lebte nach Ende ihrer Amtszeit in Innsbruck.
Schwester Maria Magdalena lebte nach Ende ihrer Amtszeit in Innsbruck.

Schwester Maria Magdalena Scherl, Direktorin im Institut St. Josef, verstorben.

FELDKIRCH Schwester Maria Magdalena vom Orden der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz ist am 19. Oktober im Alter von 86 Jahren in der Klinik Innsbruck verstorben.

Am 7. Oktober 1936 wurde sie als Anna Elisabeth Scherl in Zams geboren. Nach der Grundschulausbildung in Imst wechselte sie in die französische Schweiz in eine Schule für taubstumme und schwach begabte Kinder, die von Kreuzschwestern geführt wurde.

Nach ihrer Rückkehr trat sie 1954 bei den Kreuzschwestern in Hall ein und besuchte die Lehrerinnenbildungsanstalt in Innsbruck. Anschließend begann die eigentliche Ordensausbildung – Postulat und Noviziat – in Hall. 1961 legte sie die erste Profess ab und wurde an die Hochschule für Welthandel nach Wien gesandt. Dort erwarb Schwester Maria Magdalena das Diplom und legte in den kaufmännischen Gegenständen die Lehramtsprüfung ab.

Wegen des großen Bedarfs an Lehrerinnen begann sie bereits vor Abschluss des Studiums zu unterrichten. Zusätzlich zu den kaufmännischen Fächern unterrichtete Schwester Maria Magdalena in der Bildungsanstalt und der Handelsschule in Feldkirch auch Religion und dazwischen auch Musik und Mathematik an der Hauptschule. Sprachen und Musik waren ihre starken Begabungen.

Nach vielen Jahren als Lehrerin im Institut St. Josef in Feldkirch folgte sie 1978 Schwester Aquinata Salfner als Direktorin der Handels- und Haushaltungsschule im Institut St. Josef nach. Unter ihrer Leitung wurden die dortigen Schulen maßgeblich ausgebaut. Nach der zweijährigen Hauswirtschaftsschule eröffnete sie auch die dreijährige Fachschule für wirtschaftliche Berufe. Auf ihre Initiative wurde eine Trägerschaft für die Schulen am Institut St. Josef gesucht und mit Erfolg umgesetzt. Seit 1998 wird das Institut St. Josef von einem Schul-
trägerverein geleitet, den Schwester Maria Magdalena Scherl bis zum Oktober des 2007 als Obfrau leitete. Nur durch ihren persönlichen Einsatz und das Beiziehen von Laien konnte der Weiterbestand der größten katholischen Privatschulen mit eigenem Internat in Vorarlberg nachhaltig gesichert werden. Annähernd 1000 Mädchen werden heute von 140 Lehrpersonen unterrichtet.

Schwester Maria Magdalena sah es als ihre besondere Aufgabe, für junge Mädchen und Frauen – besonders aus benachteiligten sozialen Schichten – eine gute Ausbildungsmöglichkeit und damit Zukunftsperspektiven zu schaffen.

Neben ihrem erfolgreichen Wirken für die Schulen am Institut St. Josef hat sich Schwester Maria Magdalena ganz besonders um den Weiterbestand des Antoniushauses in Feldkirch und um die Sicherstellung der Hauskrankenpflege in Dornbirn, Lustenau, Götzis und Bludenz bemüht. Sie hat dabei immer die Bedürfnisse der Zeit erkannt und danach gehandelt. Die Bereiche Bildung, soziale Not und Krankenpflege waren für sie die Schwerpunkte ihrer Arbeit. Für ihren mehr als vier Jahrzehnte langen großen Einsatz für heranwachsende Kinder, sozial Benachteiligte und ältere Menschen wurde Schwester Maria Magdalena Scherl 2008 das Große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg verliehen.

Auch im Ordensleben übernahm sie Führungsaufgaben. Von 1992 bis 2001 war sie Provinzassistentin und ab diesem Zeitpunkt bis Oktober 2007 Provinzoberin der Provinz Tirol Vorarlberg. EE

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