Mit dem Schuhlöffel in den „Kampf“

Vorarlberg / 02.11.2022 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 62-jährige angeklagte Pensionist bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch vor Richterin Sabrina Tagwercher. eckert
Der 62-jährige angeklagte Pensionist bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch vor Richterin Sabrina Tagwercher. eckert

Lange schwelender Nachbarstreit endete vor dem Landesgericht.

Feldkirch Seit vielen Jahren liegen die beiden Nachbarn miteinander im Zwist. Der im Wohnobjekt unten lebende 62-jährige Pensionist behauptet bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch, vom Mieter oben würden ständig Möbel verrückt, was ihn mächtig störe. Dann sei von der Gegenpartei wieder eine Kamera aufgestellt worden, sodass sich der Nachbar beobachtet fühlte und diese wegdrehte. Nachdem sich der Sohn der Vermieterin eingemischt hatte und es zu einem Wortgefecht und einer Eskalation mit diesem gekommen war, landete die Angelegenheit wegen gefährlicher Drohung und Sachbeschädigung vor Gericht.

Ausgelaugt

Der 62-Jährige räumt ein, dass er auch genervt sei von den ständigen Streitereien in seiner Lustenauer Behausung. Doch er hat nur 1000 Euro Rente, mit dieser Pension eine Alternative zum Wohnen in diesem Haus zu finden, sei nicht einfach, sagt er. Im April sei er mit dem Junior der Vermieterin in Streit geraten, das sei richtig. Er habe gerade einen Schuhlöffel in der Hand gehabt und damit herumgefuchtelt. Der andere habe danach gegriffen und beide verletzten sich durch das Hin- und Hergerangel an den Händen.

Der Pensionist war wütend und schürfte im Zorn mit dem Schuhlöffel die Hausfassade entlang, wodurch angeblich ein Sachschaden am Verputz entstand. Dann habe sein Gegner gedroht, er hole seine „Knarre“. Daraufhin hätte der Rentner erwidert: „Für dich habe ich noch was ganz anderes als eine Knarre“. Der 62-Jährige erzählt, dass er aufgrund seiner Herzprobleme und der Aufregung sogar erbrochen habe, so schlimm hätte ihn der Streit mitgenommen.

Versöhnung gescheitert

Vor dem Verein „Neustart“ bemühte man sich eigentlich um eine Versöhnung. Die beiden Streithammel hatten eingewilligt, eine gewisse Verantwortung zu übernehmen und somit die Sache zu beenden. Vor Ort erklärte dann der Rentner jedoch, dass er „nur“ Opfer sei und wollte doch nicht einlenken. So wanderte die Sache wieder zurück ans Gericht.

Richterin Sabrina Tagwercher zeigte viel Geduld, der Pensionist übernahm nun doch ein wenig Verantwortung, wollte die Sache endlich erledigt haben und war im Rahmen einer Diversion (außergerichtlicher Tatausgleich) mit 250 Euro Geldbuße einverstanden. Er bezahlte sofort. „Meinem Anwalt hab ich auch schon 1200 Euro bezahlen müssen“, jammeret er noch über die seiner Meinung nach teure Rechtsberatung. Jedenfalls scheint die Sache nun erledigt. Die Richterin hofft, dass der Frieden hält. EC

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