Reinhold Bilgeri

Kommentar

Reinhold Bilgeri

Der Gangster

Vorarlberg / 03.11.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Frau Ammann hat sich schon mit Kerzen eingedeckt, es geht auf Weihnachten zu, atmosphärisch eigentlich ihre Lieblingszeit, sie liebt das Aroma von Tannenreisig und Mandarinen und Stromsparen kann ja auch nicht schaden.

Aber heimelig? In diesem Jahr ist alles anders, es will ihr nicht recht gelingen. Der Friede ist weg. Wer hätte das gedacht, Krieg in Europa. Ich weiß, sagt sie, die Leute wollen es nicht mehr hören, aber es geht uns alle an.

Barbarei

77 Jahre lang hat die Übereinkunft der Völker Mitteleuropas gehalten, die Barbarei aus der Zivilisation zu verbannen, sogar Putin hat 2001unter Standing Ovations im Deutschen Bundestag von Frieden gefaselt: „Der kalte Krieg ist vorbei“ und wir alle sind auf den Schafspelz reingefallen, das billige Gas hatte den Blick getrübt und am 24. Februar hat er ihn schließlich heiß gemacht,den Krieg.

„Würden wir aufgeben, wenn uns ein Tyrann aus der Nachbarschaft mit Gewalt in seine Diktatur zwingen wollte?“

Dabei hält sich der Gangster nicht an Clausewitz` Militärtheorien, sondern führt ihn in seiner dreckigsten Form, als Schlächterei gegen Zivilisten, Wohnhäuser, Kindergärten, Spitäler und kritische Infrastruktur. Wir sollten nicht ausblenden, was da passiert. Bombenkrater auf Kinderspielplätzen, Cruise Missiles auf Bäckereien, ein Genozid mit Ansage („Auslöschung“)und trotzdem keine Resignation bei den Ukrainern, im Gegenteil. Das ist beeindruckend. Würden wir unser Vorarlberg aufgeben, wenn uns ein Tyrann aus der Nachbarschaft mit Gewalt in seine Diktatur zwingen wollte? Ich denke nicht.


Würden wir verzichten auf unsere Rede, Presse und Demonstrationsfreiheit und lieber in Gulags leben? Nein, würden wir nicht. Wir würden kämpfen. Dem Aggressor und seinen Forderungen nachzugeben, um des Friedens willen, ist ein zynischer Pazifismus, weil er auf das Schicksal der Besiegten pfeift.
Frau Ammann ist nächtelang auf Infokanälen unterwegs und sie hat mich schon angesteckt. Ich hätte nie für möglich gehalten, daß sie sich je für Kriegsblogger, Geheimdienste oder Militäranalysten interessieren würde oder für Elon Musks Satellitenarmada, die jede Bewegung der kämpfenden Truppen erkennt.

Krieg verkürzen

Ich wollte ihr schon den Stecker ziehen aber das läßt sie nicht zu, sie sitzt oft stundenlang am Laptop, zappt durch die Kanäle, um sich ein Bild zu machen und aus dem Dschungel der Informationen zu destillieren, was Wahrheit und Schlussfolgerung sein muß. Fazit: Waffenlieferungen können auch Leben retten und den Krieg verkürzen, zumal die Moral der russischen Truppen am Boden ist.

Ein Zitat von US Außenminister Blinken ist schwer zu widerlegen: „Wenn Russland aufhört zu kämpfen, ist der Krieg zu Ende, wenn die Ukraine aufhört zu kämpfen, ist die Ukraine am Ende.“

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