Mordfall Janine G.: Anklage zieht sich

Vorarlberg / 03.11.2022 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im März wurde die Ermordete in diesem Graben in Lustenau gefunden. HARTINGER
Im März wurde die Ermordete in diesem Graben in Lustenau gefunden. HARTINGER

Tatverdächtiger sitzt in der Justizanstalt Feldkirch. Doch die Zeit der Untersuchungshaft ist befristet.

Feldkirch Am 5. März dieses Jahres wurde im Lustenauer Ried die Leiche der 30-jährigen Dornbirnerin Janine G. aufgefunden. Schon kurz danach war klar, dass die Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Nur eine Woche später befanden sich ein 19-jähriger Lustenauer und ein 25-jähriger unsteter Vorarlberger als dringend Tatverdächtige in Untersuchungshaft in Feldkirch.

Der jüngere der beiden wurde zwei Monate später aus der U-Haft entlassen, weil ihm keine unmittelbare Beteiligung an dem Gewaltverbrechen nachgewiesen werden konnte. Seither konzentrieren sich die Ermittlungen auf den 25-Jährigen.

Doch der machte von Beginn an von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch und schwieg. Monatelang. Das machte die Erhebungen der Kriminalisten in dem Fall nicht leichter. Und dass der U-Häftling Anfang August sein Schweigen zwar brach, dabei aber kein Geständnis ablieferte, schon gar nicht.

Zeitlicher Spielraum

Doch damit die Staatsanwaltschaft Anklage erheben kann, sind stichhaltige Beweise nötig. Was bisher vorliegt, scheint der Feldkircher Staatsanwaltschaft noch nicht zu genügen. Jedenfalls bestätigte deren Sprecher Heinz Rusch den VN, dass bisher noch keine Anklage gegen den Tatverdächtigen erhoben worden ist.

Doch wie lange hat die Anklagebehörde dafür überhaupt noch Zeit? Denn grundsätzlich gilt nach der Verhängung der U-Haft eine Frist von sechs Monaten bis zur Anklageerhebung. Gibt es nach einem halben Jahr keine Anklage, ist das Verfahren hinfällig und der Beschuldigte frei. Der Tatverdächtige im Mordfall Janine G. befindet sich jedoch bereits den neunten Monat im Gewahrsam der Justiz in Feldkirch.

Möglichkeit der Fristverlängerung

Hier klärt Strafrichter und Gerichtssprecher Martin Mitteregger auf: „Liegt der Verdacht eines Verbrechens vor, das wie in diesem Fall mit einer fünf Jahre übersteigenden Freiheitsstrafe bedroht ist, kann die Untersuchungshaft auf eine Dauer von zwei Jahren verlängert werden.“ Sollte es innerhalb dieser Frist immer noch nicht zu einer Anklage kommen, muss der U-Häftling laut Mitteregger „zwingend entlassen“ werden.

Wohl kaum der Fall

Doch das dürfte beim Tatverdächtigen im vorliegenden Gewaltverbrechen wohl kaum der Fall sein.

Drohe das Zeitkorsett dennoch zu eng zu werden, würde man wohl noch rechtzeitig „irgendeine Anklage erheben, deren Strafandrohung die Dauer der U-Haft verhältnismäßig rechtfertigen würde“, sagt Mitteregger und erinnert dabei an einen ähnlichen Fall, der am Landesgericht Feldkirch verhandelt wurde. Jener des brutalen Mordes in Frastanz im Jahr 2015 (siehe Factbox).

„Untersuchungshaft kann auf eine Dauer von zwei Jahren verlängert werden.“

Justizanstalt Feldkirch: Hier harrt der Tatverdächtige noch der Anklage. SYMBOL/PAULITSCH
Justizanstalt Feldkirch: Hier harrt der Tatverdächtige noch der Anklage.

SYMBOL/PAULITSCH

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