Windkraft geht auch ohne vkw

Vorarlberg / 03.11.2022 • 19:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wo in Vorarlberg künftig Windräder stehen könnten, soll die Windkraftpotenzialanalyse zeigen. VN/Stiplovsek
Wo in Vorarlberg künftig Windräder stehen könnten, soll die Windkraftpotenzialanalyse zeigen. VN/Stiplovsek

Potenzialanalyse wird in Kürze erwartet. Weitere Schritte sollen folgen.

Schwarzach, Bregenz Die Vorstände der illwerke vkw, Helmut Mennel und Christof Germann, haben der Windkraft erneut eine Absage erteilt (die VN berichteten in der Donnerstagsausgabe). „Wir begrüßen, dass es jetzt nochmals eine Analyse des Windkraftpotenzials gibt“, sagte Mennel im VN-Gespräch. Es fehle allerdings der Wind im Land. „Der Ausbau soll passieren, wenn jemand in Windkraft investiert, doch nach den vorliegenden Zahlen wird sie keinen entscheidenden Beitrag zur Energieautonomie leisten“, betonte Germann.

Noch mehr Standorte

Johann Punzenberger, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg (AEEV) sieht das anderes. Das einzige Hindernis seien derzeit die Rahmenbedingungen, sagt er. So gäbe es einige Standorte im Land, an denen Windkraftprojekte vorstellbar wären. Aufgrund der Strompreisentwicklung würden künftig auch Standorte interessant, die man früher aufgrund der Wirtschaftlichkeit ausgeschlossen hätte. Auch am Geld mangelt es laut Punzenberger nicht. „Für die Errichtung eines Windrades brauche ich die illwerke vkw nicht. Wenn sich ein Projekt betriebswirtschaftliche darstellen lässt, hat jeder Interesse daran, sich zu beteiligen. Die illwerke vkw haben vor 20 Jahren die Photovoltaikanlagen belächelt, jetzt haben sie selbst eine Firma, die Photovoltaikanlagen installiert“, merkt der AEEV-Chef an. Energie- und Umweltlandesrat Daniel Zadra (Grüne) ergänzt: „Ich bin nie davon ausgegangen, dass die illwerke vkw Projektbetreiber einer Windkraftanlage sind. Das war auch im Vorfeld schon immer klar. Ihre Aufgabe bei einem anfälligen Projekt wird sein, die Leitungskapazitäten zur Verfügung zu stellen.“ Wo in Vorarlberg ausreichend Wind für die Windkraft weht, wird demnächst schwarz auf weiß nachzulesen sein. Vor einigen Wochen hat das Land eine Überarbeitung der Windkraftpotenzialanalyse in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen. „Sobald ich sie habe, werden sie öffentlich präsentiert“, sagt Zadra. Im Anschluss daran könnten von der Raumplanung konkrete Standorte abgeleitet werden. Die AEEV wartet außerdem auf die Ausweisung von sogenannten Windeignungszonen. „Sie sind für uns grundsätzlich Voraussetzung dafür, dass weitere Schritte in der Projektentwicklung stattfinden können und Gemeinden Flächen definieren, umwidmen und darauf die entsprechenden Projekte beantragen können. Wenn diese Vorleistung der Landesregierung nicht passiert, wird auch kein Projektentwickler gefunden werden“, unterstreicht AEEV-Geschäftsführer Johann Punzenberger.

In zwei Jahren

Daniel Zadra ist nach wie vor davon überzeugt, dass sich in zwei Jahren das erste Windrad im Land drehen kann. Die Realisierung hänge allerdings von konkreten Plänen von Betreibern der Anlagen ab. „Sobald ein konkretes Projekt vorliegt, wird dieses rasch geprüft. Ein Blick über die Grenze zeigt, dass in Herbrugg von der Firma SFS ein Windrad schon sehr konkret geplant wird. Das wird die Debatte beschleunigen“, erläutert der Energielandesrat. Er hält fest: „Windenergie kann insbesondere in den Wintermonaten, wenn Wasserenergie und Photovoltaik wenig Strom liefern, einen wichtigen Beitrag leisten.“

Vervierfacht

AEEV-Geschäftsführer Punzenberger verweist zudem auf die Entwicklungen am Markt. Dadurch, dass der Strompreis aller Voraussicht nach auf dem hohen Niveau bleibe, sei auch die Kalkulationsgrundlage für die Windkraftnutzung eine komplett andere. „Vereinfacht gesprochen: Wenn der Wind jetzt nur mehr halb so viel bläst und nur noch die Hälfe an Kilowattstunden Strom produziert, ist jetzt die wirtschaftliche Grundlage an gewissen Standorten trotzdem gegeben, weil sich der Strompreis vervierfacht hat.“ VN-ger

„Für die Errichtung eines Windrades brauche ich die illwerke vkw nicht.“

„Windenergie kann insbesondere in den Wintermonaten einen wichtigen Beitrag leisten.“

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