Warum dieser große Wahl-Egger eine Gedenktafel bekam

Vorarlberg / 04.11.2022 • 17:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warum dieser große Wahl-Egger eine Gedenktafel bekam
Enkel Johann Bertolini enthüllte die Gedenktafel.

Giovanni Ferdinando alias Johann Bertolini hat nicht nur in Egg Spuren hinterlassen.

Egg Den letzten Wochenmarkt der Saison 2022 hat die Gemeinde Egg als Rahmen für die Enthüllung einer Gedenktafel genutzt, die an einen großen Wahl-Egger erinnert: Giovanni Ferdinando Bertolini, 1859 in Romallo geboren, kam im Zuge der großen Trentiner Auswanderungswelle über die Schweiz nach Vorarlberg, wo er 1888 Anna Maria Nenning heiratete, seinen Namen auf Johann änderte und bis zu seinem Tod 1931 in Egg wohnte.

Mario Hammerer würdigte beim Festakt in seinen Ausführungen die Leistungen von Johann Bertolini.
Mario Hammerer würdigte beim Festakt in seinen Ausführungen die Leistungen von Johann Bertolini.

Naheliegend, dass Bertolini in Egg und Umgebung bleibende Zeugen seiner Baumeisterkunst hinterließ, wie Mario Hammerer bei der Feier auflistete. Seine Handschrift hat er beispielsweise beim Egger Schulhaus, bei der Brauerei Egg oder beim Löwensaal, aber auch beim ehemaligen Sparkassengebäude (Tupperhaus, wo die Tafel enthüllt wurde), bei der Bruggmühle sowie beim Bad Hopfreben, dem Bezauer Kapuzinerkloster oder dem Gasthaus Taube in Alberschwende hinterlassen.

Enkel Hans Bertolini mit Gattin Anna (hinten) und der Familie – Geschwister Alois, Helga und Josefa, Kinder Isidor, Erika und Franz (v. l.) bei der Enthüllung der Gedenktafel.
Enkel Hans Bertolini mit Gattin Anna (hinten) und der Familie – Geschwister Alois, Helga und Josefa, Kinder Isidor, Erika und Franz (v. l.) bei der Enthüllung der Gedenktafel.

Planerisch verantwortlich war er auch für mehrere Abschnitte der Wälderbahntrasse. Leider fielen im Laufe der Zeit einige der von Bertolini errichteten Bauten der Spitzhacke zum Opfer. Nicht so der historisch interessante Bahnhof Lingenau/Hittisau, den Chris Alge rettete und zum High-5-Camp umfunktionierte. Ehrensache, dass der Outdoor-Spezialist zur Feier nach Egg gekommen ist. Großes hat Bertolini beim Bau des Arlberg-Bahntunnels geleistet, wo er als Partieführer tätig war. Sein Beitrag zum Bau der Flexenstraße von Stuben nach Warth wurde erst vor wenigen Wochen anlässlich der Feierlichkeiten 125 Jahre Flexenstraße gewürdigt.

Bereits 2009, so Mario Hammerer, hat seine Wahlheimat Egg den verdienstvollen Bürger mit der Ausstellung „Stein auf Stein“ gewürdigt und die Geschichte eines Arbeitszuwanderers, der es vom wandernden Bauarbeiter zum vielbeschäftigten Bauunternehmer gebracht hat, gewürdigt.

Teil der Migrationsgeschichte

Diese Ausstellung war auch Anlass, die Vorarlberger Migrationsgeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu beleuchten. Im letzten Drittel dieses Jahrhunderts und bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 hat mehr als eine Viertelmillion Trentiner ihre Heimat verlassen. Tausende haben in Vorarlberg Arbeit und viele dann auch eine neue Heimat gefunden. Sie waren beispielsweise, so wie Johann Bertolini, beim Bau des Arlbergtunnels samt Bahnstrecke oder beim Fußacher Rheindurchstich beschäftigt, andere wiederum in der Textilindustri, z. B. bei Schindler in Kennelbach. Familiennamen wie Spagolla, Pecoraro, Juriatti, Bonetti, Franzoi, Caldonazzi, Degasperi, Armellini, Concin, Debortoli, Girardelli, Nicolussi, Pedrazza oder Tomaselli usw. zeugen noch heute von den damaligen Zuwanderern.

Große Not im Trentino

Im Trentino, vor allem in den Seitentälern, herrschte damals große Not und Arbeitslosigkeit, die zu einer starken Auswanderungsbewegung führte. Arbeitsplätze beim Bau der Arlbergbahn, beim Rheindurchstich, dem Bau der Wälderbahnstrecke und in der Textilindustrie veranlassten die Trentiner Auswanderer, in Vorarlberg, vorzugsweise in Bludenz sowie in den Gemeinden Bürs, Hard, Kennelbach oder Feldkirch, eine neue Heimat zu suchen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lag in diesen Kommunen der Anteil von Trentinern an der Bevölkerung bei rund 20 Prozent. Die Familie Bertolini ist ein Beweis dafür, wie die damaligen Zuwanderer aus dem Trentino zum Wohlstand und zur positiven Entwicklung des Landes beigetragen haben.
Dass Giovanni Bertolini im Bregenzerwald landete, lag wohl auch an Aufträgen, die er nach Fertigstellung des Arlbergtunnels in der Talschaft ausführte. So errichtete er als Akkordant etwa die Bogenbrücke zwischen Schwarzenberg und Andelsbuch. Im Bregenzerwald fand er auch sein privates Glück und gründete seine Familie.
Die Gedenktafel wurde von Hans Bertolini, dem ältesten Enkel des Gewürdigten, enthüllt. Zuvor erzählte der einzige Enkel, der seinen Großvater noch kennenlernen durfte, aus seinen Kindheitserinnerungen. Mit Enkel Hans sind auch dessen Gattin Anna, die Geschwister Alois, Helga und Josefa, seine Kinder Isidor, Franz und Erika sowie die Nichten und Neffen Luise, Iris, Thomas, Traudl, Hans, Heinz und Karin zum Festakt gekommen. STP

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