Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Starke Partner

Vorarlberg / 04.11.2022 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Metaller lassen hoffen: In den kommenden Jahren könnte es gewaltige Herausforderungen zu bewältigen geben. Entscheidend wird dabei sein, dass relevante Akteure mit Augenmaß und Weitblick agieren; dass sie sich bemühen, bei unterschiedlichen Interessen einen Ausgleich zu finden.

Die Sozialpartner der Metalltechnischen Industrie haben sich in der Nacht auf Freitag auf den Kollektivvertrag 2023 geeinigt. Ein Durchbruch bei ihnen hat traditionell Signalwirkung auch für andere Lohnrunden. In ihrem Fall ist er zumindest für Außenstehende überraschend gekommen. Warnstreiks waren bereits vorbereitet, die Differenzen schienen unüberwindbar groß zu sein: Gewerkschafter hatten gefordert, die Löhne um 10,6 Prozent zu erhöhen, Arbeitgeber zunächst jedoch nur 4,1 Prozent sowie eine Erfolgsbeteiligung geboten. Herausgekommen ist ein Plus, das durchschnittlich gut siebeneinhalb Prozent beträgt und rückwirkend mit 1. November gilt.

Allein schon, dass es zu einer Einigung gekommen ist, ist eine gute Nachricht. Im Sinne des sozialen Friedens hätten sich beide Seiten bewegt, so Arbeitgebervertreter Christian Knill. Einfach war das nicht. Die Ausgangslage war schwierig: Bisher herrschte Hochkonjunktur. Das sprach für kräftige Lohnerhöhungen, die auch die schmerzliche Teuerung entschärfen. Die Aussichten sind jedoch düster. Im dritten Quartal ist die Wirtschaft bereits stagniert. Deutschland, ein wichtiger Partner, erwartet für 2023 eine Rezession. Für Großbritannien befürchtet die „Bank of England“ gar die längste seit dem Beginn belastbarer Aufzeichnungen vor rund 100 Jahren. So etwas müssen auch Optimisten auf dem Radar haben. Bei Lohnverhandlungen bedeutet dies, die Möglichkeit zu berücksichtigen, dass mehr und mehr Unternehmen – nach saftigen Überschüssen – zu wenig Geld verdienen werden, um alle bestehenden Mitarbeiter bezahlen zu können.

Bei den Metallern haben sich die Sozialpartner auf eine Lösung verständigt, es also geschafft, Gegensätzliches gemeinsam abzuwägen. Das ist insofern wichtig, als es auf diese Fähigkeit noch viel stärker ankommen könnte in absehbarer Zeit: Wenn es wirklich kracht, ist sie nötig, damit sich unter anderem wenigstens soziale Konflikte in Grenzen halten.

Dieser Lohnabschluss ist zudem vorbildlich für die Politik: Harte, inhaltliche Auseinandersetzungen sind erforderlich. Letztlich braucht es aber einen Kompromiss. Außerdem: Politik dürfte in den nächsten Jahren gefordert sein, zunächst weiter zunehmend Nöte zu lindern und dann zu einer Budgetsanierung zu schreiten, wie es sie noch nie gegeben hat. Das wird die größere Aufgabe, bei der es darum gehen wird, alle in zumutbarer Art und Weise zur Kasse zu bitten – und nicht nur darauf zu achten, Angehörige der eigenen Gesinnungsgemeinschaft zu schonen, anderen also umso mehr zuzumuten.

„Bei den Metallern haben die Sozialpartner eine Fähigkeit demonstriert, auf die es in absehbarer Zeit noch viel stärker ankommen dürfte.“

Johannes Huber

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Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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