VN-Stammtisch in Höchst: Schlagabtausch um Bürgermeisteramt

Vorarlberg / 04.11.2022 • 22:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gut besuchter Pfarrsaal: Mehr als 200 Besucherinnen und Besucher waren dabei. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Gut besuchter Pfarrsaal: Mehr als 200 Besucherinnen und Besucher waren dabei. VN/Paulitsch

Beim VN-Stammtisch in Höchst ging es in der Debatte der Bürgermeisterkandidaten teilweise heiß her.

Von Magdalena Raos und Sarah Hartmann

höchst Mit mehr als 200 Besucherinnen und Besuchern war der Pfarrsaal in Höchst voll besetzt. Sie alle bewegte beim VN-Stammtisch am Freitagabend die Frage: Wer wird Bürgermeisterin oder Bürgermeister der Rheindeltagemeinde? Am 13. November findet die Direktwahl statt. Für das Amt bewerben sich Heidi Schuster-Burda (ÖVP), die es nach dem Rücktritt des langjährigen Bürgermeisters Herbert Sparr (ÖVP) zunächst interimsmäßig übernommen hat, Stefan Übelhör (Höchste Zeit, Grüne), Robert Blum (FPÖ) und Jan Fausek (Neos). Bei der Debatte, die von VN-Redakteur Klaus Hämmerle moderiert wurde, ging es teilweise hitzig zu. Immer wieder ärgerten sich die Gegenkandidaten von Schuster-Burda über die Kommunikation der ÖVP, die in der Gemeindevertretung die absolute Mehrheit hat.

Streit um Kindercampus

Strittiges Thema gleich eingangs war die Kinderbetreuung in der Gemeinde. Dabei geht es um Vorgänge rund um den Kindercampus im Zentrum. Das Thema gestaltet sich als komplex, wie Neos-Kandidat Jan Fausek betonte. Der Vorwurf gegen die zuständige Vizebürgermeisterin Schuster-Burda: Sie habe ein Chaos verursacht und intransparent gehandelt. Sie beteuerte bei der Debatte, nach bestem Wissen und Gewissen vorgegangen zu sein, räumte aber ein: „Es liegt an der Kommunikation. Es kann besser werden.“ Im Zuge des Prozesses, der nun gestartet worden sei, könne das nicht mehr passieren.

Doch ihre Mitbewerber wollten das so nicht stehen lassen. Übelhör hielt fest, dass er diese Aussagen vorher noch nicht gehört habe. Und das, obwohl das Thema in den letzten Jahren intensiv behandelt worden sei. Blum von der FPÖ kritisierte: „Jeder darf Fehler machen. Die Frage ist, wie man damit umgeht.“ Alles sei darangesetzt worden, die auf Hochglanz polierte Fassade nach außen zu schützen. Fausek sah das Thema „beispielhaft für andere Felder: Es wurde unglaublich schlecht kommuniziert“.

Am Podium ging es weiter kontrovers zu, etwa was die Zentrumsgestaltung oder auch den Verkehr angeht. Eine wirkliche Ablehnung des geltenden Tempos 30 im Ort gab es indes nur von der FPÖ. „Wir haben Straßen, bei denen ist es Schikane, wenn man einen 30er davorsetzt.“ Mehrmals wurde am Podium die Seestraße genannt. Die Begrenzung solle nur an neuralgischen Punkten, dafür aber mit Kontrollen, gelten, fordert Blum. Schuster-Burda entgegnete: „Wir werden uns alle daran gewöhnen. Der Zeitverlust ist minimal.“ Es gelte, Radwege weiter auszubauen und verstärkt auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu setzen. Das sieht naturgemäß auch der Kandidat von Höchste Zeit und Grünen, Übelhör, so. Was Tempo 30 angeht, unterstrich er: „Es macht keinen Sinn, wenn man jede Straße separat hernimmt.“ Auch für Fausek überwiegen die Vorteile, auch wenn „Geschwindigkeitslimits polarisieren“.

In der abschließenden Runde bekundete die ÖVP-Politikerin grundsätzlich: “Ich finde nicht, dass wir unsere absolute Mehrheit ausgespielt haben. Es gab viele einstimmige Beschlüsse.” Die anderen Diskutanten sahen das freilich anders. So meinte Übelhör: “Mir kommt vor, die Bevölkerung würde sich auch wünschen, dass diese Mehrheit gebrochen wird. Im Miteinander würde sich vieles ändern.” Blum hatte zuvor bereits seinen Wunsch ausgedrückt, dass Bürgermeister oder Vize einer anderen Fraktion angehören sollten. Was die Kommunikation angeht, meinte er: “Dann würde sich das Ganze schon etwas aufbrechen.”

“Meine Stimme bekommt Stefan Übelhör. Ich wünsche mir eine Veränderung in Höchst. Seit Jahrzehnten ist die ÖVP die regierende Partei, das ist ein sehr verkrustetes System. Ich möchte gerne, dass das aufgebrochen wird und neue Ideen platz finden.”

 Christiane Grabher (71)
Umfrage VN-Stammtisch, Bürgermeisterkandidaten
Umfrage VN-Stammtisch, Bürgermeisterkandidaten

“Ich persönlich bin für Robert Blum. Er ist ein frecher Kerl und ich kenne ihn auch gut. Er ist Unternehmer und Landwirt, zudem macht er viel für die Natur und ist schon seit Längerem als Gemeinderat tätig. Für mich ist er auch ein guter Freund.”

Herbert Feistenauer (76)

“Meiner Meinung nach ist Robert Blum der beste Bürgermeisterkandidat. Er ist jung und dynamisch. Außerdem hat auch sein Vater in der Gemeindevertretung mitgewirkt. Beide haben das Herz am richtigen Fleck. Robert tritt in die Fußstapfen seines Vaters.”

Sabine Nagel (68)

“Für mich ist Stefan Übelhör der beste Kandidat. Ich halte ihn für sehr geeignet. Meine größte politische Schnittstelle ist mit der Höchsten Zeit. Ich bin ein Gegner von absoluten Mehrheiten. Man wählt hier zwar keine Parteien, aber schlussendlich dann schon.”

Michael Jagg (54)

“Ich bin für Heidi Schuster-Burda, sie hat für Höchst schon sehr viel bewegt. Auch im Bildungsbereich, was man ihr aktuell aber vorwirft. Ich denke, mit ihrer langjährigen Erfahrung ist sie sicher die Richtige für das Amt als Bürgermeisterin von Höchst.”

Silvia Saurer-Haufic (47)

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