Nur Junge zieht’s in den Süden

Vorarlberg / 07.11.2022 • 21:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Viele Störche fühlen sich bei uns schon längst auch im Winter wohl und bleiben hier. VN/STIPLOVSEK
Viele Störche fühlen sich bei uns schon längst auch im Winter wohl und bleiben hier. VN/STIPLOVSEK

An die 100 Störche überwintern mit großer Wahrscheinlichkeit in Vorarlberg.

Schwarzach Störche im Winter in unseren Breiten? Noch vor Jahren wäre ein solches Phänomen kaum denkbar gewesen. Doch die Zeiten haben sich verändert. Der Herbst und auch der Winter sind für viele der edlen Tiere kein Grund mehr, in den Süden zu ziehen. Walter Niederer, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta und Mitinitiator des Storchenprojekts in Vorarlberg, bestätigt: „Ja, es sind derzeit viele Störche nicht in den Süden geflogen. Es könnten sich bis zu 100 Stück im Rheintal aufhalten.“

Es sind großteils nur noch die Jungvögel, die das für Störche typische Zugverhalten an den Tag legen und sich schon vor Wochen nach Sizilien, Spanien oder Marokko begeben haben.

Jungvögel mit Sendern

„Wir haben viele von diesen besendert und wissen genau, wo sie sich aufhalten“, berichtet Niederer. Die Jungvögel können in ihrem Mobilitätsverhalten durchaus flexibel sein. Es gibt welche, die fliegen in den Süden, kehren bald darauf wieder zurück, um dann erneut die Reise in die wärmeren Gefilde anzutreten. „Wenn’s bei uns plötzlich 15 Grad minus hätte, würden auch viele der jetzt anwesenden Störche spontan in den Süden fliegen“, weiß der Experte.

Grundsätzlich entwickeln sich die Störche im Rheintal prächtig. „Es werden immer mehr“, sagt Niederer. Circa 80 Brutpaare registrierten die Vogelkundler heuer im Alpenrheintal, bis zu 300 Vögel gleichzeitig hielten sich zeitweilig bei uns auf. Niederer spricht von einer Fluktuation und meint damit auch Vogelzüge von Süddeutschland nach Vorarlberg. „Es ist einiges in Bewegung, und die Zahl der bei uns anwesenden Störche kann sich durch Zugbewegungen schnell verändern.“

Jene Störche, die überwintern, sind ältere Tiere. „Wenn sie zu brüten beginnen, werden viele sesshaft“, erzählt Niederer. Warum es sich für die Störche bei uns auch im Winter zumeist gut überleben lässt, ist offensichtlich. „Es ist wärmer geworden, und sie finden gut Nahrung.“ Das habe auch mit der veränderten Form der Landwirtschaft zu tun. „Es wird mehr gemäht. Da finden die Störche leichter Kleintiere. Sie haben auch keine Angst vor Menschen. Das sieht man im Sommer, wenn sie hinter Mähtraktoren herlaufen, um dahinter Fressbares zu finden. Der Abfallverwerter Loacker ist ein zusätzlicher Nahrungsspender.

So richtig ungemütlich kann es für die Störche bei länger geschlossener Schneedecke werden. Aber wann gibt es die schon noch bei uns? VN-HK

„Die Störche entwickeln sich prächtig. Wir konnten heuer bereits 80 Brutpaare registrieren.“

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