Freispruch für einstigen Therapeuten

Vorarlberg / 08.11.2022 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Olivia Lerch beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Eckert
Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Olivia Lerch beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Eckert

Ehemaliger Angestellter des IfS beging laut Gericht weder Veruntreuung noch Betrug.

feldkirch Einst arbeitete der am Landesgericht Feldkirch Angeklagte knapp vier Jahrzehnte für das IfS, dann wurde er entlassen.

Der Grund: Ungereimtheiten bei der Abrechnung. Dass tatsächlich nicht alles korrekt abgerechnet wurde, scheint heute klar. „Mein Mandant war ein guter, stets engagierter Therapeut, der sich für seine Klienten einsetzte. Büroarbeit und Buchhaltung war allerdings nicht seine Welt“, bringt es Verteidigerin Olivia Lerch auf den Punkt. Auch der Angeklagte selbst räumt ein, dass er immer alles aufgehoben und notiert, abgelegt und eingeordnet habe, aber ziemlich systemlos und alles andere als akribisch.

Selbstständig gemacht

Der Mann kümmerte sich um diverse Probleme von Menschen. Manchmal habe die Zeit gedrängt, eine Betreuung über das IfS hätte Wartezeiten bedeutet, die Probleme aber oft unter den Nägeln gebrannt, eine Eskalation sei förmlich in Reichweite gestanden. Da habe er angeboten, sich als Selbstständiger um die Betreuung zu kümmern.

Da die Beratung in den Räumlichkeiten des IfS stattfand, glaubten sich die Klienten auch im Rahmen des Institutes betreut. Sie erhielten für ihr Geld an den nunmehr selbstständigen Therapeuten eine Leistung. Doch wer im IfS was wie intern abrechnete, interessierte eigentlich keinen der Betroffenen. Schließlich lagen schwerer Betrug und Veruntreuung im Raum. Das IfS hat rund 25.000 Euro des einstigen Angestellten einbehalten und fordert von ihm weitere 33.000 Euro. Die Summe der dem IfS entgangenen Gelder sei enorm hoch, so die Vertreterin der Institution. Verteidigerin Olivia Lerch betont, dass auch das mangelnde Kontrollsystem der Einrichtung mit schuld sei, dass es zu „unscharfen Abrechnungen“ gekommen sei. Ihr Mandant sei zwar nachlässig, aber kein Betrüger und auch kein gelernter Buchhalter.

„Wenn er etwas hätte abzweigen wollen, würde er doch gar keinen Beleg abgelegt haben und hätte nicht alles durcheinander irgendwo eingeordnet“, so die Verteidigerin. Richterin Magdalena Rafolt sieht den Fall zum einen auch so, dass die Beweise für böse Absicht fehlen.

Einiges verjährt

Zum anderen sind einige Dinge, von denen die Richterin zwar überzeugt ist, dass etwas nicht korrekt lief, verjährt.

Somit erging schlussendlich der Freispruch bezüglich sämtlicher Anklagepunkte. Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. EC

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