Unwetterwarnung auf neue Beine gestellt

Vorarlberg / 08.11.2022 • 17:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wetterextreme nehmen zu. Die Bilder der August-Unwetter sind vielen noch in Erinnerung.
Wetterextreme nehmen zu. Die Bilder der August-Unwetter sind vielen noch in Erinnerung.

Wenn das Wetter verrücktspielt: Meteorologen setzen verstärkt auf die Hilfe der Bevölkerung.

Bregenz Die Bilder sind vielen noch in Erinnerung. Rekordniederschläge hatten in mehreren Rheintalgemeinden für eine Spur der Verwüstung gesorgt. Straßen standen unter Wasser, Unterführungen waren vollgelaufen, Bäche über die Ufer getreten und Keller wurden geflutet. Die Unwetter im August haben zu enormen Schäden geführt, verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Die Bilder dürften sich wiederholen. Das Wetter spielt immer öfter verrückt.

Klimakrise deutlich spürbar

Die häufigen Extremtemperaturen auch in Vorarlberg sind ein untrügliches Zeichen der Klimakrise. „Wir haben sie heuer bereits überall im Alltag stark spüren können“, sagt Thomas Krennert (50) von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. Das betreffe viele Bereiche, 2022 stark die Landwirtschaft, den Energie- und auch den Verkehrssektor.

Trockene Böden nehmen das Wasser schwer auf, wärmere Luft den Wasserdampf dafür stark. „Wenn es regnet, dann regnet es zu viel“, so der Meteorologe. Die Klimaentwicklung wird zunehmend zur Bedrohung. Es geht in vielen Bereichen schneller als befürchtet. Kipppunkte seien erreicht.

Mit der Zunahme an Extremwetterereignissen gewinnt die Wetterwarnung an Bedeutung. Die ZAMG hat seit dem Vorjahr eine neue Vorgangsweise. So spielen neben Wetter- und Prognosedaten die erwarteten Auswirkungen verbunden mit Verhaltensempfehlungen bei der Warnung eine etscheidende Rolle. In Summe gebe es mittlerweile ganz neue Möglichkeiten, so Thomas Krennert. Die Datenflut nimmt zu, Wettermodelle haben sich verbessert.

Bevölkerung gefragt

Eine zusehends wichtige Rolle spielt bei der Wetterwarnung die Bevölkerung. „Die Gesellschaft hilft sich selbst“, beschreibt Krennert die Bürgerbeteiligungsinitiativen. Der ZAMG-Meteorologe ist Gründer des „Trusted Spotter Network Austria“ und Projektleiter von „wettermelden.at“. „Wir sehen mit unseren Wetterradargeräten zwar, was in der Luft ist, aber nicht, was am Boden ankommt und welche Folgen das hat“, so der Experte. Hier seien die Echtzeitmeldungen der ausgebildeten „verlässlichen Beoachter“ (Trusted Spotter) bzw. auch der anderen freiwilligen Wettermelder entscheidend. „Das kann in Extremsituationen auch Leben retten“, so Krennert.

Die Meldungen fließen demnach in Echtzeit in die Gefahrenbeurteilung ein, Zivilschutzbehörden und Landeswarnzentralen können umgehend informiert und Rettungsmaßnahmen besser organisiert werden, beschreibt der Experte die Bedeutung der freiwilligen Wetterbeobachter. In Vorarlberg befindet sich das Netzwerk erst im Aufbau. Doch die Zeit drängt. Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser. Die Erinnerungen an den August sind allgegenwärtig. VN-MIG

„Mit den Beobachtungen in Echtzeit können Rettungseinsätze besser organisiert werden.“

Extremwetter am Boden können von automatischen Wetterstationen nicht erfasst werden. Dazu braucht es freiwillige Beobachter.
Extremwetter am Boden können von automatischen Wetterstationen nicht erfasst werden. Dazu braucht es freiwillige Beobachter.
Unwetterwarnung auf neue Beine gestellt

Von der Dürre zur Sintflut? Wetter und Klima zum Mitmachen! Thomas Krennert, Vorarlberger Landesbibliothek, Kuppelsaal. Termin: 10. November um 19.30 Uhr, Eintritt frei

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