Jetzt kann Rhesi endlich auf Bräutigamschau gehen

Vorarlberg / 09.11.2022 • 17:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So soll der Rhein einmal bei Koblach aussehen. Doch bis dahin wird noch viel Wasser eben diesen hinunterfließen. IRR
So soll der Rhein einmal bei Koblach aussehen. Doch bis dahin wird noch viel Wasser eben diesen hinunterfließen. IRR

Genehmigungsprojekt steht. Doch bis Bagger auffahren, dauert’s noch lange.

WIDNAU Irgendwann nannte Projektleiter Markus Mähr bei der Vorstellung des Genehmigungsentwurfs des Hochwasserschutzprojekts Rhein-Erholung-Sicherheit (Rhesi) im Widnauer Hotel Metropol das Datum für die geplante Fertigstellung. „Es wird Mitte dieses Jahrhunderts sein.“ Lacher im Saal und ein Nachsatz von Mähr: „Ja, ich weiß, dass sich jetzt alle denken, wie alt sie dann sind. Das tu’ ich ja auch.“

Schutz für 300.000 Menschen

Die Präsentation des Genehmigungsprojekts brachte im Gegensatz zu jener des Generellen Projekts einige Neuerungen. Sinn und Zweck des Vorhabens bleibt jedoch unverändert. Rhesi soll die Hochwassersicherheit des Alpenrheins auf 26 Kilometer vom Illspitz bei Feldkirch bis zur Mündung in den Bodensee deutlich erhöhen, die Durchflusskapazität an der engsten Stelle von derzeit 3.100 m3/sec. auf 4.300 m3/sec. anheben. Es geht um den Schutz des Lebensraums von 300.000 Menschen im Rheintal, aber auch um den Schutz von Infrastruktur in Höhe von rund zehn Milliarden Euro.

Gleichzeitig dazu sind eine deutliche ökologische Aufwertung des Flusses vorgesehen sowie die Schaffung von Naherholungsgebieten durch die Veränderung der Fluss- und Uferlandschaft. Erreicht werden soll all das vor allem durch insgesamt vier Aufweitungen des Flusses, genannt Kernlebensräume.

Neue Erkenntnisse

Bei der Präsentation des Genehmigungsprojekts in Widnau konzentrierten sich die Projektleiter Markus Mähr und Markus Schatzmann sowie Bernhard Valenti, Leiter des aufwändigen Modellversuchs in Dornbirn, auf die neuen Erkenntnisse, die sich seit der Präsentation des Generellen Projekts 2018 nicht zuletzt durch die zahlreichen Versuche am Modell ergeben haben.

Erdbebensicherheit: Ein Aspekt, der zuvor kaum Beachtung fand, auf dessen Bedeutung Experten im Zuge der Untersuchungen aufmerksam machten. Die Erdbebensicherheit wird durch Festigungsmaßnahmen an den Dämmen erreicht.

Entwicklung Flusslandschaft: Diese soll sich nun doch nicht ohne menschliche Begleitmaßnahmen formen, weil das sehr lange dauert. Durch gezielte Maßnahmen (Querdämme zur Strömungslenkung) soll die Umgestaltung beschleunigt und Fluss sowie Ufer schneller in das gewünschte Profil kommen.

Erweiterung der Sicherheitsmaßnahmen: Rhesi ist ausgerichtet auf ein 300-jährliches Hochwasser. Doch im Falle eines noch extremeren Ereignisses sind im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen Entlastungsstellen vorgesehen. Dort kann Wasser abfließen und dadurch Schäden eindämmen.

An den Brücken sind statt Bohrpfeiler sogenannte Blockteppiche, bestehend aus Steinen, die effizientere Methode zum Schutz der Brückenpfeiler. Ein weiterer Vorteil der Blockteppiche: Sie sind billiger.

Lösung bei Trinkwasserversorgung: Eine Lösung konnte den anwesenden Vertretern von Gemeinden auf beiden Seiten des Rheins, des Kantons St. Gallen und des Landes Vorarlberg, auch in Sachen Trinkwasserversorgung auf Schweizer Boden präsentiert werden. Christa Köppel, Widnauer Gemeindepräsidentin sowie Koordinatorin der vier regionalen Wasserversorger im St. Galler Rheintal, präsentierte ein Rhesi-kompatibles Modell, das „uns jedoch vor Herkulesaufgaben stellt”. Im Mittelpunkt stehen dabei eine neue Anordnung der Grundwasserfassungen, zusätzliche Verbindungsleitungen zwischen den Versorgungsgebieten und technologische Neuerungen bei der Wassergewinnung.

Höhere Kosten

Gestiegen sind durch die zusätzlich notwendigen Maßnahmen die veranschlagten Gesamtkosten des Rhesi-Projekts. Aus den noch 2017 berechneten 1,041 Milliarden Franken sind jetzt zwischen 1,3 und 1,4 Milliarden Franken (entspricht in etwa der Summe in Euro) geworden.

Die Finanzierung von Rhesi ist ein wesentlicher Bestandteil der laufenden Staatsvertragsverhandlungen. Es wird das vierte Vertragswerk zwischen Österreich und der Schweiz im Zusammenhang mit Baumaßnahmen am Grenzfluss sein. VN-HK

„Ich weiß schon, dass jeder jetzt denkt, was mit ihm Mitte dieses Jahrhunderts sein wird.“

Jetzt kann Rhesi endlich auf Bräutigamschau gehen

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