Mildes Gerichtsurteil nach fünf Raubüberfällen

Vorarlberg / 09.11.2022 • 22:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Räuber war stets maskiert und mit einer Airsoftpistole bewaffnet.
Der Räuber war stets maskiert und mit einer Airsoftpistole bewaffnet.

Tankstellenräuber in erster Instanz zu 24 Monaten
Haftstrafe verurteilt. Davon 16 Monate auf Bewährung.

Feldkirch Er schlug in den frühen Morgenstunden zu. Insgesamt fünf Mal. Maskiert und mit einer Airsoftpistole drang der Täter heuer zwischen März und Juni in insgesamt fünf Tankstellenshops in Hard (dort gleich zwei Mal), Bregenz, Hörbranz und Bürs ein und erzwang von den Angestellten Bargeld. Doch nach seinem letzten Coup in einer Jet-Tankstelle in Bürs schnappte die Falle zu.

Spiel- und Drogensucht

Über das Kennzeichen seines Pkw konnte ein 24-jähriger Mann aus Hard als Tatverdächtiger ausgeforscht werden.

Bei der Verhandlung vor Gericht ist der Angeklagte, der zuletzt als Bäcker beschäftigt war, umfangreich geständig. Unumwunden gibt er die Triebfeder für seine Taten zu: „Es war Spiel- und Drogensucht.“

Das dafür benötigte Geld (er hatte an die 30.000 Euro Schulden) wollte er sich über Raubtouren quer durch Vorarlberg beschaffen. Stets hatte er Tankstellen im Visier. Dass er in den meisten Fällen nicht erwischt wurde, grenzt an Zufall.

„Probekauf“

Dennoch führt der Angeklagte an, in einer der Tankstellen zunächst mal einen „Probekauf“ absolviert zu haben, um die Verhältnisse auszukundschaften.

Bei seinen fünf Raubüberfällen erbeutete er insgesamt rund 7500 Euro. Überraschenderweise gelang es ihm während der Haft, das Geld an die Geschädigten rückzuerstatten. Diese Wiedergutmachung war ein wesentlicher Milderungsgrund für den Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Theo Rümmele. Hinzu kam die vorherige Unbescholtenheit des 24-Jährigen und sein umfangreiches Geständnis. Auch dass er bei den Raubüberfällen „nur“ eine harmlose Airsoftpistole verwendet hatte, kam ihm zugute.

Kein schwerer Raub

Durch diesen Umstand wurden die Taten nicht als schwerer, sondern „normaler“ Raub gewertet. Das Urteil fällt überraschend milde aus: 24 Monate Haftstrafe, 16 davon bedingt. Angesichts der bereits abgesessenen Untersuchungshaft hätte der Verurteilte noch heute das Gefängnis verlassen können. Er wurde jedoch wieder in die Justizanstalt abgeführt. Ausschlaggebend dafür war die Reaktion der Staatsanwaltschaft, die sofort nach der Urteilsverkündung Berufung gegen die ihrer Meinung nach zu milde Strafe einlegte. Der Fall wird nun in zweiter Instanz am Oberlandesgericht Innsbruck verhandelt werden.

Geständig und einsichtig: Der Angeklagte am Mittwoch beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. VN/GS
Geständig und einsichtig: Der Angeklagte am Mittwoch beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. VN/GS

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