„Gesetzte Ziele müssen auch umgesetzt werden“

Vorarlberg / 10.11.2022 • 18:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Fridays-for-Future-Organisator Johannes Hartmann zum Klimagipfel.

bregenz Der Schoppernauer Johannes Hartmann organisiert schon seit fast drei Jahren in Vorarlberg die Demonstrationen für Fridays for Future (FFF). Angesichts des Klimagipfels haben die VN dem 26-Jährigen diesbezüglich ein paar Fragen gestellt.

 

Was erwarten Sie sich vom Klimagipfel?

Hartmann Das ist eine schwierige Frage, denn Erwarten und Erhoffen sind zwei verschiedene Dinge. Ich erwarte, dass die Zielsetzungen erneuert werden und verpflichtende Abkommen zustande kommen. Ich erhoffe mir jedoch, dass es nicht nur bei den Worten bleibt, sondern es auch umgesetzt wird, und zwar so, dass es funktioniert.

 

Ist der Klimagipfel das richtige Format, um erhebliche Klimapolitik zu machen?

Hartmann Ein internationales Treffen ist auf jeden Fall notwendig. Es hat sich 2015 gezeigt, dass der Klimagipfel das Potenzial hat, weitreichend wichtige Dinge zu sehen und festzuhalten. Er ist aber – wie es sich gezeigt hat – nicht geeignet, dass die Umsetzung zustande kommt. Das müssen die Länder selbst machen. Es ist kein Druckmittel da. Diese Zielsetzung allein hat nicht die Wirkung. Es braucht zusätzliche Entscheidungen auf internationaler Ebene.

Denken Sie, dass der Ernst der Lage von den Menschen erkannt wird?

Hartmann Ich glaube, einem Großteil der Menschen, zumindest bei uns hier, ist es bewusst. Die wenigsten wissen aber, wie schlimm es wirklich ist. Sie wissen, dass es ein Problem ist, aber sie haben sich nicht die Berichte durchgelesen, was auf uns zukommt, wenn wir so weitermachen.

 

Welche Ergebnisse wären denn wünschenswert?

Hartmann Eins, das ich mir wünsche – oder wir von FFF – ist, dass Länder des globalen Nordens, da gehört auch Österreich dazu, den Ländern helfen, die die Krise mehr betrifft. Denn die meisten Emissionen finden im globalen Norden statt und leiden tun die Länder im Süden. Dafür müssen sie Verantwortung übernehmen und die anderen Nationen zum Beispiel mit Zahlungen unterstützen.

 

Verstehen Sie die Aufregung rund um die Proteste? Auch die kürzlichen Aktionen mit den Gemälden.

Hartmann Ich verstehe beide Seiten sehr gut. Ich verstehe, dass Leute so verzweifelt sind, weil nichts passiert, und die Schritte dann machen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Aber ich verstehe, dass manche Menschen bestimmte Formen von Aktivismus stören und dass diese Formen manchmal zu hinterfragen sind. Ich finde es aber schade, dass darüber geredet wird, ob die Form in Ordnung ist, wobei das wichtige Thema die Bewältigung der Klimakrise wäre.

 

Was müsste auf Bundesebene passieren?

Hartmann Was jetzt das Allerwichtigste ist, dass wir ein Klimaschutzgesetz bekommen. Man muss sich vorstellen, dass wir seit fast 700 Tagen in Österreich keins haben, obwohl es eines der wichtigsten Gesetze ist. Es würden Klimaziele für das Land und die Erreichung dieser näherrücken.

 

Wie sieht es in Vorarlberg aus? Was könnte man hier machen?

Hartmann Bei uns in Vorarlberg haben wir nach wie vor den großen Problemsektor Mobilität. Dort braucht es meiner Meinung nach eine grundsätzliche Bearbeitung des Mobilitätskonzeptes sowie die Einbettung des Konzeptes in das Pariser Abkommen. Was aber gut ist, ist der Fahrradsektor. Da ist schon einiges gemacht worden in den letzten Jahren. Man könnte aber auch dies noch ausbauen.

„Die wenigsten Leute haben sich die Berichte über das, was auf uns zukommt, durchgelesen.“

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