Hoffnungsschimmer

Vorarlberg / 11.11.2022 • 16:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Regenbogen inmitten eines Gewitters. adobe
Regenbogen inmitten eines Gewitters. adobe

Der Pessimismus hat Hochkonjunktur. Wie oft liest man in den Medien von Umfragen, in denen sich die Mehrheit der Bevölkerung eine düstere Zukunft ausmalt! Auch Wissenschaftler warnen vor kosmischen und politischen Gefahren und die Nachrichten, die durch Zeitung und Fernsehen täglich in unser Haus geliefert werden, sind meist nicht gerade ermutigend. Muss da das Evangelium auch noch in diese Kerbe schlagen? Ich vermute, dass wohl fast jeder Leser diesen Eindruck gewinnt, wenn er das morgige Sonntagsevangelium studiert. Zum Glück ist dieser Text nur ein Abschnitt in der langen Bibel, die sehr viel Tröstliches enthält, das uns aufbaut und ermutigt!

Froh- oder Drohbotschaft?

Die heutige „Frohe Botschaft“ muss wirklich ein paar Mal gelesen werden, damit man neben all dem Unheil auch Ermutigendes und Aufbauendes finden kann! Gewiss, die Voraussagen sind realistisch und leider sehr wirklichkeitsnah. Sie entsprechen dem, was die Menschen seit Jahrtausenden immer wieder erfahren und durchleiden müssen bis in unsere Tage hinein. Da wäre es wohl auch nicht hilfreicher gewesen, wenn Jesus ein rosarotes Zukunftsbild vorausgezeichnet hätte!

Ein erster Trost

Es gehört zum Schmerzlichsten in leidvollen Erfahrungen, dass man den Eindruck hat, Gott sei weit weg! Weiß er überhaupt um meine Not? Interessiert ihn das? Kann er helfen? So fragen sich viele Menschen. Darauf gibt uns der heutige Text die Antwort: Ja, Gott weiß um unsere Not, er kennt sie bis in die Details hinein, Jesus nennt sie selbst schrecklich, und sie ist ihm wichtig genug, dass er seine Freunde darauf vorbereitet. Übrigens ist auch Jesus selbst ihr nicht ausgewichen, er hat sie hat sie in ihren verschiedenen Spielarten selbst am eigenen Leib erfahren. Er versteht darum einen jeden, der zu ihm ruft, und möchte ihm nahe sein. Das kann schon einen nicht geringen Trost bedeuten!

Haltegriffe der Hoffnung

Wenn ich den Text dieses Evangeliums noch einmal langsam durchlese, um unter dem vielen Beängstigenden auch Zeichen der Hoffnung zu finden, so fällt mir folgendes auf:

» Jesus lädt uns ein, uns nicht erschrecken zu lassen, denn diese schlimmen Ereignisse „müssen“ nach seinem Wort geschehen. Er erklärt uns nicht, warum, er weiß aber, dass Gott einen Plan damit hat, wenn er sie zulässt.

» Einige Verse später forderte er uns auf, nicht im Voraus besorgt zu sein, wie wir uns in solchen Situationen verhalten sollen. Warum? Sie überfordern doch oft unsere Weisheit und Kraft? Weil nicht wir sie bestehen müssen, sondern er selbst uns eingeben wird, was wir sagen und tun sollen. Das ist eine wirkliche Beruhigung: es macht gar keinen Sinn, sich selbst mit Sorgen das Leben schwer zu machen, denn in der gegebenen Situation wird uns die Lösung und richtige Haltung geschenkt werden! Ich habe von so manchen älteren Menschen erzählen gehört, wie das in den Tagen von Krieg und Verfolgung oft buchstäblich eingetroffen ist. Daraus darf ich hoffen, dass es auch für mich so gilt.

» Am bewegendsten scheinen mir die letzten beiden Verse: Inmitten von Not, Tod und Drangsal wird uns nach den Worten Jesu „kein Haar gekrümmt werden“, sondern wir werden das Leben gewinnen. Soll man das glauben? Hier betont Jesu einen Grundsatz, der wiederholt in der Bibel zu finden ist: Wir werden bisweilen nicht vor dem Leid gerettet, wie wir es gerne hätten, sondern oft durch das Leid hindurch zu einem tieferen Leben geführt, sei es in dieser Welt oder in der zukünftigen. Das ist die österliche Erfahrung Jesu, der durch den Tod hindurch zum neuen Leben auferstanden ist. Auf diesen Weg möchte er auch uns mitnehmen. Haben Sie den Mut, an dunklen Tagen in dieser Hoffnung mit ihm zu gehen?

Sr. Maria Hildegard Brem, Äbtissin Kloster Gwiggen, Hohenweiler.
Sr. Maria Hildegard Brem, Äbtissin Kloster Gwiggen, Hohenweiler.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.