Es gibt keinen Stillstand

Vorarlberg / 13.11.2022 • 13:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Es gibt keinen Stillstand
Derzeit werden in Rankweil knapp 80 Lehrlinge in acht verschiedenen Lehrberufen ausgebildet. An manchen Standorten wurden sogar eigene Lehrlingsprogramme entwickelt. Marcel A. Mayer

In der 50. Ausgabe von kontur – Vorarlbergs Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin wird ein Blick hinter die Kulissen von Hirschmann Automotive geworfen.

Rankweil Seit über 60 Jahren ist Hirschmann Automotive Entwicklungs- und Produktionspartner für elektromechanische Baugruppen und Komponenten –
und treibt heute den Fortschritt in der Automobilindustrie voran.

Gegründet wurde das Unternehmen mit Hauptsitz in Rankweil-Brederis im Jahr 1959 als Richard Hirschmann GesmbH. Damals konzentrierte man sich auf die Entwicklung und Produktion nachrichtentechnischer Geräte wie Sender, Empfänger und Antennen. 1980 stieg das Unternehmen in die Steckverbindungstechnik ein und es wurde mit der Entwicklung von Leitungen für Lautsprechersysteme für die Automobilindustrie gestartet. Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens, dem viele weitere folgen sollten, wie Angelo Holzknecht, Chief Sales Officer bei Hirschmann Automotive, im Interview mit „kontur“ erklärt: „Ein essenzieller Schritt war für uns 2003 die Übernahme von Hirschmann Automotive durch die F&R Industriebeteiligungen GmbH. Das gab uns eine regionale Stabilität mit einem regionalen Investor, der das Unternehmen auch langfristig und nachhaltig in Vorarlberg sieht. Das Wachstum passiert von hier aus.“ Internationalisierungsschritte setzte man 2007 mit der Gründung eines Werkes in Rumänien, gefolgt von einem weiteren Werk in Marokko nur wenige Jahre später. 2013 und 2014 folgten ein Vertriebsbüro sowie ein Produktionsstandort in China. „Nur ein Jahr darauf expandierten wir nach Nordamerika und eröffneten dort zuerst ein Vertriebsbüro in Detroit und 2016 dann einen Produktionsstandort in San Miguel, Mexico. Dieser Schritt war für mich besonders prägend, da ich die letzten sieben Jahre dort tätig war und den Werksaufbau begleiten durfte.“

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Platzhirsche: Die Geschäftsführer Markus Ganahl (COO), Angelo Holzknecht (CSO) und Stefan Tschol (CFO). Marcel A. Mayer

Dem Lebenszyklus standhalten
Dass sich das Unternehmen auch aktuell in einer starken Wachstumsphase befinde, sei vor allem der Entscheidung aus dem Jahr 2009 zu verdanken, die Entwicklung von Hochvolttechnologien voranzutreiben. „Hochvoltprodukte sind durch den Megatrend der E-Mobilität das Thema der Zukunft“, so Angelo Holzknecht, der zusammen mit Markus Ganahl, Chief Operating Officer (COO), und Stefan Tschol, Chief Financial Officer (CFO), die Geschäftsführung des Unternehmens bildet. Die Produkte des internationalen Automobilzulieferers finden weltweit bei allen namhaften Original Equipment Manufacturers (OEMs) ihren Einsatz. Die Komponenten werden für Anwendungen entwickelt, die dem Lebenszyklus des Fahrzeugs und extremen Umweltanforderungen standhalten. Ob für Autos mit Verbrennungsmotoren oder für elektrifizierte Fahrzeuge, ob Standardprodukte oder individuelle Kundenlösungen – Hirschmann Automotive entwickelt Systeme, die neue Maßstäbe setzen und unterstützt die Kunden dabei, das Beste aus ihrer Idee zu machen. Um das gesamte Potenzial voll auszuschöpfen, digitalisiert und optimiert das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette. So wurde in Tschechien die erste Smart Factory aufgebaut. „Und auch das neue Logistikzentrum in Rankweil wird ein vollautomatisches Lagersystem haben. So können wir Durchlaufzeiten verkürzen, unsere Produktivität und Qualität steigern und unseren Kunden eine lückenlose Rückverfolgbarkeit über den gesamten Produktionsprozess bis hin zum Endprodukt ermöglichen“, führt Angelo Holzknecht weiter aus.

Die Spezialgebiete von Hirschmann Automotive sind kundenspezifische Steckverbindungen, Hochvoltanwendungen, Kabelassemblies, Sensorsysteme, Stanz- und Biegetechnik sowie anwendungsspezifische Verbindungslösungen mit Einsatzgebieten im gesamten Fahrzeug. Doch das Unternehmen positioniert sich nicht nur in der Automobilindustrie als ambitionierter Entwicklungspartner für seine Kunden, es geht auch darum, neue Märkte zu erschließen. So werden Technologien und Entwicklungsleistungen aus der Automotive-Sparte auf eBikes, Pedelecs, eScooter und generell LEVs (Light Electric Vehicles) angewandt, damit die Produkte die Anforderungen an Emissionsfreiheit, Design und Technologie bestens bedienen. „Zudem sind wir im Bereich erneuerbare Energien aktiv und entwickeln Anschlussdosen und Steckverbinder für Solarmodule.“

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Der Mensch steht im Mittelpunkt. Die Mitarbeitenden bilden bei Hirschmann Automotive das Fundament für den unternehmerischen Erfolg. Marcel A. Mayer

Mit einem „Wir“-Konzept
Rund 6800 Mitarbeitende an sieben Produktionsstandorten weltweit treiben täglich die Branchentrends voran und gestalten so die Mobilität von heute und morgen aktiv mit. Dieses „Wir“-Konzept verbindet die Standorte und ist die Basis der Unternehmensphilosophie: Connected by Passion – über Grenzen, Ozeane und kulturelle Unterschiede hinweg. „Die Automobilindustrie ist so schnelllebig und unvorhersehbar wie kaum eine andere Branche. Wir befinden uns daher im ständigen Wandel, setzen uns herausfordernde Ziele. Häufig müssen Lösungen in sehr kurzer Zeit gefunden werden, dabei ist es das A und O, sich auf Mitarbeitende mit dem dafür notwendigen Drive verlassen zu können“, berichtet Angelo Holzknecht. Aus diesem Grund setzt das Unternehmen nicht nur auf innovative Forschung und Entwicklung, sondern legt auch äußerst großen Wert auf das Aus- und Weiterbildungsprogramm der Belegschaft. Die Mitarbeitenden werden bereits früh mit verantwortungsbewuss­ten Aufgaben betraut und zu Expert(inn)en in ihrem Bereich geformt, was besonders für junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktive Karrierechancen und spannende Zukunftsperspektiven eröffnet. Doch natürlich kämpft auch Hirschmann Automotive mit den Herausforderungen des Fachkräftemangels. Umso wichtiger ist die eigene Lehrlingsausbildung, wie auch Angelo Holzknecht bestätigt: „Wir wachsen massiv und haben entsprechend einen sehr hohen Bedarf an Fachkräften. In Rankweil bilden wir derzeit knapp 80 Lehrlinge in acht verschiedenen Lehrberufen aus, global sind es derzeit 170. An manchen Standorten haben wir sogar unsere eigenen Lehrlingsprogramme entwickelt, damit wir das technische Know-how, das wir brauchen, auch tatsächlich in unseren Betrieben haben.“

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Vollautomatisiert: In Tschechien wurde die erste Smart Factory aufgebaut. Marcel A. Mayer

Herausfordernde Zeiten
Doch nicht nur dem Fachkräftemangel, auch weiteren Herausforderungen muss sich Hirschmann Automotive – wie so viele andere Unternehmen – derzeit stellen. Das wirtschaftliche Umfeld, die steigenden Energiepreise und die Inflation wirken sich natürlich auch auf den Global Player aus. „Unser Geschäft war die vergangenen 20 Jahre sehr stark durch Verbesserungspotenziale und Einsparungen getrieben. Das ist jetzt seit einem Jahr nicht mehr möglich. Hier hat ein Wandel stattgefunden, der für die ganze Branche eine riesige Herausforderung darstellt“, erläutert Angelo Holzknecht. Aber auch die Elektromobilität sei eine bedeutende Herausforderung. „Die Produkte, wie wir sie kannten, werden sich massiv verändern und folglich auch unsere Produktionsprozesse. Der Umstieg von der Niedervolttechnik in die Hochvolttechnik stellt völlig andere Anforderungen an Produktionstechnologien. In diesem Bereich haben wir noch sehr viel zu lernen und die Umsetzung gelingt uns nur mit den besten Mitarbeitenden.“ Es warten also sehr große Unbestimmtheiten, die letztlich alle ineinander spielen. Angelo Holzknecht: „Diese in Einklang zu bringen, um auch in Zukunft nachhaltig so weiterzuwachsen wie bisher, ist eine Hürde. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch diese bewältigen und erfolgreich sein werden.“

VN-Unternehmerpreisträger
Im Jänner 2022 ist Volker Buth, der seit 2007 die Weiterentwicklung des Unternehmens wesentlich vorangetrieben hatte, aus gesundheitlichen Gründen als CEO zurückgetreten. Er trug maßgeblich zum Fortschritt des Automobilzulieferers bei. So war es einer seiner Verdienste, dass der Umsatz seit seinem Start vor 15 Jahren mehr als verfünffacht wurde. Volker Buth wurde 2018 mit dem VN-Wirtschaftspreis als „Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet. Im kommenden Jahr wird die VN-Wirtschaftsveranstaltung „Top 100“ bei Hirschmann Automotive in Rankweil-Brederis stattfinden.

50. ausgabe “kontur”

Diese und weitere Geschichten aus Wirtschaft, Kultur und Lifestyle gibt es in der aktuellen Ausgabe von “kontur” zu entdecken. Das Magazin ist am Kiosk sowie im gut sortierten Einzelhandel erhältlich. www.kontur-magazin.at

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