Königsdisziplin mit Sprengkraft

Vorarlberg / 14.11.2022 • 20:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sprengmeister Daniel Hagspiel (l.) und Bauleiter Harald Marte inspizieren das Resultat der Detonation. Sie sind zufrieden mit dem Ergebnis.VN/Haller
Sprengmeister Daniel Hagspiel (l.) und Bauleiter Harald Marte inspizieren das Resultat der Detonation. Sie sind zufrieden mit dem Ergebnis.VN/Haller

2000 Kubikmeter Fels wurden in der Felsenau für das künftige Tunnelportal des Stadttunnels gesprengt.

Feldkirch, Frastanz Die Bauarbeiten für den Stadttunnel Feldkirch sind in vollem Gange. Während in Tisis derzeit der 1200 Meter lange Erkundungsstollen vorangetrieben wird, sind in der Felsenau die Baumaßnahmen für die Verkehrsführung, die für den künftigen Stadttunnel angepasst werden, in vollem Gange.

Etwa 15 Bauarbeiter tummeln sich derzeit auf der Baustelle, wo künftig das etwa 15 Meter breite Tunnelportal in den Berg führen wird. Sie arbeiten momentan an der Umlegung der Landesstraße L190. In weiterer Folge wird mit dem Bau der Radwegunterführung begonnen. Die neue Radwegbrücke über den Blödlebach wurde bereits fertiggestellt und dient als Baustellenzufahrt.

500 Kilo Sprengstoff

Auch Bauleiter Harald Marte und Subbauleiter Daniel Hagspiel von der Firma HTB Bau befinden sich auf der Baustelle. Gemeinsam mit dem Team haben sie an diesem Tag etwas Großes vor: Eine Sprengung soll sie beim sogenannten Voreinschnitt einen guten Schritt weiter bringen. „Diese vertikal stehende Baugrubenwand ist nötig, um den bergmännischen Tunnelbau zu starten“, erklärt Marte. Einige Arbeiter haben sich in den Tagen zuvor an der Felswand abgeseilt, um sie mit Netzen zu sichern.

Die Sprengung bedarf einiges an Vorbereitung. Damit der Fels bei der Explosion nicht durch die Gegend fliegt, montieren die Bauarbeiter schwere Sprengschutzmatten. Jede wiegt über eine Tonne und wird einzeln mit einem Bagger angebracht. Trotz Sprengung gehen die Matten nicht kaputt und können wiederverwendet werden. „Wir verwenden sogenannten Emulsionssprengstoff“, erklärt Hagspiel. Die Vibrationen an der Oberfläche dürfen einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten. Deshalb muss genau berechnet werden, wie viel Sprengstoff eingesetzt wird. Heute kommen etwa 500 Kilogramm zum Einsatz.

Warnzeichen

Damit niemand gefährdet wird, sichern die Arbeiter an verschiedenen Posten die Straßen und Wanderwege in der Umgebung ab. Auch die Kletterer an der gegenüberliegenden Kletterwand werden heruntergerufen. Die Bauarbeiten und insbesondere die Sprengarbeiten in der Felsenau bedürfen viel Fingerspitzengefühls, immerhin verlaufen hier wichtige Trinkwasser-, Gas- und Telekommunikationsleitungen. Nur Sprengmeister Daniel Hagspiel bleibt etwa 50 Meter entfernt in Deckung. Über Funk kontaktiert er vor der Sprengung alle Posten.

Kurz vor der Sprengung gibt der 24-Jährige mit dem Signalhorn ein einmaliges langes Schallzeichen („sofort in Deckung gehen“) sowie ein zweimaliges kurzes Schallzeichen zur Warnung, dass gezündet wird. Dann gibt es einen lauten Knall, die Sprengung verläuft erfolgreich.

Detonation erfolgreich

Während der Sprengstoffgeruch noch in der Luft liegt und weißer Rauch aufsteigt, folgt vom Sprengmeister ein dreimaliges kurzes Signal als Zeichen, dass die Sprengung beendet ist. Der Bus-, Rad- und Autoverkehr hat nach fünf Minuten Sperre der L190 wieder freie Fahrt.

Bauleiter Harald Marte und Daniel Hagspiel inspizieren die Baustelle nach der Detonation und zeigen sich zufrieden mit dem Resultat. „Mit einer gelungenen Sprengung schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass sich das Material besser abtransportieren lässt“, erklärt Hagspiel. Im naheliegenden Wasserstollen, in dem eine der Hauptleitungen fürs Feldkircher Trinkwasser liegt, wurden die Erschütterungen während der Sprengung gemessen. Sie liegen an diesem Tag im erlaubten Bereich. 2000 Kubikmeter Fels wurden an diesem Tag gesprengt. „Eine Besonderheit ist, dass wir den Fels an Ort und Stelle mittels einer Brech- und Siebanlage aufbereiten“, sagt Daniel Hagspiel. Je nach Anforderung wird dieser zertifiziert und wiederverwertet, etwa für die Unterbauplanung der neu verlegten Straße.

Zwei weitere größere Sprengungen werden noch notwendig sein, bis der Voreinschnitt finalisiert ist. Im Mai 2024 soll diese Bauetappe fertig sein, dann kann mit dem eigentlichen Tunnel und dem Fluchttunnel begonnen werden. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt Bauleiter Marte. Bis dahin haben er und sein Team noch einiges zu tun, 2030 soll der Stadttunnel für den Verkehr freigegeben werden.

Für die erfolgreiche Detonation müssen Anordnung und Zündfolge genau durchdacht sein. Sprengen gilt als Königsdisziplin im Tunnelbau.VN/Paulitsch
Für die erfolgreiche Detonation müssen Anordnung und Zündfolge genau durchdacht sein. Sprengen gilt als Königsdisziplin im Tunnelbau.VN/Paulitsch
Bauleiter Harald Marte beobachtet vom Sicherungsposten die Sprengung.

Bauleiter Harald Marte beobachtet vom Sicherungsposten die Sprengung.

Vor der Sprengung wird die Felswand mit Netzen gesichert. VN/Rhomberg
Vor der Sprengung wird die Felswand mit Netzen gesichert. VN/Rhomberg
Spezielle Matten verhindern, dass Fels unkontrolliert durch die Luft fliegt.

Spezielle Matten verhindern, dass Fels unkontrolliert durch die Luft fliegt.

Warnsignal: Vor der Zündung bläst Daniel Hagspiel ins Horn. VN/Haller
Warnsignal: Vor der Zündung bläst Daniel Hagspiel ins Horn. VN/Haller

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