Stadttunnel: In der Felsenau hat es “Bumm” gemacht

Vorarlberg / 14.11.2022 • 16:16 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Stadttunnel: In der Felsenau hat es "Bumm" gemacht
Künftiges Tunnelportal Felsenau: Sprengen gilt als Königsdisziplin im Tunnelbau. VN/Rhomberg, Paulitsch 

Stadttunnel Feldkirch: Wie die Sprengung am zukünftigen Tunnelportal in der Felsenau verlief. Die VN waren vor Ort.

Feldkirch, Frastanz Die Bauarbeiten für den Stadttunnel Feldkirch laufen auf Hochtouren. Während in Tisis derzeit der 1200 Meter lange Erkundungsstollen vorangetrieben wird, sind in der Felsenau die Baumaßnahmen für die Verkehrsführung, die für den künftigen Stadttunnel angepasst werden, in vollem Gange.

Etwa 15 Bauarbeiter tummeln sich derzeit auf der Baustelle, wo künftig das etwa 15 Meter breite Tunnelportal in den Berg führen wird. Sie arbeiten momentan an der Umlegung der Landesstraße L190. In weiterer Folge wird mit dem Bau der Radwegunterführung begonnen. Die neue Radwegbrücke über den Blödlebach wurde bereits fertiggestellt und dient als Baustellenzufahrt.

Bauleiter Harald Marte hat alles im Blick. Vor der Sprengung wurden Bohrlöcher mit Sprengstoff gefüllt und die Sprengsätze verkabelt.<span class="copyright">VN/Haller </span>
Bauleiter Harald Marte hat alles im Blick. Vor der Sprengung wurden Bohrlöcher mit Sprengstoff gefüllt und die Sprengsätze verkabelt.VN/Haller
Vorbereitung: Spezielle Matten werden verlegt. Sie verhindern, dass Felsbrocken unkontrolliert durch die Luft fliegen. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Vorbereitung: Spezielle Matten werden verlegt. Sie verhindern, dass Felsbrocken unkontrolliert durch die Luft fliegen. VN/Haller

Auch Bauleiter Harald Marte und Subbauleiter Daniel Hagspiel von der Firma HTB Bau befinden sich auf der Baustelle. Gemeinsam mit dem Team haben sie an diesem Tag etwas Großes vor: Eine Sprengung soll sie beim sogenannten Voreinschnitt einen guten Schritt weiter bringen. “Diese vertikal stehende Baugrubenwand ist nötig, um den bergmännischen Tunnelbau zu starten”, erklärt Marte. Einige Arbeiter haben sich in den Tagen zuvor an der Felswand herabgeseilt, um sie mit Netzen zu sichern.

Marcel Sagmeister (l.) und Lukas Zudrell sichern die Felswand mit Netzen.<span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Marcel Sagmeister (l.) und Lukas Zudrell sichern die Felswand mit Netzen.VN/Rhomberg
Der Fels wird mittels Netz gesichert. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Der Fels wird mittels Netz gesichert. VN/Rhomberg
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VN/Rhomberg

500 Kilo Sprengstoff

Die Sprengung bedarf einiges an Vorbereitung. Damit der Fels bei der Explosion nicht durch die Gegend fliegt, montieren die Bauarbeiter schwere Sprengschutzmatten. Jede wiegt über eine Tonne und wird einzeln mit einem Bagger angebracht. Trotz Sprengung gehen die Matten nicht kaputt und können wiederverwendet werden. “Zum Einsatz kommt Emulsionssprengstoff”, erklärt Hagspiel. Die Vibrationen an der Oberfläche dürfen einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten. Deshalb muss genau berechnet werden, wie viel Sprengstoff eingesetzt wird. Heute kommen etwa 500 Kilogramm zum Einsatz.

Subbauleiter Daniel Hagspiel (HTB Bau) führt die Sprengung durch. Für die erfolgreiche Sprengung müssen Anordnung und Zündfolge genau durchdacht sein.<span class="copyright"> VN/Haller</span>
Subbauleiter Daniel Hagspiel (HTB Bau) führt die Sprengung durch. Für die erfolgreiche Sprengung müssen Anordnung und Zündfolge genau durchdacht sein. VN/Haller
Vor der Sprengung wird im Team nochmals die Lage besprochen. Alle begeben sich auf ihre Posten, niemand kommt unbemerkt auf die Baustelle.<span class="copyright">VN/Haller</span>
Vor der Sprengung wird im Team nochmals die Lage besprochen. Alle begeben sich auf ihre Posten, niemand kommt unbemerkt auf die Baustelle.VN/Haller
Wichtiges Gerät für die Warnsignale: Bevor die Sprengsätze gezündet werden, bläst Daniel Hagspiel ins Horn. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Wichtiges Gerät für die Warnsignale: Bevor die Sprengsätze gezündet werden, bläst Daniel Hagspiel ins Horn. VN/Haller
Kein roter Knopf, dafür ein Hebel: Mit diesem Gerät löst Sprengmeister Daniel Hagspiel die Detonation aus. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Kein roter Knopf, dafür ein Hebel: Mit diesem Gerät löst Sprengmeister Daniel Hagspiel die Detonation aus. VN/Haller

Damit niemand gefährdet wird, sichern die Arbeiter an verschiedenen Posten die Straßen und Wanderwege in der Umgebung ab. Auch die Kletterer an der gegenüberliegenden Kletterwand werden heruntergerufen. Die Bauarbeiten und insbesondere die Sprengarbeiten in der Felsenau bedürfen viel Fingerspitzengefühl, immerhin verlaufen hier wichtige Trinkwasser-, Gas- und Telekommunikationsleitungen.

Die Karte zeigt die Sicherungsposten an, die den Verkehr und Fußgänger vor der Sprengung anhalten.<span class="copyright">VN/Haller</span>
Die Karte zeigt die Sicherungsposten an, die den Verkehr und Fußgänger vor der Sprengung anhalten.VN/Haller

Nur Sprengmeister Daniel Hagspiel bleibt etwa 50 Meter entfernt in Deckung. Über Funk kontaktiert er vor der Sprengung alle Posten. Kurz vor der Sprengung gibt der 24-Jährige mit dem Signalhorn ein einmaliges langes Schallzeichen (“sofort in Deckung gehen”) sowie ein zweimaliges kurzes Schallzeichen zur Warnung, dass gezündet wird. Dann gibt es einen lauten Knall, die Sprengung verläuft erfolgreich.

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Während der Sprengstoffgeruch noch in der Luft liegt und weißer Rauch aufsteigt, folgt vom Sprengmeister ein dreimaliges kurzes Signal als Zeichen, dass die Sprengung beendet ist. Der Bus-, Rad- und Autoverkehr hat nach fünf Minuten Sperre der L190 wieder freie Fahrt.

Die Detonation verlief erfolgreich.<span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Detonation verlief erfolgreich.VN/Paulitsch
Auf sieben Posten werden Verkehrs-, Rad- und Wanderwege für kurze Zeit gesperrt. Mittels Funk kommunizieren die Sicherungsposten vor der Sprengung miteinander. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Auf sieben Posten werden Verkehrs-, Rad- und Wanderwege für kurze Zeit gesperrt. Mittels Funk kommunizieren die Sicherungsposten vor der Sprengung miteinander. VN/Haller
500 Kilogramm Sprengstoff kamen zum Einsatz.<span class="copyright"> VN/Haller</span>
500 Kilogramm Sprengstoff kamen zum Einsatz. VN/Haller

Bauleiter Harald Marte und Daniel Hagspiel inspizieren die Baustelle nach der Detonation und zeigen sich zufrieden mit dem Resultat. “Mit einer gelungenen Sprengung schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass sich das Material besser abtransportieren lässt”, erklärt Hagspiel. Im naheliegenden Wasserstollen, in dem eine der Hauptleitungen fürs Feldkircher Trinkwasser liegt, wurden die Erschütterungen während der Sprengung gemessen. Sie liegen an diesem Tag im erlaubten Bereich.

Die Bauleiter inspizieren das Resultat der Detonation. Sie sind zufrieden.<span class="copyright"> VN/Haller</span>
Die Bauleiter inspizieren das Resultat der Detonation. Sie sind zufrieden. VN/Haller
Bei der Sprengung wurden etwa 2000 Kubikmeter Fels gesprengt. Besonderheit: Das Material wird vor Ort aufbereitet und wiederverwendet. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Bei der Sprengung wurden etwa 2000 Kubikmeter Fels gesprengt. Besonderheit: Das Material wird vor Ort aufbereitet und wiederverwendet. VN/Haller

2000 Kubikmeter Fels wurden gesprengt. “Eine Besonderheit ist, dass wir den Fels an Ort und Stelle mittels einer Brech- und Siebanlage aufbereiten”, sagt Daniel Hagspiel. Je nach Anforderung wird dieser zertifiziert und wiederverwertet, etwa für die Unterbauplanung der neu verlegten Straße.

Zwei weitere große Sprengungen werden noch notwendig sein, bis der Voreinschnitt finalisiert ist. Im Mai 2024 soll diese Bauetappe fertig sein, dann soll mit dem eigentlichen Tunnel und dem Fluchttunnel begonnen werden. “Wir liegen im Zeitplan”, sagt Bauleiter Marte. Bis dahin haben er und sein Team noch einiges zu tun, 2030 soll der Stadttunnel für den Verkehr freigegeben werden.

Daniel Hagspiel und Harald Marte sind zufrieden mit dem Ergebnis. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Daniel Hagspiel und Harald Marte sind zufrieden mit dem Ergebnis. VN/Haller
Stadttunnel: In der Felsenau hat es "Bumm" gemacht

Ombudsstelle Stadttunnel

Jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr im Infozentrum Stadttunnel am ehemaligen Schulbrüderareal geöffnet.

T +43 664 5150410 bzw. ombudsstelle@stadttunnel-feldkirch.at. Weitere Informationen unter www.stadttunnel-feldkirch.at

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