Ein Plädoyer

Vorarlberg / 15.11.2022 • 18:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Ein Plädoyer

Dies ist ein Plädoyer für die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die einen Tag völlig verändern können. Eine flammende Rede für den liebevollen Einzeiler, der unvermittelt am Bildschirm aufploppt. Für den freundlichen Gruß an der Lift-Tür. Für jene zwei, drei zuvorkommenden Worte, die nicht hätten sein müssen. Die niemand erwartet hat, die aber gerade deshalb so guttun.

Die Welt würde ja gewiss überfließen von solchen herzerwärmenden Zwischentönen, erstickten sie nicht so oft vor ihrer Zeit in Routine. Oder in gesellschaftlichen Zwängen oder einlullender Bequemlichkeit. Was einem selbstverständlich geworden ist über die Jahre, bedarf eben keiner gesonderten Erwähnung mehr, oder?

Und so leben Paare weiter in gut eingeübter Belanglosigkeit, Büros bleiben sachlich nüchtern und wenn die Reinigungsfrau – seit vielen Jahren dieselbe – spätabends das Büro verlässt, um danach dann noch einen anderen, nämlich ihren Haushalt zu schmeißen, dann muss ein knappes Kopfnicken eben reichen. Wenn überhaupt! Wie wäre die Welt wohl, wenn all das, was uns spontan in den Sinn kommt, nie zum Ausdruck käme? Kalt und grau wäre sie und hungernd und dürstend nach Farbtupfern jedweder Art.

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