Die zweite große Liebe gefunden

Vorarlberg / 16.11.2022 • 05:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Peter mit seiner Monika. Die beiden sind seit 14 Jahren ein Paar.
Peter mit seiner Monika. Die beiden sind seit 14 Jahren ein Paar.

Nach dem Tod seiner Frau begegnete Peter Mattner noch einmal der Liebe.

Dornbirn /Olpe Der erste große Glücksfall im Leben des Peter Mattner (81) war, als seine Eltern mit ihm von Feldkirch nach Dornbirn zogen. Peter war damals, im Jahr 1954, zwölfeinhalb Jahre alt.

„In dem Haus, das wir bezogen, wohnte Waltraud, meine spätere Ehefrau.“ Die beiden Teenager waren sich auf Anhieb sympathisch. „Waltraud gefiel mir sofort“, erinnert sich Peter. Auch der erste Kuss im Keller des Mehrparteienhauses ist ihm noch in bleibender Erinnerung. Und das gemeinsame Federballspiel. Aus der Jugendliebe wurde eine Lebensliebe, die nicht einmal der Tod zu beenden vermochte. Der Mensch Waltraud ging, die Liebe aber, die Peter für Waltraud empfand, die blieb. Die ist auch heute noch da, in seinem Herzen, fast 20 Jahre nach ihrem Tod.

Peter Mattner heiratete seine Waltraud am 31. März 1964.
Peter Mattner heiratete seine Waltraud am 31. März 1964.

Nachdem sich Peter zum Volksschullehrer ausbilden hatte lassen, heiratete er seine Waltraud. „Ich war stolz, dass ich sie für mich gewinnen konnte. Diese Frau hatte Charakter. Sie hielt ein ganzes Leben lang zu mir.“ Nur dank Waltraud konnte Peter neben dem Lehrerberuf auch noch journalistisch tätig sein. „Sie war meine rechte Hand, unterstützte mich in allen Belangen.“ Sein Vater Josef Mattner, der viele Jahre die Sportredaktion der VN leitete und es bis zum stellvertretenden Chefredakteur brachte, hatte ihm die Begeisterung für den Journalismus mitgegeben. Peter verschrieb sich diesem jedoch nicht ganz. Er war mit Leib und Seele Direktor der Volksschule Watzenegg. Aber er schrieb sich auch als Lokalberichterstatter von Dornbirn in die Herzen der Menschen.

Peter und Waltraud Mattner waren ein gutes Team.
Peter und Waltraud Mattner waren ein gutes Team.

Als seine Frau im Jahr 2003 an Krebs erkrankte, blieb dem Ehepaar nicht mehr viel Zeit. „Drei Monate nach der Diagnose starb Waltraud. Sie war erst 60 Jahre alt.“ Die ersten paar Monate nach ihrem Tod ging es Peter sehr schlecht. Das Einzige, was ihm half, war die journalistische Tätigkeit. „Ich konnte schreiben, hatte Beschäftigung.“ Das lenkte den pensionierten Pädagogen vom Verlustschmerz ab.

Nur ein Jahr später musste Peter erneut einen Schicksalsschlag verkraften. Der Vater verlor Richard, den älteren der beiden Söhne. „Richard litt an Mukoviszidose. Er stand vor der dritten Transplantation, als seine Organe versagten.“  Die Todesfälle setzten Peter sehr zu. „Aber man muss das Leben so nehmen, wie es kommt.“ Und wieder war es seine Tätigkeit für die Zeitung, die ihm über die schmerzliche Zeit half.

Spätes Glück

Der zweite große Glücksfall im Leben des Peter Mattner war, als Monika Schneider im Jahr 2006 das jährliche Klassentreffen der Lehrerbildungsanstalt organisierte und die ehemaligen Schulkollegen zu sich nach Olpe (Deutschland) rief. Nach dem Klassentreffen sagte Monika, die einen Deutschen geheiratet hatte und seither in der Kleinstadt Olpe in Nordrhein-Westfalen zu Hause ist: “Ihr könnt jederzeit wiederkommen.“ Peter nahm dies wörtlich und rief Monika im April 2008, an. „Ich fragte sie, ob wir wiederkommen dürfen. Das Klassentreffen, so sagte ich, würde dieses Mal ich organisieren.“ Monika freute sich und Peter begann das Treffen zu organisieren – mit kläglichem Erfolg. „Letzten Endes war ich der Einzige, der sich zur Reise nach Deutschland bereit erklärte.“ Der Dornbirner aber ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. „Ich fragte Monika, ob ich auch allein kommen könne und ob das überhaupt schicklich sei. Sie lachte und meinte, dass ich ohne Weiteres kommen könne.“

Im Juli 2008 setzte sich der Witwer ins Auto und fuhr nach Olpe. „Monika sagte mir, es sei gut, wenn ich zum Schützenfest käme.“ Peter verbrachte einige Tage bei der Witwe. Das war der Auftakt einer großen Liebe. „Ab da blieben wir in Kontakt. Wir haben uns Liebesbriefe geschrieben und täglich telefoniert, einmal vier Stunden lang.“ Die Beziehung zwischen den beiden wurde von Tag zu Tag enger. „Ich war dann öfters bei ihr im Sauerland.“ Im Jahr 2010 zog das Paar zusammen. Seither lebt Peter in Olpe. Hin und wieder besucht er noch seine Heimatstadt Dornbirn, wo sein Sohn Wolfgang lebt. „Aber schon nach ein paar Tagen möchte ich wieder zurück, weil ich Monika vermisse.“

Peter Mattner ist ein begeisterter Gärtner.
Peter Mattner ist ein begeisterter Gärtner.

Der 81-Jährige ist zutiefst dankbar, dass ihm ein zweites Glück geschenkt wurde. „Ich hätte nie gedacht, dass mir noch einmal die Liebe begegnet.“ Inzwischen ist das Paar schon 14 Jahre zusammen. Monika und Peter haben schöne Zeiten miteinander erlebt. „Wir haben viele wundervolle Reisen gemacht.“ Aber auch der Alltag birgt schöne Momente. „Monika ist eine hervorragende Pianistin. Zu meiner Freude spielt sie für mich fast jeden Abend Klavier.“ Freude macht ihm auch Monikas Familie – „wir haben vier Enkel“ – und der große Garten, den er mit Eifer pflegt. Seine Fürsorge gilt aber vor allem Monika. „Jetzt im Alter ist sie nicht mehr so mobil. Ich muss in ihrer Nähe sein und mich um sie kümmern.“

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